Pressefoto der Band Sparkling (Bild: Thomas Lambertz)
Thomas Lambertz
Audio: Inforadio | 15.05.2019 | Hendrik Schröder | Bild: Thomas Lambertz

Konzertkritik | Sparkling im Maze Club - Kleine Band mit großem Potenzial

Die Kölner Indierockband "Sparkling" hat zwar erst eine Handvoll Songs veröffentlicht, ihre Bühnenpräsenz und ihre Musik sind allerdings unglaublich, findet Hendrik Schröder. Den Maze-Club elektrisierten die drei Jungs am Dienstag jedenfalls förmlich.

Dieser Abend ist ein gutes Beispiel dafür, wie aus drei eher unscheinbaren Typen mit Hilfe von Musik, Licht und Energie mitreißende Bühnengestalten werden können. In unscheinbaren Klamotten mit nicht-Frisuren und eher gemächlich treten sie vor das Publikum. Der Sänger lässt seine Jacke an, der Basser könnte in seinem weiten roten Hemd und mit dem sanften Blick auch gleich eine Yoga Stunde geben.

"Ich möchte alles sehen", singt Sänger und Gitarrist Levin den Refrain des ersten Songs leise. Die Lightshow flackert, der Raum füllt sich mit abartig viel Kunstnebel und dann wird der Beat heftiger und heftiger und heftiger und was die Band dann macht, gleicht einer kleinen Explosion. Plötzlich ist Energie im Raum, keiner schaut mehr auf sein Handy oder quatscht mit seiner Begleitung. Da passiert gerade was, das spüren alle.

Viel Gitarre, effektive Synthis

Den Sound von Sparkling kann man kurz so zusammenfassen: Eine zackige, manchmal turbofixe, staubtrockene Gitarre, dazu naive, beizeiten bollernde Synthis, Bass, Schlagzeug, Texte auf Deutsch und Englisch über Sehnsucht und Selbstbespiegelung. Im Zweifel spielen Sparkling lieber schneller als langsamer. Das hat etwas ungemein rockendes, körperliches. Die Synthis werden nicht, wie bei so vielen Bands derzeit, als alles dominierende Soundmaschinen benutzt, sondern effektiv reingemischt. Musik, die erst mal ganz rudimentär daherkommt, aber bei genauem hinhören doch erstaunlich viele Ebenen hat. 

Seltsamer, cooler Sänger

So richtig voll ist es nicht im Maze Keller, schließlich liegt die Veröffentlichung der ersten EP "This is not the paradise they told us we would live in" schon drei Jahre zurück, und seitdem wurde nicht mehr viel veröffentlicht. Aber die 70 bis 80 Zuschauer, die meisten um die 20 und in Jeans und Turnschuhen, lassen sich mitnehmen und tanzen wild, auch zu Songs, die noch gar nicht veröffentlicht sind, und die sie nicht kennen können. Das ist immer ein Kompliment für die Band.

Und Sparkling gibt echt alles. Sänger Levin perfektioniert dabei freundliche Seltsamkeit im Stage Acting. Forschend, fordernd schaut er oft etwas schief ins Publikum, als wolle er jetzt sofort eine verdammte Reaktion auf das, was er da macht. Das sieht etwas beknackt und ziemlich cool gleichzeitig aus. Sparkling haben ein riesen Potenzial. Oft schält sich aus den Strophen ein ohrwurmartiger Refrain, ohne dass man diesen wilden Ritt jemals für Popmusik halten würde. Ihr Debutalbum ist fertig aufgenommen und soll noch dieses Jahr erscheinen. Mit Sicherheit werden wir Sparkling demnächst auf größeren Bühnen sehen, auch wenn der Indiesound der Band gut in das Kellergemäuer vom Maze Club passt.

Sendung: Inforadio, 15.05.2019, 7:55 Uhr

Beitrag von Hendrik Schröder

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