Lolas in den Händen von Preisträgerinnen (Quelle: dpa/Gregor Fischer)
Bild: dpa/Gregor Fischer

69. Deutscher Filmpreis in Berlin - Jetzt rennen sie wieder um die Lolas

Staraufgebot und drei Millionen Euro Preisgeld: Am Freitag wird in Berlin der Deutsche Filmpreis vergeben, die wichtigste Auszeichnung fürs nationale Kino. Als Favorit geht die rbb-Koproduktion "Gundermann" ins Rennen um die Lolas. Von Anne Kohlick

Im Palais am Berliner Funkturm wird ab Freitagnachmittag Starrummel herrschen: Dann kommen die Größen des deutschen Films zur Verleihung der Lolas zusammen. Wenn es nach der Zahl der Nominierungen geht, hat die rbb-Koproduktion "Gundermann" die besten Chancen beim diesjährigen Deutschen Filmpreis: In zehn von sechzehn Kategorien könnte der Film von Andreas Dresen gewinnen. Das Porträt über den DDR-Liedermacher Gerhard Gundermann (1955-1998) ist unter anderem als bester Spielfilm, für die beste Regie und das beste Drehbuch nominiert.

Hauptdarsteller Alexander Scheer hat mit seiner Verkörperung des singenden Baggerfahrers "Gundi" schon die Jury des Bayerischen Filmpreises überzeugt. Beim Deutschen Filmpreis tritt er jetzt in der Kategorie "Beste männliche Hauptrolle" an - gegen Jonas Dassler als Serienmörder in Fatih Akins von der Kritik geschmähten Schocker "Der goldene Handschuh" und gegen Rainer Bock, der im Drama "Atlas" mit stoischer Mine einen Möbelpacker für Zwangsräumungen spielt.

Eine Schauspielerin und gleich zwei Nominierungen

Neben Favorit "Gundermann" hat "Styx" mit sechs Nominierungen gute Chancen auf eine oder mehrere Lolas: Das Drama von Wolfgang Fischer erzählt von einer Seglerin, die auf dem Meer auf ein Flüchtlingsboot trifft. Der Film feierte seine Premiere auf der Berlinale 2018 in der Sektion "Panorama" und gewann bereits den Deutschen Menschenrechts-Filmpreis. In der Hauptrolle: eine sehr überzeugende Susanne Wolff als Notärztin, die schwankt - zwischen dem Wunsch zu helfen und der Angst, selbst ins Unglück mit hineingezogen zu werden.  

Zu Recht ist Wolff für die Kategorie "Beste weibliche Hauptrolle" nominiert. Dort konkurriert sie mit Aenne Schwarz, die für ihre Rolle als Vergewaltigungsopfer in "Alles ist gut" schon bei mehreren kleineren Filmfestivals als beste Schauspielerin ausgezeichnet wurde - und mit Luise Heyer. Die Wahl-Berlinerin ist gleich in zwei Kategorien für den Deutschen Filmpreis nominiert: Einerseits für ihre Hauptrolle im Liebesdrama "Das schönste Paar", andererseits für die Nebenrolle als Mutter von Hape Kerkeling in "Der Junge muss an die frische Luft".

Zuschauermagnet Hape Kerkeling

Genau wie Fatih Akins Serienmörderporträt "Der Goldene Handschuh" geht "Der Junge muss an die frische Luft" von Caroline Link mit fünf Nominierungen ins Rennen um die Lolas. Darunter ist die Königskategorie "Bester Spielfilm", aber auch die Rubriken "Beste Regie" und "Beste Kamera". Ein Preis ist dem Film über die Kindheit des Entertainers Hape Kerkeling dabei schon jetzt sicher: die Auszeichnung für den "besucherstärksten Film des Jahres". Laut der Film- und Medienstiftung NRW sahen seit dem Kinostart Ende Dezember 2018 mehr als dreieinhalb Millionen Besucher den Film.

Außerdem steht eine weitere Preisträgerin schon fest: Die Regisseurin Margarethe von Trotta bekommt den undotierten Ehrenpreis für ihre "herausragenden Verdienste um den deutschen Film". Die 77-Jährige habe sich schon "in einer Zeit, in der Frauen das Regieführen kaum zugetraut wurde", bewiesen und dem deutschen Kino "ein paar seiner intensivsten Frauenfiguren" geschenkt - so würdigt Schauspieler Ulrich Matthes, Präsident der Deutschen Filmakademie, die Ehrenpreisträgerin.

Wer kann eine Lola gewinnen?

Um auf die Nominiertenliste des Deutschen Filmpreises zu kommen, muss eine Produktion verschiedene Bedingungen erfüllen - unter anderem muss der deutsche Kinostart zwischen dem 1. Dezember 2017 und dem 31. Mai 2019 liegen und der Film bis zum 18. Oktober 2018 angemeldet worden sein. Wer eine Lola mit nach Hause nehmen kann, darüber entscheiden die knapp 2.000 Mitglieder der Deutschen Filmakademie in einem dreistufigen Auswahlverfahren.

Diese Filme haben Chancen auf eine Lola

250.000 Euro pro Nominierung

Der Deutsche Filmpreis gilt als wichtigste nationale Auszeichnung für die Filmbranche und ist insgesamt mit fast drei Millionen Euro dotiert. Allein in der Königsdisziplin "Bester Spielfilm" erhalten die sechs nominierten Spielfilme je 250.000 Euro, der Gewinner der Lola in Gold bekommt noch einmal die gleiche Summe dazu. Deswegen werden gerade die Nominierungen in dieser Kategorie in jedem Jahr kontrovers diskutiert.

Neben "Gundermann", "Styx" und "Der Junge muss an die frische Luft" sind noch drei weitere Filme nominiert: das Roadmovie "25 km/h" von Markus Goller, die Teenager-Komödie "Das schönste Mädchen der Welt" von Aron Lehmann und "Transit" von Christian Petzold. Das Drama nach dem gleichnamigen Roman von Anna Seghers hatte seine Premiere im Wettbewerb der Berlinale 2018, ging aber bei der Preisverleihung leer aus.

Kein Oscar, aber eine Lola?

Eine neue Chance auf einen Preis bekommt jetzt auch die rbb-Koproduktion "Of Fathers And Sons". Der Film von Talal Derki war für den Oscar 2019 in der Kategorie "Bester Dokumentarfilm" nominiert. Die Auszeichnung ging dann aber nicht an die Dokumentation, die den Alltag eines salafistischen Rebellenführers und seiner Familie in Syrien zeigt. Beim Deutschen Filmpreis hat "Of Fathers And Sons" nun gute Chancen - entweder auf die Lola für den besten Dokumentarfilm oder den besten Schnitt.

Alle Nominierten im Überblick

  • Bester Spielfilm

  • Beste weibliche Hauptrolle

  • Beste männliche Hauptrolle

  • Beste weibliche Nebenrolle

  • Beste männliche Nebenrolle

  • Beste Regie

  • Bestes Drehbuch

  • Bester Dokumentarfilm

  • Bester Kinderfilm

  • Beste Kamera / Bildgestaltung

  • Bester Schnitt

  • Beste Tongestaltung

  • Beste Filmmusik

  • Bestes Szenenbild

  • Bestes Kostümbild

  • Bestes Maskenbild

  • Besucherstärkster Film

  • Ehrenpreis

  • Bernd-Eichinger-Preis

Beitrag von Anne Kohlick

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