Archiv - Alborosie spielt am 30.08.2018 ein Konzert in Italien (Bild: imago/Antonio Melita)
Audio: Inforadio | 23.04.2019 | David Krause | Bild: imago stock&people

Konzertkritik | Reggaeville im Festsaal Kreuzberg - Gekifft wird hier auch nicht mehr als auf anderen Konzerten

Immer diese Vorurteile wenn es um Reggae geht. Aber die sind ja auch dafür da, damit wir mit ihnen aufräumen können. Doch ist das beim Reggaeville am Montagabend im Festsaal Kreuzberg gelungen? Muss es gar nicht, findet David Krause.

Da leiert er und leiert: der Off-Beat, der Reggae am Leben hält. Klingt das Genre, das Ende der 1960er Jahre in Jamaika geboren wurde, immer gleich? Absolut. Aber welche Musikrichtung, in der man nicht so richtig drinsteckt, tut das nicht?

Millionen von Klicks und trotzdem fast unbekannt

So richtig voll ist der Festsaal nicht. Drei Künstler und ihre Bands teilen sich an diesem Abend die Bühne: Alborosie, Marcus Gad und Christopher Martin. Letzterer ist sehr erfolgreich im Internet. Millionen von Klicks hagelt es auf seine Youtube-Videos. In seinen Highschool-Jahren gewann der mittlerweile 32-Jährige die TV-Show "Rising Stars", die jamaikanische Version von "Deutschland sucht den Superstar". Später coverte er den Singer-Songwriter Passenger mit dem Song "Let Her Go" und wurde damit auch bei genrefremden Usern bekannt. Die landen bei einer Google-Suche dennoch eher bei seinem Fast-Namensvetter Chris Martin von Coldplay.

Zurück in den Festsaal und den Klischees: Ja, es gibt an diesem Abend Menschen im Festsaal Kreuzberg, die Dreadlocks tragen. Gekifft wird hier auch, aber nicht mehr oder weniger als auf anderen Konzerten. Der Rest, also das Musikalische, ist übrigens seit vorigem Jahr UNESCO-Weltkulturerbe.

Christopher Martin trägt ein hautenges, weißes Shirt, unter dem sich Mucki-Arme abzeichnen, und fragt: "Love Reggae?" "Ja", ist sich das Publikum einig. Eine Frau genießt mit geschlossenen Augen und zurückgelehntem Kopf die Show. Ein anderer trägt ein Sakko mit roten und grünen Blumen und lässt seine Feuerzeugflamme über den Köpfen schwenken. Seine Schuhe und seine Mütze sind im selben Rot-Ton gehalten.

Hier lernt man was

Beim Regaeville lernt das Publikum sogar etwas. Zum Beispiel, dass das Wort "Kanake" Mensch bedeute und in anderen Teilen der Welt keine rassistische Beleidigung sei. Marcus Gad, der den Abend beginnt, moderiert den Song mit eben diesem Namen an: "Meine deutschen Brüder und Schwestern haben mit gesagt, dass das eine rassistische Beleidigung ist (…). Da wo ich herkomme, heißt es Mensch, und wir sind stolz darauf, also lasst uns dem Wort wieder die positive Ursprungsbedeutung geben!" Großer Applaus.

Gegen Mitternacht geht ein Abend zu Ende, an dem das Publikum nicht nur Reggae als Genre erlebt, sondern in dessen ganzer Kultur eintaucht.

Beitrag von David Krause

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1 Kommentar

  1. 1.

    Aha. Jetzt wissen wir also, wer da u.a. aufgetreten ist, was das Publikum so anhatte und viel anderes nützliches. Nur wie das Konzert war, wissen wir nicht.
    Aber das soll ja schließlich auch keine Konzertkritik sein, oder? Ach, doch? Hätt ich jetzt nicht gedacht...naja, klingt ja auch alles gleich, nicht wahr....?

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