Boyce Avenue: Die drei Manzano-Brüder wurden mit Coverversionen, die sie auf YouTube hochgeladen haben, berühmt. (Quelle: imago/Lucas Tavares)
imago/Lucas Tavares
Audio: Inforadio | 14.05.2019 | Magdalena Bienert | Bild: imago/Lucas Tavares

Konzertkritik | Boyce Avenue im Huxleys - Realitätscheck leider nicht bestanden

Mit zwölf Millionen Abonnenten auf Youtube gelten Boyce Avenue als eine der größten Bands im Netz. Die drei Brüder covern Songs und werden milliardenfach geklickt. Magdalena Bienert hörte sie jetzt live in Berlin - und kann den Hype nicht nachvollziehen.

Es gibt also noch Karten für das Boyce-Avenue-Konzert an diesem Montagabend. Viele Karten. Also stelle ich die obligatorische Frage über den Counter, wie voll es denn heute sei? Der junge Mann grinst und fragt: "Magst du Ausdruckstanz? Das geht heute gut." Oha, so schlimm? Ich rechne fast mit einem Echo meiner Schritte, als ich den Konzertraum des Huxley in Berlin-Neukölln betrete, der für rund 1.600 Fans ausgerichtet wäre. Mit gutem Willen ist vielleicht die Hälfte da, eher weniger.

Diejenigen, die zu dem Konzert der drei Manzano-Brüder aus Florida gekommen sind, werden immerhin herzlich begrüßt. Berühmt wurden die Drei mit Cover-Versionen, die sie auf Youtube hochgeladen haben. Fast vier Milliarden Mal wurde ihr Kanal schon aufgerufen, zehn Millionen haben ihn abonniert und drei Millionen Fans lesen auf Facebook mit. Boyce Avenue spielen also fast in einer Liga wie Lady Gaga oder Justin Timberlake. Zumindest im Netz.

Eigene Songs plätschern kitschig vor sich hin

Zwischen Coldplay-Covern und Klassikern wie "Bittersweet Symphony", ursprünglich von der Band "The Verve", streut das Trio eigene Songs ein. Die plätschern allerdings eher kitschig vor sich. Und auch die ruhige Songauswahl trägt nicht gerade zum Durchdrehen der wenigen Fans bei. Berlin sei ihre liebste Stadt in Deutschland, heißt es, sie würden ihre deutschen Fans lieben. Ja klar, solche Sprüche kennt man. Aber wo sind die Fans? Zwischen Klickzahlen und realen Ticketverkäufen liegen an diesem Abend Welten.

Coverband beim Volksfest ist auch nicht schlechter

Die eher jungen Fans jubeln artig, und machen Videos, die sie sich noch während des Konzertes angucken. Die drei Manzano-Brüder sind freundlich und hochprofessionell. Respekt dafür - aber eine erfahrene Coverband beim Volksfest ist auch nicht schlechter. Im Zweifelsfall ist da die Stimmung so gar besser.

Immerhin wecken Boyce Avenue ein bisschen Nostalgie, als sie den Song "Torn" von Natalie Imbrugloia spielen. Ewig nicht gehört - danke Boyce Avenue. Als ich mir das Bühnenbild genauer anschaue, tun sie mir fast schon ein bisschen leid. Das sieht so aus, als hätte jemand von Backstage die Ikea-Lampen nach vorne getragen.

Coverband beim Volksfest ist auch nicht schlechter

Es gibt sie aber doch noch - zum Glück - die wenigen starken Momente, als Alejandro Manzano mal nicht von seinem Brüder wegpercussioniert wird, sondern sich allein mit der Gitarre begleitet; oder als er "Fast Car" von Tracy Chapman anstimmt und seine Brüder mit einstimmen. Da ahnt man, wie es sein könnte, wenn sie live enger zusammenrücken und mehr zusammensingen würden. So stehen sie nur nebeneinander und spulen ihr Programm ab. Sorry, Boyce Avenue: Realitätscheck nicht bestanden.

Sendung: Inforadio, 14.05.2019, 7:10 Uhr

Beitrag von Magdalena Bienert

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

3 Kommentare

  1. 3.

    Ich fand das Konzert super. Die Jungs spielen ihre Instrumente selbst (haben also was drauf) und haben jeder für sich eine tolle Stimme. Zwar war es mehr familiär, das war jedoch nicht schlimm (dann gibt es wenigstens kein Gedränge). Und dass so wenig Leute da waren, liegt wahrscheinlich an der wenigen oder wenn, dann schlechten Werbung für die Konzerte. In anderen Ländern sind die Hallen, in denen sie spielen voller, dort sind sie wahrscheinlich auch bekannter. Wir haben auch nur durch Zufall von dem Konzert in Berlin erfahren und haben eine Woche vorher erst die Tickets bestellt. Für uns hat sich die lange Fahrt nach Berlin gelohnt und wir würden auch wieder zu einem der Konzerte von BoyceAvenue gehen bzw. fahren. Ich kann die Band nur empfehlen.

  2. 2.

    Dein Ernst? Was für ein grauenvoller Beitrag! Das passiert, wenn die falschen Leute, am falschen Ort, zur falschen Zeit sind.

  3. 1.

    Millionen Fliegen können sich nicht irren!

Das könnte Sie auch interessieren

"Girl From The Fog Machine Factory" Gessnerallee Zürich Regie, Bühne und Lichtdesign: Thom Luz. (Quelle: Sandra Then)
Sandra Then

Rückblick | Berliner Theatertreffen 2019 - Die um sich selbst kreisen

Das Theatertreffen hatte 2019 Herausragendes zu bieten - aber auch reichlich Déjà-vus, so sehr ähnelten einige der Inszenierungen früheren Arbeiten der Regisseure. Gut, dass es dank der Frauenquote für einige der Platzhirsche künftig eng werden dürfte! Von Fabian Wallmeier