Paris Monster (Quelle: Paris Monster)
Audio: Inforadio | 09.05.2019 | David Krause | Bild: Paris Monster

Konzertkritik | Paris Monster im Musik und Frieden - Gute Musik, die (fast) niemand kennt

Nach sieben Jahren haben "Paris Monster" jetzt ihr Debütalbum rausgebracht. Wer? Ja genau, das ist das Problem. Die zwei Amerikaner kennt kaum jemand, in Berlin spielten sie am Mittwoch vor einem Kleinstpublikum - dabei lohnt das Zuhören sehr. Von David Krause

Rund 30 Menschen sehen an diesem Abend Josh Dion und Geoff Kraly aka Paris Monster auf der Bühne im Musik und Frieden. Woher die sie kennen, bleibt ihr Geheimnis. Denn den großen Durchbruch haben die beiden Amerikaner noch nicht gehabt. Immerhin ihr Debütalbum ist nach sieben Jahren jetzt erschienen. Für die Genre-Fetischisten: Eine Mischung aus Funk, Soul, Garage und auch elektronisch Experimentellem.

Ein Mann und seine Instrumente

Auch wenn sie zu zweit sind, der Protagonist ist Dion. Eigentlich ist er bei der amerikanischen Late Night Show von Seth Meyers Drummer, an diesem Abend ist er eine halbe Band. Sänger, Schlagzeuger und Keyboard spielt er auch noch. Und das tatsächlich alles gleichzeitig. Mit Bein und linkem Arm spielt er die Drums, mit der rechten Hand entstehen die Melodien auf den Tasten – das Mikrofon ganz nahe vor seinem Mund. Das ist schon eindrucksvoll, noch interessanter die Frage, wie er es dazu auch noch schafft, seinen Schal auszuziehen. Wäre ein dritter Arm dran, er würde vermutlich noch eine Triangel spielen.

Vielmehr als ein Geheimtipp

Die Stimme von Dion: markant lustvoll. Er hat Bock heute hier zu sein. Sein Blick immer wieder verbissen, die Augen zusammengekniffen, öffnet er sie und blickt ins Publikum hellt seine Mimik auf. Er lacht einzelne Menschen an. Scheinbar ein guter Abend für ihn. Ein guter Abend auch für die tanzenden Gäste. Die Performance ist top, die Künstler sympathisch und ihre Musik toll anzuschauen, enthusiastisch in ihrer Wirkung. Schade, dass Paris Monster bisher nur ein Geheimtipp sind. Mehr wäre ganz sicher drin.

Klar, das ist kein Pop und vielleicht ist ihre Musik nach einer Stunde auch auserzählt, also ein bisschen zu gleich. Aber sie live zu sehen und hören, macht einfach Spaß. Ein spannender Moment auch, als Dion hinter den Drums aufsteht, nach vorn geht und einfach nur singt. Er fühlt es so fest, dass ein quiekender Schrei aus ihm herauskommt. Toll ist das (und eine subtile Aufforderung diese beiden Amerikaner unbedingt mal anzuhören!).

Sendung: Inforadio, 09.05.2019, 07:55 Uhr

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