Das neue Plattencover von Rammstein und ihrem siebten Album "Rammstein." Ein Streichholz ist darauf abgebildet. (Quelle: Rammstein/Universal)
Audio: Inforadio | 17.05.2019 | Bruno Dietel | Bild: Rammstein/Universal

Albumkritik | Neue Rammstein-Platte - Aufregung fest eingeplant

Im Video zu "Deutschland" tragen Rammstein KZ-Häftlingskleidung. Die Aufregung darüber war groß, das Ziel maximale Aufmerksamkeit war erreicht. Das neue Album der Band liefert nun noch mehr Provokation. Die Kraft der Platte liegt aber woanders. Von Bruno Dietel

Wenn sich Grenzen vor lauter Grenzüberschreitung längst verschoben haben, wird Provozieren selbst für die Meister der Provokation schwierig. Trotzdem: Auch auf Album Nummer sieben spielen Rammstein allein durch Songnamen mit der Tümelei, die ihnen immer vorgeworfen wird - und die politisch falsch verstanden werden kann.

Der Ausländer als Kosmopolit

Allein der Songtitel "Ausländer" ist schon eine klare Provokation. Der Song beginnt wie ein Discohit vom Ballermann: Ein elektronisches Partykeyboard trifft auf hämmernde Drums, der Klang baut eine unheimliche Drohkulisse auf. Und dann? Der Song handelt nicht etwa vom bösen Ausländer. Bei Rammstein ist dieser Ausländer einfach nur ein internationaler, vielsprachiger Kosmopolit, ein Casanova:

"Und wenn die Sonne untergeht
Und man vor Ausländerinnen steht
Ist es von Vorteil, wenn man dann
Sich verständlich machen kann"

Rammstein spielen mit den Erwartungen ihrer Fans  - und hauen sie uns innerhalb weniger Songzeilen wieder um die Ohren. Das geht so weit, dass Textzeilen wie "Wir leben nur einmal / Wir lieben das Leben / Wir lieben die Liebe" auch beim Kölner Karneval laufen könnten – "Viva Colonia" lässt grüßen. Das ist kein bisschen provokant - sondern einfach verdammt lustig.

Rammstein live am 06.12.2018 während der Veranstaltung "10 Jahre Völkerball - A Tribute to Rammstein live im Capitol" in Hannover (Bild: imago/Ulrich Stamm)
Rammstein sind seit jeher für ihre spektakulären Live-Shows bekannt. | Bild: imago/Ulrich Stamm

Till Lindemann als unzähmbarer Dämon

Dann zieht uns Sänger und Texter Till Lindemann doch noch in den Abgrund, auf den alle gewartet haben. Die Schwester empfängt zu Hause ihre Freier. Der Bruder hält es mit der Puppe nicht mehr aus, die ihn ruhigstellen soll. Er verwandelt sich in einen unzähmbaren Dämon:

"Und dann reiß' ich der Puppe den Kopf ab
Dann reiß' ich der Puppe den Kopf ab
Ja, ich beiß' der Puppe den Hals ab
Es geht mir nicht gut"

Rammstein funktionieren seit 25 Jahren. Sie wissen sehr genau, was von ihnen erwartet wird - und sie liefern: Goth-Chöre, mechanisch-harte Gitarrenwände und die vertraute dreckig-versaute Symbolik. Ein Song über Tattoos, über glühende Nadeln und in nackte Haut verewigte Liebe, kann da kaum noch überraschen. Dafür sind Rammstein abermals wirklich lustig: "Deinen Namen stech' ich mir / Dann bist du für immer hier / Aber wenn du uns entzweist / Such’ ich mir jemand, der genauso heißt."

Schon immer kalkulierte Provokation

Das Album ist schon fast vorbei, da verwandeln sich Rammstein nochmal in den Elternschreck. "Hallomann" ist der musikalische Kleintransporter vor der Grundschule. Was genau mit dem kleinen Mädchen passiert, dem Sänger Lindemann Muscheln und Pommes am Stand verspricht? Es geht in einem schreienden und jaulenden Gitarrensolo unter. Ja, dieser Song tut weh. Das soll er auch. Es ist vielleicht die einzige richtige Grenzüberschreitung auf dem siebten Album von Rammstein, deren Konzept schon immer kalkulierte Provokation und das Ausreizen von Konventionen war. Reaktionen wie Unverständnis, Ablehnung, Aufregung fest eingeplant, damit spielen Rammstein seit 25 Jahren. Gemessen an der Diskussion über das "Deutschland"-Musikvideo und die Band in KZ-Häftlingskleidung ist das Album aber weit weniger provokativ, fast schon harmlos.

Die Kraft und Überraschung der Platte liegt woanders: Allein die Vorstellung, dass tausende Fans in ausverkauften Stadien "Ich bin ein Ausländer" und "Deutschland! Meine Liebe kann ich dir nicht geben" grölen, dürfte nicht nur bei Rammstein selbst ein breites Grinsen auslösen.

Am 22. Juni spielen Rammstein im ausverkauften Olympiastadion – die spektakuläre Lichtshow dafür wird gerade Nacht für Nacht in Berlin-Wilhelmsruh getestet: 

Beitrag von Bruno Dietel

Kommentar

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14 Kommentare

  1. 14.

