Das Duo Double Drums (Quelle: imago)
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Audio: Inforadio | 22.05.2019 | Magdalena Bienert | Bild: imago

Konzertkritik | Double Drums im Tipi - Perfekte Töne, wenig innovativ

Das Schlagzeuger-Duo Double Drums bearbeitet bei seinen Shows so ziemlich alles, was einen guten Sound hergibt. Am Dienstag feierte ihr neues Programm "Beat Rhapsody"im Tipi am Kanzleramt Premiere. Richtig fesselnd war es nicht. Von Magdalena Bienert  

Diese Bühne ist voll, oh ja. Es stehen sich nicht nur zwei Schlagzeuge in der Mitte gegenüber, sondern rechts und links noch Marimba, Riesen-Gong,  Chachon, Trommeln, es folgen Wasserschüsseln und eine Loop-Station. Philipp Jungk und Alexander Glöggler, Anfang und Mitte 40, beide in Röhrenjeans, Turnschuhen und schwarzen Hemden, flitzen von einem zum anderen Instrument.

Perfekt synchron, manchmal kitschig

Mal ergänzen sie sich, mal spielen sie perfekt synchron, was eine große Energie hat. Aber 90 Minuten zu trommeln, das würden wahrscheinlich weder Zuschauer noch Künstler überstehen, daher gibt es immer wieder traumartige, mystische Sequenzen, inspiriert von Fernost oder der Natur. Im Zusammenspiel mit der eher seichten Musik, die vom Band kommt, schrammen einige Stücke allerdings hart an der Grenze zum Kitsch vorbei.

Eine Marimba kann ziemlich schnell Assoziationen mit Spa-Bereichen auslösen. Tatsächlich hat der Abend etwas von Wellness. Auch für die studierten Multi-Perkussionisten, die ihr Handwerk perfekt beherrschen. Aber kommen sie aus ihrer Komfortzone heraus? Natürlich ist es schwer, die Kunst des Trommelns neu zu erfinden. Wasser spritzt, Sticks leuchten und Mülltonnen sind ein toller Resonanzkörper -  das hat man alles schon gesehen. Trotzdem schaut man den schnellen Trommlern gern zu. Aber wirklich spannend wird es, wenn sie pantomimisch agieren, auf unsichtbare Schlagzeuge knüppeln oder die Zuschauer mit popmusikalischen Cover-Songs herausfordern, wie mit "Precious" von Depeche Mode.

Von Savanne zur Oper und Star Wars

Aber warum darauf das Ave Maria folgt? Keine Ahnung. Thematisch springen die Musiker von "Nessun Dorma" in die Savanne, hin zu einem "Star Wars"-Battle. Das allerdings ist wirklich witzig, wie sie sich mit Darth-Vader- und Yoda-Maske verkleidet musikalisch battlen.

Das Tipi ist nur halb voll. Irgendwie ist es auch seltsam zu treibenden Rhythmen gediegen an einem Tischchen mit weißer Decke zu sitzen. Den sympathischen Münchnern fehlt vielleicht ein Hauch Berlin, denn der ganze Abend ist wahnsinnig brav. Man kann sie sich mit einem intensiveren Set durchaus in der Berghain-Kantine vorstellen, aber dann bitte mit ganz viel Nebel, noch mehr Schlagzeug-Battles und weniger Marimba. Man ahnt, wie düster und energetisch es sein könnte, als Glöögler und Jungk kurz vor Ende das Titelstück "Beat Rhapsody" geben, bei dem sie sich minutenlang gegenüber stehen und immer schneller werden. Ein verdienter donnernder Applaus belohnt sie.

Das preisgekrönte Duo liefert einen soliden, auch hin und wieder amüsanten Abend ab, aber richtig fesselnd ist das neue Programm von Double Drums leider nicht.

Sendung:

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