George Ezra aus der Liveshow der GOLDENEN KAMERA 2019 (Quelle: dpa/Eventpress)
Audio: Inforadio | 07.05.2019 | Magdalena Bienert | Bild: dpa/Eventpress

Konzertkritik | George Ezra in der Max-Schmeling-Halle - So uncool, dass man ihn mögen muss

George Ezra weiß, wie man Hits schreibt. Der junge Brite ist trotz seines Erfolges bodenständig geblieben und live überraschend uncool. Den Fans hat er wohl den besten Montagabend des Jahres beschert. Von Magdalena Bienert

Die Max-Schmeling-Halle ist nahezu ausverkauft. Wohin das Auge blickt: Pärchen. Und wohin die Pärchen blicken: auf eine Bühne, die einem Wohnzimmer nachempfunden wurde. Mit Topfpflanzen, einem Grammophon, Stehlampen im Vintagelook und drei Meter hohen Fenstern, die mit eher belanglosen Visuals bespielt werden. Die siebenköpfige Band ist um Ezra verteilt und wie der Sänger komplett in schwarz gekleidet. Man beginnt pünktlich um 21 Uhr mit "Don´t matter now", der ersten Single-Auskopplung des zweiten Studioalbums "Staying at Tamara's".

Mit seiner charmanten Art hat Ezra seine Fans ziemlich schnell zu seinen Verbündeten gemacht und ihnen mit seiner Mischung aus Country, Folk und Pop den wahrscheinlich besten Montagabend des Jahres beschert.

Sympathisch-uncooler Schwiegermutterliebling

Ist der Sänger wirklich erst 25? Die samtige, dunkle Stimme puzzelt sich nur langsam mit der äußeren Erscheinung zusammen. Ezra trägt ein schwarzes Hemd zu schwarzer Bundfaltenhose. Nein, keine Sneaker als stilistischer Bruch. Aber – und das ist das Überraschende hinter aller Biederkeit, die Bühnenbild und Sänger ausstrahlen, George Ezra ist so dermaßen uncool, dass man ihn nur sympathisch finden kann. Schnell rücken Assoziationen à la Schwiegermutterliebling, Babyface und Wohlfühlpop in den Hintergrund. Mit seiner charmanten Art hat Ezra seine Fans ziemlich schnell zu seinen Verbündeten gemacht und ihnen mit seiner Mischung aus Country, Folk und Pop den wahrscheinlich besten Montagabend des Jahres beschert.

Was Ezras Hit "Budapest" mit einer Flasche Rum in Schweden zu tun hat

Ezra spielt sich 90 Minuten durch seine zwei Alben und erzählt immer wieder, wie seine Songs entstanden sind. Da ist wenig, was man nicht schon irgendwo gelesen hätte und er erzählt es sicher auch nicht so zum ersten Mal. Aber er macht das bedächtig und in diesem tollen englischen Singsang. Fast alle Songideen, sind ihm auf Reisen eingefallen. Sein aktuelles Album ist auch in Barcelona entstanden, wo er privat bei einer Tamara gewohnt hat, sein Hit "Budapest" vom ersten Album entstand wiederum auf einer Bahntour durch Europa. Aber nicht, weil er Budapest so schön fand, sondern das Gegenteil war der Fall, wie er erzählt. Denn auch, wenn George Ezra so aussieht,  als wäre das Wildeste in seinem Leben eine Schnapspraline zur Volljährigkeit gewesen – der Schein trügt. Natürlich. Der Mann ist schließlich Engländer! Als er einen Abend in Schweden strandete, war das just in einem Jahr, wo in Stockholm der Eurovision Songcontest ausgetragen wurde und drei Schwedinnen ihn zum Public Viewing überredet hatten. Freimütig erzählt Ezra, wie er daraufhin in einem Park bei einem Mann eine Flasche Rum erstand, weil Alkohol abends nicht mehr offiziell verkauft wurde, er aber den Songcontest nicht nüchtern gucken wollte. Der Rum sei dann der Grund gewesen, warum er es am nächsten Tag nicht nach Budapest geschafft hätte.

Mehr Bundfaltenhose, als zerrissene Jeans

Ezras erstes Album "wanted on voyage" war 2014 nach Ed Sheeran und Sam Smith das meistverkaufte Album des Jahres.  Dieses Jahr hat der Singer-Songwriter bereits einen Brit Award und in Deutschland die Goldene Kamera gewonnen. Er schreibt seine Songs selbst und spielt auf seinen Alben fast alle Instrumente alleine ein.  Trotz seines Erfolgs ist er für die Fans nahbar und bodenständig. Also doch eher Bundfaltenhose, als zerrissene Jeans. Und, wenn Ezra in übergroßer Geste seine Arme auseinanderreißt, um seine Fans zum Klatschen zu animieren, wirkt er wie ein ausgelassener Welpe. Da verzeiht man auch 50 orange-gedimmte Laternen, die über dem Innenraum zu "Hold my girl" herunterkommen und der Kitschigkeit die Krone aufsetzen. George Ezra selbst ist es wahrscheinlich eh egal -  der will nur spielen, und das macht er live ziemlich gut.

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Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Ich glaube nicht das uncool in diesem Bericht negativ gemeint ist sondern sich eher auf seine natürliche Ausstrahlung bezieht.

  2. 1.

    Er ist weder 24 noch uncool...So ein Spruch ist echt unnötig

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