21.05.2019: Die Backstreet Boys singen zum Auftakt iher Deutschland-Tournee auf der Bühne der TUI-Arena in Hannover. (Quelle: dpa / Christophe Gateau)
Audio: Inforadio | 30.05.2019 | David Krause | Bild: dpa / Christophe Gateau

Konzertkritik | Backstreet Boys in Berlin - "Absolutely wundervoll"

Dass die Backstreet Boys gerade ein neues Album veröffentlicht haben, war am Mittwoch so ziemlich egal in der Berliner Mercedes Benz Arena. Die Fans wollten feiern und ihre BHs auf die Bühne schmeißen – und das hat geklappt. Von David Krause

Die Angst hat mich begleitet in die ausverkaufte Arena. Angst vor einem Auftritt ähnlich wie Madonna beim Eurovision Song Contest, wo sie als Star der Vergangenheit völlig gleichgültig keinen Ton getroffen hat. Soll also auch dieser Abend von Fremdscham untermalt werden?

Ein klares Nein. Die fünf Backstreet Boys sind keine aufgedunsenen Heroin-Monster, die nur noch selbstreferenziell ihre Erfolge aus einer längst vergangenen Zeit feiern. Fit sehen sie aus, ihre Choreos sitzen fast perfekt – gut, vermutlich haben die sich seit 26 Jahren auch nie geändert. Immer noch bestehen sie aus einfachen Links-Rechts-Schritten und genüsslichem Becken von hinten nach vorn Schieben. Dabei selbstverständlich das eingestampfte Lächeln und ins Publikum Zwinkern. Gelernt ist gelernt.

Es wird zurückgezwinkert, mit vielleicht weniger Tränen als früher, dafür genauso laut kreischig. Blinkende Leuchtstäbe werden in die Luft gehalten. Partypegel am Anschlag.

Dass die Backstreet Boys gerade ihr neuntes Album veröffentlicht haben, ist absolut nebensächlich. Ihre Songs, die man vermutlich 2019 nie nüchtern irgendwo hört, funktionieren unverändert. Die Menschen in der Halle stehen, es werden BHs auf die Bühne geworfen.

Nirgends so erfolgreich wie in Deutschland

Zwischen ihren Liedern erzählen die US-Amerikaner kleine Geschichten, spielen damit, dass sie älter geworden sind. Kevin Richardson sagt: "Absolutely wundervoll!" Deutschland bedeute ihnen viel. Tatsächlich haben die Backstreet Boys in keinem anderen Land außerhalb der USA so viele Platten verkauft wie hier. 6,5 Millionen, um genau zu sein.

Die Show ist  großartig, da kann man nicht meckern. Pyrotechnik, Laser und auf der Leinwand ein riesiger rosa Wasserfall vor einem Sternenhimmel. Respekt, sowas ein Vierteljahrhundert durchzuziehen. Das Spannende ist aber, dass die Backstreet Boys über sich selbst lachen können. Bei den Tanzschritten zum Beispiel, wenn sie sich dabei anschauen und schmunzeln. Oder wenn die Bühne sich in die Luft hebt und die fünf Herren, an Sicherungsseilen befestigt, ihre Arme nach vorn strecken, Luft mit ihren Händen schnappen, um damit ihre Brust zu klopfen.

Kurz vor Ende dann dieser eine Song, auf den hier gefühlt alle gewartet haben. Absurd groß wird er angedeutet auf den Leinwänden, kleine Schnippsel des Liedes kommen aus den Boxen. Es wird dunkel. Dann die Erlösung: "Backstreet's back alright!"

Die Backstreet Boys wissen um ihre popkulturelle Wirkung der Vergangenheit. Sie wissen aber auch, dass Disziplin der einzige Weg ist, niemals in der Fremdscham anderer zu ersaufen.

Sendung: Inforadio, 30.05.2019, 07:55 Uhr

Beitrag von David Krause

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

Das könnte Sie auch interessieren