Sänger und Gitarrist Olli Schulz spielt live, Archivbild (Quelle: Pop-Eye/Ben Kriemann)
Audio: Inforadio | 05.05.2019 | Hendrik Schröder | Bild: POP-EYE

Konzertkritik | Olli Schulz - Die One-Man-Show

Olli Schulz war und ist vieles: Betrunkener Reporter im Fernsehen, erfolgreicher Podcaster, Filmschauspieler. Aber vor allem ist er Musiker. Im ausverkauften großen Sendesaal des rbb begeisterte er (fast) ganz alleine mit seiner Gitarre. Von Hendrik Schröder

Der Hamburger Musiker Olli Schulz galt viele Jahre lang als Geheimtipp und lebte am Existenzminimum. Irgendwann aber erkannte das Fernsehen seine Qualitäten als Entertainer und er wurde einem größeren Publikum in der Rolle als besoffener Außenreporter im "Zirkus Halligalli" bekannt. Später spielte Olli Schulz Filmrollen in "Bibi und Tina" und "Der Tatortreiniger", hat mittlerweile einen erfolgreichen Podcast auf Spotify. Und blieb im Herzen doch immer Musiker. Auf seiner aktuellen "Back to the roots"-Tour möchte er noch einmal alles wie früher machen: Ohne großen Plan auf die Bühne kommen und spontan Lieder spielen.

Am Samstagabend in Berlin gibt Olli Schulz nach ein paar seiner Songs ein Versprechen ab: "Wenn ich es irgendwann mal nicht mehr bringe auf der Bühne, dann gehe ich einfach. Ich sag dann auch gar nichts dazu, dann hör ich einfach auf." Das wird noch lange dauern, bis er dieses Versprechen einlösen muss, denn Schulz - 45 Jahre alt, leicht ergraut - ist in der Form seines Lebens.  

Unterbrechen die Lieder die Geschichten oder andersrum?

Ganz allein mit seiner Gitarre steht er in grauer Jeans und weißem T Shirt auf der Bühne. Aber was heißt steht. Wie aufgezogen tigert er herum, während er zwischen den Songs seine Geschichten erzählt, mit fahrigen Bewegungen, wie ein hypernervöser Wasserfall. Die Geschichten sind lustig und traurig, albern, predigend, umarmend, alles nacheinander, alles gleichzeitig. Schulzes Auftritte waren von Anfang an mehr Stand-up-Show als konventionelles Konzert, zu gerne redet er und redet und redet. Und niemand im ausverkauften großen Sendesaal möchte, dass er damit aufhört.

Die Stories sind absurden, handeln von Schweiß im Döner oder der Frau, die bei einem Konzert immer den Rumänen-Song hören wollte, den es nicht gab und den er dann einfach spontan erfunden hat, woraufhin die Frau meinte, genau den hätte sie hören wollen. Oder wie er aufgrund einer Verwechslung plötzlich auf der Bühne eines Mittelalter Festivals stand und niemand ihn hören wollte. Die Geschichten seien alle wahr, sagt Olli Schulz. Die Leute kringeln sich vor Lachen. Dann kommt wieder ein Song und man weiß nicht: Unterbrechen die Lieder die Stories oder andersrum?

Solo oder mit Band - Schulz rockt

Sein letztes Album "Scheiß Leben, gut erzählt" war nicht gerade sein stärkstes. Manche befürchteten schon, dass Olli Schulz seinen Zenith als Songschreiber vielleicht langsam überschritten habe. Aber an diesem Abend, live, quasi unplugged, denkt niemand daran. Schwitzend, grinsend, mit voller Wucht und viel Gefühl spielt er sich durch seine Lieder, spielt unveröffentlichte neue Songs (die ein sehr viel besseres kommendes Album erwarten lassen), spielt nie fertig geschriebenen Blödsinn, rockt ein paar Sachen, meist ganz allein, aber auch das große Finale, als alle stehen, mit Band. Und alles klingt toll.

So unperfekt sein Gitarrenspiel immer noch und immer wieder ist, so wenig er wirklich gut singen kann - Olli Schulz ist und war der erneute Beweis, dass Ausdruck Virtuosität oft überlegen ist. Er kann in seinen Liedern zu Tränen rühren, ohne je cheesy zu werden und direkt im Anschluss wieder den Kasper geben. Ein wilder Ritt durch die Emotionen.

Reifer, versöhnlicher, größer

Olli Schulz war immer schon einer, dem es echt egal schien, wie die Leute über ihn denken. Sonst hätte er vor Jahren nicht den besoffenen Schulzkowski in der "Zirkus Halligalli" TV-Show geben können. Sonst würde ihm in seinem erfolgreichen Podcast gemeinsam mit Jan Böhmermann nicht immer wieder was rausrutschen, was man so direkt eigentlich nicht sagt. Sich zum Dödel machen, das mag er.

Aber je älter Schulz wird, desto mehr mischen sich in das Clowneske ernste und oft auch herzliche, liebevolle, versöhnliche Töne. Oft adressiert er in seinen Ansangen seine Tochter, liebe Freunde, Weggefährten. Das ist bewegend, aber immer gekonnt knapp am Pathos vorbei. Klar, eine Rampensau vor dem Herrn ist er, der keine Pointe liegen lässt, aber Olli Schulz ist weicher geworden, reifer, erwachsen. Und das macht ihn wirklich groß.

Beitrag von Hendrik Schröder

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