Archivbild: 14.02.2018, Hamburg: Drei Raubkunst-Bronzen aus dem Land Benin in Westafrika sind im Museum für Kunst und Gewerbe (MKG) in einer Vitrine ausgestellt. (Quelle: dpa/ Bockwoldt)
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Forscher untersuchen Herkunft der Kunstwerke - Gehören die umstrittenen Benin-Bronzen nach Berlin?

Die berühmten Benin-Bronzen aus dem heutigen Nigeria sollen bald im Humboldt Forum zu sehen sein. Doch gehört die Raubkunst überhaupt nach Berlin? Ein Gruppe Historiker meint, die Skulpturen müssten zurückgegeben werden. Das wollen sie mit neuer Forschung belegen.

Ein neues Forschungsprojekt untersucht die Herkunft der umstrittenen Benin-Bronzen aus Nigeria, die in etlichen europäischen Museen - bald auch im Humboldt Forum - ausgestellt sind. Damit wolle man rekonstruieren, wie die Artefakte im 19. Jahrhundert während einer britischen Strafexpedition gestohlen wurden und wie sie nach Europa gebracht worden seien, erklärt Jürgen Zimmerer von der Universität Hamburg.

Erkenntnisse darüber würden nach seiner Einschätzung den Vorwand der Unwissenheit entkräften, den Politiker benutzten und die Museen, die die Bronzen jetzt besitzen. "Sie müssen dann eine politische Entscheidung treffen, die Bronzen zu behalten oder sie zurückzugeben", sagte der Historiker der Deutschen Presse-Agentur.

Britische Truppen plünderten Benin 1897

Die Benin-Bronzen gehören zu den berühmtesten Artefakten afrikanischer Geschichte und sind zugleich die wohl bekanntesten Beispiele kolonialer Raubkunst. Das British Museum in London und das Ethnologische Museum in Berlin besitzen die größten Kollektionen der Bronzen. Skulpturen daraus sollen demnächst im neuen Humboldt Forum in Berlin ausgestellt werden.

Britische Truppen eroberten 1897 das Königreich von Benin im heutigen Nigeria, plünderten Benin-Stadt und brachten mehr als 3.000 Bronzen sowie andere wertvolle Gegenstände nach Europa. Dort wurden sie an Sammler und Museen verkauft.

"Wir wollen sie zurückhaben"

Das auf drei Jahre ausgelegte Forschungsprojekt werde sich genau den Raub der Artefakte sowie ihren Vertrieb über Hamburg anschauen, sagte Zimmerer. Neben dem Historiker sind daran der nigerianische Professor Osarhieme Osadolor von der Universität Benin sowie drei Doktoranden in Hamburg und Nigeria beteiligt.

Die Benin-Bronzen "repräsentieren die Identität und Geschichte unseres Volkes", erklärte Osadolor. Die Metall-Tafeln mit Darstellungen von Königen, Kriegern und Hofszenen aus dem Palast des Königs von Benin seien "historische Dokumentationen". Nur rund fünf Prozent der Bronzen, die sich heute in Europa befänden, seien vor 1897 legal erworben worden - der Rest sein geplündert worden, sagte Osadolor. Für ihn steht außer Frage: "Wir wollen sie zurückhaben."

"Es ist Raubkunst - das steht außer Frage"

Museen und Politik erkennen inzwischen weitgehend an, dass die Artefakte gestohlen wurden. "Dass es sich bei den Bronzen um Raubkunst handelt, steht heute außer Frage", schreibt etwa das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe über drei Bronzen in seinem Besitz. Das British Museum hat nach eigenen Angaben rund 900 Objekte aus Benin-Stadt. Diese seien vor allem als Spenden oder durch den Kauf von Mitgliedern der Militärexpedition in Benin oder dem britischen Außenministerium in seinen Besitz gekommen oder später durch den Erwerb großer Privatkollektionen, sagte ein Sprecher.

Das Ethnologische Museum besitzt nach Angaben der Stiftung Preußischer Kulturbesitz rund 530 historische Objekte aus dem Königreich Benin, darunter etwa 440 Bronzen. Bereits in einer aktuellen Ausstellung im Bode-Museum werde der historische Kontext aufgegriffen.

Ein Museum in Benin City soll entstehen

"Im künftigen Humboldt Forum ist ein Ausstellungsmodul mit ungefähr der Hälfte der Benin-Sammlung geplant", heißt es von der Stiftung in Berlin. Auch dort werde "der Erwerbungskontext eine große Rolle spielen". So sollten unterschiedliche Personen zur Zukunft der Objekte Stellung nehmen, darunter auch Vertreter des Königshauses von Benin.

Für die Zukunft ist geplant, dass die Bronzen auch in Nigeria zu sehen sein werden. Ein  Konzept dafür wird gerade im Rahmen des sogenannten Benin-Dialogs erarbeitet. Das Ethnologische Museum ist daran beteiligt. In Benin City soll dafür ein Museum historischer Objekte aus dem Königreich Benin entstehen. Die Ausstellungsstücke sollen sowohl aus europäischen als auch aus nigerianischen Museen kommen.

Humboldt Forum? Benin Forum!

Diese Pläne gehen Osarhieme Osadolor aber nicht weit genug: "Meiner Meinung nach sollten die Objekte, die geplündert wurden, nach Benin zurückgegeben werden und von dort aus können sie an Europa ausgeliehen werden." Auch Jürgen Zimmerer ist dieser Ansicht. "Es ist mein Vorschlag, dass die Benin-Bronzen restituiert werden und einige gegen eine Gebühr als Leihgabe aus Nigeria an Berlin ausgeliehen werden", sagte der Historiker.

Und das ist nicht die einzige radikale Änderung, die der Historiker anregt: Das Humboldt Forum solle in Benin Forum umbenannt werden.

Sendung: Abendschau, 12.05.2019, 19:30 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    Ich verstehe nicht ganz, warum überhaupt eine Debatte über Rückführungen nötig sein soll. Diese Kunstgegenstände sind auf undurchsichtigen Wegen von Afrika nach Europa migriert bzw. geschleust worden. Und "nun sind sie halt da."

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