Biedermann und die Brandstifter Ensemble (Quelle: Theater Poetepack)
Audio: Antenne Brandenburg | 01.04.2019 | Claudia Baradoy | Bild: Theater Poetepack

Freie Theatertruppe wird 20 - Potsdamer Poetenpack feiert Premiere in eigener Spielstätte

Lange hatte die Potsdamer Theatertruppe Poetenpack keine eigene Bühne. Jetzt feiert sie ihr 20-jähriges Bestehen - in der ersten eigenen Spielstätte. "Biedermann und die Brandstifter" feiert Premiere - ein politisch hochaktuelles Stück. Von Claudia Baradoy  

20 Jahre ist das Poetenpack von Freilichtbühne zu Freilichtbühne vagabundiert, ohne feste Bühne. Jetzt bekommt das freie Theater seine eigene Spielstätte.

Häufiger spielte das Ensemble in der Vergangenheit am Spieltort Q-Hof in Potsdam West. Das ist zwar ein romantischer Hinterhof eines Wohnhauses, mit altem Stall und Scheune, doch die Spielmöglichkeiten für die Truppe waren begrenzt. Ebenso trat das Poetenpack [externer Link] im historischen Heckentheater nahe des Neuen Palais im Park Sanssouci auf. Aber die Theatertruppe musste immer wieder improvisieren und weglassen.

"Zimmerbühne" kann das ganze Jahr über bespielt werden

Das feste Haus in der innenstadtnahen Zimmerstraße bietet nun neue Entfaltungsmöglichkeiten. Poetenpack-Chef Andreas Hueck zeigt sich glücklich: "Das Haus hat eine Superlage, direkt am Luisenplatz, hier sind jede Menge Parkplätze in der Tiefgarage und man kann gegenüber in der Theaterklause noch etwas essen gehen."

Zudem kann das Haus das ganze Jahr über bespielt werden. "Zimmerbühne" nennt Hueck das neue Haus, in dem bis vor einigen Jahren die Potsdamer Adventistengemeinde ihren Sitz hatte.

Gespielt wird im ehemaligen Gemeindesaal. Der ist recht klein, 80 Zuschauer passen hinein. Mit der Enge und Intimität des Raumes arbeitet Hueck. Wenn das erste Stück am 4. April Premiere hat, sitzen die Zuschauer quasi mit an Biedermanns Tafel, mitten in der "Guten Stube".

Aufgeführt wird Max Firschs "Biedermann und die Brandstifter"

Max Frischs Stück "Biedermann und die Brandstifter" wurde 1958 uraufgeführt. Es handelt davon, wie Familie Biedermann offenen Auges in ihr Verderben läuft. Brandstifter und Extremisten sind in der Stadt und legen in Privathäusern Feuer. Eine Abends stehen sie auch bei Herrn Biedermann vor der Tür und schleichen sich ein.

Für Regisseur Michael Neuwirth hat der Stoff bis heute nichts an Aktualität verloren: "Letztendlich spielen die Hausierer, die Brandstifter, mit offenen Karten. Der Herr Biedermann will es nur nicht wahrhaben und hat immer einen guten Plan. Er sagt sich: 'Ich muss sie nur einladen, ich muss sie nur zu meinen Freunden machen, und dann wird das schon.'"

Im Grunde gehe es darum, dass wir aufmerksam sein müssen, sagt Neuwirth. "Was passiert um uns herum? Wer gewinnt an Kraft in dieser Gesellschaft, wer setzt sich durch und wann ist der Zeitpunkt, an dem wir Stopp sagen müssen?"

Biedermann passe gut in die heutige Zeit

Die Blindheit, die Trägheit und das Wegsehen des Herrn Biedermann schaffen den Hausierern, den heimlichen Brandstiftern, freie Bahn.

In der Inszenierung stehen neben den professionellen Schauspielern auch Jugendliche auf der Bühne. Das Poetenpack ist für "Biedermann" eine Kooperation mit dem MitMachMusik e.V. eingegangen. Unter anderem spielt die 15-jährige Helen Pessel aus Werder mit. Sie hat Schauspiel als Unterrichtsfach gewählt und schon in mehreren Poetenpack-Inszenierungen mitgespielt.

"Ich finde, Biedermann ist für uns ein Stück, das auch gut in die heutige Zeit passt. Überall gibt es Brandherde, es ist für mich ein politisches Stück", sagt sie. Zum Beispiel habe man Zitate und Slogans der AfD mit in das Stück gebaut. "Für mich ist es interessant, die Parallelen zwischen damals und heute zu sehen."

Sendung:

Beitrag von Claudia Baradoy

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