Pressefoto: Theaterstück <<Hunger>>, Spina Theater - Junges Ensemble Solingen. (Quelle: photozeichen.de/D. Tobias)
Audio: Inforadio | 27.05.2019 | Cora Knoblauch | Bild: photozeichen.de/D. Tobias

Kritik | Theatertreffen der Jugend - Der Hunger der Jungen

Nur wenige Tage nach dem Berliner Theatertreffen kommt am selben Ort, dem Haus der Festspiele, der Theaternachwuchs zusammen. Am Sonntag zeigte das Spina-Theater als eine der acht eingeladenen Produktionen seine Inszenierung "Hunger". Von Cora Knoblauch

Ernährungsapostel erklären uns die neuesten Food-Trends - die Angst geht um, das Falsche zu essen. Manche futtern, um die innere Leere zu füllen, andere hungern genau aus demselben Grund. In der aktuellen Produktion des Spina-Theaters Solingen geht es um den Hunger und ums Essen und schließlich die Frage: Ist es heute überhaupt möglich zu essen, ohne dabei den Globus zu zerstören? Eine schlussgültige Antwort finden die zwölf jungen Laienschauspieler aus Solingen in ihrem Stück zwar nicht, immerhin stellen sie am Ende fest: sich zu Tode Hungern, hilft auch niemanden.

Das junge Ensemble spielt sich in rasantem Tempo durch eine lockere Abfolge von Szenen: Chor-Sprech, Bühnenmonologe und -performative, beinahe tänzerische Sequenzen wechseln sich ab. Ganz offensichtlich wurde diese Produktion von einem professionellen Choreografen begleitet. Aber eben nur begleitet. Den Impuls für das Thema des Stücks und dessen Umsetzung kam vom Ensemble selbst.

Pressefoto: Theaterstück <<Hunger>>, Spina Theater - Junges Ensemble Solingen. (Quelle: photozeichen.de/D. Tobias)
Die Jugend des Spina-Theaters Solingen | Bild: photozeichen.de/D.Tobias

Keine Schau der Besten

Die Partizipation des Ensembles ist eines der wichtigsten Kriterien für die eingeladenen Stücke, betont Christina Schulz, die Leiterin des Theatertreffens der Jugend: "Wenn die Jury merkt, dass da zu viel von außen gesteuert und gelenkt wurde, dann ist das Stück für uns nicht mehr interessant."

Zum 40. Theatertreffen der Jugend sind acht Produktionen eingeladen. Beworben haben sich Theaterproduktionen von Schulen, freie Jugendensembles und die Jugendclubs großer Stadttheater.

Bevor die Kandidaten eingeladen werden, gibt es intensive Gespräche mit dem Team. Wie sich die Schauspieler dem Stoff genähert haben, wie sie ihn gemeinsam erarbeitet haben - das möchte die Jury sehr genau wissen, bevor sie eine Produktion nach Berlin einlädt.

Das Treffen möchte keine Schau der Besten sein und auch nicht unbedingt ein Talent-Campus. Vielmehr sollen die eingeladenen Stücke einen Eindruck vermitteln, womit sich junge, nicht professionelle Theaterschaffende in Deutschland derzeit beschäftigen. Dieser Jahrgang sei außerordentlich politisch, sagt Festivalleiterin Christina Schulz.

Es geht um Austausch und Debatten

Das Publikum besteht hauptsächlich aus den Teilnehmern der eingeladenen Produktionen und Teilnehmern vorheriger Jahrgänge. Ziel des Treffens: der intensive Austausch der eingeladenen Ensembles. Schülertheater aus Nordrhein-Westfalen trifft auf Jugendensemble der Berliner Volksbühne. Alle Teilnehmer sehen alle Stücke - das gehört zum Treffen dazu. Anschließend werden die Stoffe und deren Umsetzung intensiv diskutiert.

Pressefoto: Theaterstück <<Hunger>>, Spina Theater - Junges Ensemble Solingen. (Quelle: photozeichen.de/D. Tobias)Die "Hunger" Inszenierung, Junges Ensemble Solingen.

Eine Quote braucht dieses Treffen nicht. Anders als beim großen Bruder, dem gerade zu Ende gegangenen Berliner Theatertreffen, das ab kommenden Jahr eine Quote für Regisseurinnen einführen will, stammt beim Theatertreffen der Jugend schon seit Jahren etwa die Hälfte der Produktionen von Frauen, oft sogar mehr.

Am Ende der Vorstellung aus Solingen springen die jugendlichen Zuschauer von den Stühlen, trampeln, pfeifen und rufen – von einem derart enthusiastischen, begeisterten Publikum können die Alten nur träumen.

Beitrag von Cora Knoblauch

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