17.04.2019, Brandenburg, Potsdam: Nastassja Kreft (r), Gesamtkoordination, und Nicola Land, Rahmenprogramm, präsentieren das Programm des 48. International Student Filmfestival "Sehsüchte". (Quelle: dpa/Settnik)
Video: zibb | 23.04.2019 | Uri Zahavi | Bild: dpa/Settnik

Internationaler Filmnachwuchs in Potsdam - Sehsüchte-Filmfestival zeigt die Suche nach der Identität

Unter dem Motto "Explore" zeigt das Sehsüchte-Festival ab Mittwoch an der Filmuniversität Babelsberg insgesamt 111 Filme von Studierenden. Darunter: 360°-Filme, bei denen man dank einer speziellen Brille komplett in andere Welten eintauchen kann. Von Sabine Voßen

In einer roten Seifenkiste fährt er den Hang herunter. Dabei sieht er glücklich und befreit aus. So läuft es aber nicht immer im Leben von Arnaud. Denn er hat ein Problem mit Alkohol, trinkt nicht nur in Gesellschaft, sondern auch aus Einsamkeit. Gefilmt wurde er dabei von seinem Bruder, dem belgischen Regisseur Thomas Damas für seine Doku "Et Arnaud".

Viele Filme mit queeren Themen

Wie bei vielen Filmen, die in diesem Jahr die auf dem Sehsüchte Festival in Potsdam gezeigt werden, gehe es um Familie und Identität, sagt Festival Leiterin Nastassja Kreft. "Identität hat bei uns in diesem Jahr viel mit Selbstfindung zu tun. Wir haben viele Filme aus dem queeren Bereich, auch Filme, die homosexuelle Themen ansprechen." Vielleicht, mutmaßt sie, würden diesen Themen besonders junge Menschen betreffen und seien deswegen in einem Studierenden-Festival so vorrangig wiederzufinden.

Die Welt dreidimensional entdecken

Ein zentrales Thema des fünftägigen Filmfestivals ist "Explore", also Entdecken. Dazu gehört neben anderen Familiengeschichten auch ein Perspektivwechsel. Aus den 111 Filmen werden dieses Jahr zum ersten Mal fünf ganz besondere Filme im Wettbewerb laufen: 360°-Filme, bei denen man dank einer speziellen Brille komplett in andere Welten eintauchen kann.

Student Vincent Albert hat die neue Wettbewerbskategorie mitgestaltet. "Eigentlich sind es wirklich diese Momente, wenn man diese 360°-Brille aufhat und etwas spürt, was man bisher in keinem anderen Medium gespürt hat. Zu sagen: Hey ich glaube, das wird bleiben, das wird größer. Ich glaube, das verdient es, dass ganz ganz ganz viele andere Menschen auch diese tollen Erfahrungen machen. Mehr ist es eigentlich nicht." 

Archivbild: Eine Frau filmt bei der Eröffnungsfeier des Studentenfilmfestival Sehsüchte in Potsdam. (Quelle: imago)Foyer der Filmuni Babelsberg bei der Eröffnung des Sehsüchte-Festivals im Jahr 2016.

CO2-neutral nach Australien kommen

Das Gefühl, komplett Teil eines Films zu sein, sich in der Geschichte umschauen zu können und ganz neue Dinge zu entdecken, kann man dieses Jahr kostenlos auf dem Sehnsüchte-Festival erleben. Susanne Dickel ist Jurymitglied der Sektion "360°-Film" und hat die Wettbewerbsfilme auf Herz und Nieren überprüft: "Ein Film spielt in Australien. Ich weiß nicht, wie viele Menschen die Möglichkeit haben, in ihrem Leben nach Australien zu reisen. Aber so kann man quasi auf eine CO2-neutrale Art dahin kommen, durch die Welt reisen und eine andere Perspektive erleben, ohne tatsächlich den Stuhl zu verlassen."

Grenzen zu überschreiten, ohne vom Kinosessel aufzustehen, klappt auf dem diesjährigen Sehsüchte-Festival gut. Insgesamt 2.348 Minuten Film, spannende Workshops für Nachwuchs-Filmemacher, ein Filmquiz oder Karaoke bieten die Möglichkeit, sich vielseitig mit den Werken von Nachwuchskünstlern aus insgesamt 23 Ländern zu beschäftigen.

Beitrag von Sabine Voßen

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Uferhallen in der Uferstraße 8 in Berlin Wedding / Gesundbrunnen. (Quelle: imago images/Spiekermann-Klaas)
imago images/Spiekermann-Klaas

Ausstellung in Berlin - Künstler in den Uferhallen haben "Eigenbedarf"

Eigenbedarf und Immobilienverkauf: Angst davor raubt derzeit vielen Berliner Mietern den Schlaf. Auch die Künstler in den Weddinger Uferhallen haben damit zu tun. Sie ergeifen jetzt die Flucht nach vorn und machen eine Ausstellung zum Thema. Von Barbara Wiegand