Glen Hansard - der irische Saenger, Gitarrist und Schauspieler bei einem Konzert am 08.03.2019 in der Hamburger Elbphilharmonie (Bild: dpa/Michi Reimers)
Audio: Inforadio | 17.05.2019 | David Krause | Bild: dpa/Michi Reimers

Konzertkritik | Glen Hansard im Admiralspalast - Der bodenständige Kumpeltyp

Man kennt ihn vor allem durch den Filmsong "Falling Slowly", der 2008 den Oscar gewann. Mit Band im Gepäck bespielt der irische Sänger und Gitarrist Glen Hansard nun drei Abende lang den Admiralspalast. David Krause war dabei und ist positiv überrascht.

Ein bisschen Angst hatte ich wirklich. Denn hört man sich so durch die vergangenen Alben von Glen Hansard, dann wirkt das alles doch eher wie Musik fürs feine Tinder-Date bis hin zur romantischen Liebesnacht. Da lockt uns der Ire aber auf die falsche Fährte, denn live ist das, was er und seine Begleitband da machen, opulent und gewaltig.

Auf der Straße hat Hansard angefangen Musik zu spielen, er wirkt 2006 in dem viel beachteten Indiefilm "Once" als Hauptdarsteller mit und schreibt den Soundtrack dazu. Der Titelsong "Falling Slowly", den er im Duett mit Marketa Irglova singt, wird mit einem Oscar ausgezeichnet. Auch für die "Tribute von Panem" hat er Musik beigesteuert.

Lange Nacht gehabt

Um Glen Hansard aber wirklich zu verstehen, muss man ihn auf der Bühne sehen. Im vollen Admiralspalast ist er auf der Bühne umstellt von seinen neun Musikern und Muskerinnen. Saxophon, Streicher, Gitarren, Piano, Schlagzeug, alles angestrahlt mit gelb-schummrigem Licht. Zwischen ihnen stehen kleine, rote Lampenschirme, süßlich riechender Nebel wabert durch den Raum. Hansard spielt sich erstmal durch drei seiner Songs, perfekt performt zusammen mit seiner Band.

Aber es wirkt so, als ob er eine längere Nacht hinter sich hat, Kontakt zum Publikum gibt’s bis jetzt nicht. Zwischen zwei Songs dann plötzlich das Erwachen. Eine Frau im Publikum nutzt die Stille und schreit: "Welcome to Berlin!". Hansard dreht sich zu ihr, fragt nochmal nach, was genau im denn da zugerufen wird und bedankt sich. "Ich war gestern schon hier im Saal, als Nick Cave gespielt hat."

Er ist Fanboy

Es folgt die Geschichte, wie er selbst auf die Bühne durfte, als Nick Cave Fragen vom Publikum beantwortet hat. Später am Abend erzählt Hansard auch von seiner Begegnung mit Bob Dylan, und wie er ihn kaum beachtet hat. Man merkt ihm die Bewunderung anderer Künstler an, er ist ein Fanboy, liebt nicht nur seine eigene Musik. Das macht ihn sympathisch und seine unterhaltsamen und pointierten Geschichten noch nahbarer. 

Glen Hansards Dynamik während seines Konzerts reicht von wütend bist zärtlich. Manchmal hüpft er mit der Gitarre in der Hand auf einem Bein über die Bühne, in anderen Songs tritt er ruhig an das Mikrofon heran und füllt den Raum mit seiner Stimme. Für Musik-Kenner: Stilistisch ähnlich zu Matt Berninger von The National. Schreien und dabei das Mikrofon weghalten gleich Emotionen.

Diese Kritik soll Enden wie das Konzert. Klatschen im Stehen und dem Gedanken: Mit diesem Typen müsste man wirklich mal einen Trinken gehen.

Beitrag von David Krause

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