Judith Kerr am 14.05.2018 bei den British Book Awards 2018 in London.
Audio: Inforadio | 23.05.2019 | Jens-Peter Marquardt | Bild: dpa/John Stillwell

Gebürtige Berlinerin - Schriftstellerin Judith Kerr gestorben

Die in Berlin geborene Schriftstellerin Judith Kerr ist im Alter von 95 Jahren in London gestorben. In ihrem Roman "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" hatte sie die Geschichte der Flucht ihrer jüdischen Familie aus Nazi-Deutschland nach England erzählt.

Die Kinderbuch-Autorin Judith Kerr ist tot. Die in Berlin geborene britische Staatsbürgerin sei im Alter von 95 Jahren gestorben, teilte ihr Verlag HarperCollins am Donnerstag in London mit.

Kerr wurde  am 14. Juni 1923 geboren und floh als Neunjährige mit ihrer jüdischen Familie 1933 aus Berlin. Ihr Vater Alfred Kerr (1867-1948) war in der Weimarer Republik ein gefeierter Kritiker; die Nazis verbrannten seine Bücher. Kerrs Erfahrungen flossen in das halb-autobiographische Kinder- und Jugendbuch "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" (1971) ein. Die Geschichte von Anne, die auf der Flucht ein rosa Plüschkaninchen in Berlin zurücklassen muss, wurde zum preisgekrönten Bestseller und zur Pflichtlektüre in deutschen Schulen.

Neun Millionen Bücher weltweit verkauft

1936 ließ sich die Familie in London nieder. Kerr absolvierte dort die Kunsthochschule. Nach dem Krieg war sie als Redakteurin für den Sender BBC tätig, wo sie ihren Mann, den britischen Fernsehautor Nigel Kneale, kennenlernte. Sie waren bis zu seinem Tod im Jahr 2006 verheiratet.

1968 schaffte Kerr den Durchbruch in Großbritannien mit ihrem Erstlingswerk "Der Tiger kommt zum Tee". Eine Kinderbuchserie um den exzentrischen Kater "Mog" folgte. Weltweit verkaufte sie neun Millionen Bücher, die in 25 Sprachen übersetzt wurden. Die leidenschaftliche Künstlerin und Autorin schrieb bis ins hohe Alter. 2016 erschien auf Deutsch "Ein Seehund für Herrn Albert", angelehnt an ihren Vater, der ein verlassenes Robbenbaby aufzog, das er am Strand gefunden hatte.

In Berlin-Schmargendorf  ist eine Grundschule nach Kerr benannt.

Müller: Judith Kerrs Bücher sind zeitlose und dringend nötige Warnung

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin, erklärte zum Tod der Berliner Autorin, ihre Werke seien Teil des kollektiven Gedächtnisses und werden es auch nach ihrem Tod sein. "Kerrs persönliches Schicksal ist und bleibt mit ihrer Geburtstadt verbunden."

Müller weiter: "Mit viel Empathie und schriftstellerischer Kunst ist es Kerr in ihren Werken gelungen, dass auch nachkommende Generationen von Kindern und Jugendlichen mitfühlen können, was es bedeutet, in einer Gesellschaft aufzuwachsen, die ihrer Menschlichkeit beraubt wurde. Judith Kerrs Bücher sind nicht nur jungen Leserinnen und Lesern eine zeitlose und dringend nötige Warnung, für die wir Kerr zu großem Dank verpflichtet sind."

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Ich werde mir sofort "als Hitler das rosa Kaninchen stahl" besorgen und zwar zweimal, einmal für die Kinder meiner Tochter und einmal für das Kind von meinem Sohn. Vielen Dank, Frau Kerr!

  2. 2.

    Leider nicht. Das wird nur noch wenig in Schulen gelesen und besprochen. Aber es war "Pflichtlektüre" für unsere Kinder, inzwischen auch den Enkel. Sie haben das Buch genauso geschätzt wie ich selber, vor vielen Jahrzehnten. Eine wunderbare Möglichkeit Kinder für das Thema zu interessieren und mit ihnen darüber zu sprechen. Aber auch andere Werke von ihr sind zu empfehlen. Danke Frau Kerr!

  3. 1.

    „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ war das erste Buch, was ich in der Grundschule zum Nationalsozialismus gelesen habe. Ich hoffe, dass das heute noch jede Schülerin und jeder Schüler liest und im Unterricht darüber diskutiert wird. So bleibt auch die Autorin im Gedächtnis, und Kinder finden einen greifbaren Zugang zum Thema.

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