    So ein Quatsch. Rammstein ist eine (mindestens) linke Band. Wer das nicht rafft, der.... Da Sie sich offensichtlich nie mit den Texten beschäftigt haben, ist Ihre Aussage wirklich..........beschämend. Kennen Sie den Fim: Dumb and dumber...? ;)

  2. 13.

    Im übrigen sind sie auf den deutschen Erfolg schon lange nicht mehr angewiesen.
    Sie habe nie etwas anderes getan. Ebenso die BO, sie sagen was sie denken, und das macht sie alle umso erfolgreicher!

  3. 12.

    Man muss diese Art von Musik nicht mögen.Aber man sollte versuchen,diese Band zu verstehen.
    Und dazu empfehle ich allen Zweiflern und Schwarz-Weiß-Malern sich die beiden autobiographischen Bücher („Tastenficker“ und „Heute hat die Welt Geburtstag“) von Flake Lorenz mal reinzuziehen ,bevor man hier von ostzonalen Faschos schreibt („ostzonal“ klingt eher wie aus der politischen konservativen ewiggestrigen Mottenkiste).
    Dann möchte ich an 2006 erinnern:Sommermärchen.Alle rannten in swg rum und waren stolz auf die deutsche Fußballnationalmannschaft.Auch da gab es welche,die das abgelehnt haben(ohne die Geschichte der swg-Flagge zu kennen).

  4. 11.

    Und auch in diesen Kommentaren zeigt sich wieder, warum ich Deutschland so schwer Liebe geben kann: Einem Land, das beste Voraussetzungen zum Gluecklichsein haette - dessen Bewohner sich aber allzu selten konstruktiv kritisieren, sondern lieber mit Plattheiten und Klischees gegenseitig runtermachen. Schubladen-Stampfen als Nationalsport, Einigkeit und Freiheit nur in der Rechthaberei. "ICH und nur ICH ueber alles" statt z.B. "Dass ein gutes Deutschland bluehe wie ein and'res gutes Land." Sehr traurig - und tatsaechlich am besten mit kreischenden Gitarren und haemmernden Drums irgendwie zu ertragen.

  5. 10.

    E-ben, ich bedanke mich für den Vergleich. Beide Bands die behaupten nichts mit Nazis gemeinsam zu haben. Ob nun die eindeutigen Texte der Onkelz oder die halbherzigen Distanzierungen von Flake, beide scheffeln ihre Kohle damit gezielt die Nähe zu Nazis und/oder Faschisten zu suchen.

    Die einen mit Texten, die anderen mit der Bildsprache. Beide sind sie Faschobands.

  6. 8.

    Getroffene Hunde bellen...

    Wer diese Faschoästhetik mag? Und warum soll ich mir ein Leben suchen? Ich habe eins abseits von gröhlender und zu faschistoider Gröhlemucke tanzender "Fans", die nicht merken wie sie auf die durch und durch kommerzialisierte und massentaugliche Show hereinfallen.

  7. 6.

    Was soll man auf sowas noch antworten? Zu manchem fällt selbst mir nix mehr ein. Außer vielleicht such dir ein Leben.

  8. 5.

    Einmal ostzonale Faschoband, immer ostzonale Faschoband!

    Und bevor sie sich in Schnappatmung üben, ich darf nicht provozieren? Die einen nennen es Kunst, ich nenne es das bewußte und kommerzielle Spiel mit faschistischen Elemente.

    Sex and Crime sells, bei Rammelstein ist es Sex und Faschismus.

  9. 4.

    Zitat: "Allein die Vorstellung, dass tausende Fans in ausverkauften Stadien "Ich bin ein Ausländer" und "Deutschland! Meine Liebe kann ich dir nicht geben" grölen, dürfte nicht nur bei Rammstein selbst ein breites Grinsen auslösen." Versteh ich nicht. Bei wem denn noch? Ist es jetzt schon so verpönt, sein Heimatland zu lieben? So verpönt, daß die Massen nach den Vorstellungen des Autors am Liebsten alle Sch... Deutschland gröhlen sollten? Armes Deutschland.

  10. 3.

    "Mike Oldfield im Schaukelstuhl" hat sich der Realität gestellt und hat auch hier wieder Themen aufgegriffen, die nach wie vor existent sind, er ist für mich der Hieronymus Bosch der Songtexter: "die Ohren müssen erstmal sehen lernen".

  11. 2.

    Es ist auch für eine Band wie RAMMSTEIN nicht leicht ein neues Album zu bringen. Bleibt es so wie bisher. Dann sind sie Langweilig. Was neues ? Dann sind sie nicht mehr RAMMSTEIN. Ich halte das Album für sehr gut gelungen. Es bietet für " ALTE " und " Neue " Hörer eine ausgewogene Mischung. Mehrmals hören und es gefällt auch Euch. Mein Name ist Brot. Bernd das Brot. Ich bin gerührt und geschüttelt.

  12. 1.

    Gibt's auch mal keine säuselnden Fingerzeig-Überschriften?
    RBB, ihr habt von Rammstein keine Ahnung. Die Fans schon.

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