Der weltberühmte Musiker Mark Knopfler während eines Konzertes in Italien am 10.05.2019 (Bild: dpa/Luca Bruno)
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Inforadio | 16.05.2019 | Steen Lorenzen | Bild: dpa/Luca Bruno

Konzertkritik | Mark Knopfler in der Mercedes-Benz-Arena - Satter Sound für satte Menschen

Mark Knopfler war Mitglied der "Dire Straits" - einer der erfolgreichsten Bands der 1980er. Mit seinem neuesten Soloalbum ist er am Mittwoch in Berlin auf die Bühne gegangen. Die Bilanz: vielköpfige Band, guter Sound, aber insgesamt zu gefällig, findet Steen Lorenzen.

Mark Knopfler ist mit einer Band, so groß wie ein Fußballteam, in die Mercedes-Benz-Arena angereist. Elf Spieler, alle Ü60, abgesehen von ein paar Nachwuchstalenten. Sie sind gut eingespielt, agieren mannschaftsdienlich. Zum Lohn darf jedes Mannschaftsmitglied mit seinem Instrument an den anderen vorbeidribbeln für ein Solo. Doch den Ton des Konzerts gibt natürlich der Kapitän an. Mit seinem unverwechselbaren Gitarrenspiel und seiner mittlerweile knurrigen Stimme.

Der Kapitän und sein Team

Knopfler, der im Sommer 70 Jahre alt wird, hat in seinen 40 Jahren als Musiker 120 Millionen Alben verkauft. Nicht nur dank der vielen Old Boys auf der Bühne, sondern auch wegen seines umfangreichen Songkatalogs kann er die Mehrzweckhalle füllen. Der Sound ist gut, erstaunlich gut, bei so vielen verschiedenen Instrumenten. Allein Knopfler spielt mindestens zehn Gitarren, die Band Geigen, zwei Bläser, Keyboards, Schlagzeug und Perkussion und Gitarren und noch mehr Gitarren und ein Dudelsack. So nehmen die Songs aus zehn Soloalben und der Dire-Straits-Ära Form an. Eine Form, die völlig unberührt von musikalischen Strömungen der letzten drei Jahrzehnte geblieben ist. Knopfler spielt Blues und Folk, doch er hat sich von Erneuerern dieser Genres offenbar gänzlich abgeschirmt.

Egal mit welcher Folklore er seinen Gitarren-Charaktersound mischt, das Gefällige überwiegt. Von unerfülltem Begehren oder gar Wut und Widerstand ist in dieser Musik wenig bis nichts zu spüren. Wie in den 80er Jahren bläst die Band die große Dire Straits-Ballade "Romeo and Juliet" auch heute noch mit einem Saxophon auf. Das ist bezeichnend für das Konzert - dabei würde man sie gerne Mal nur in Begleitung von Kopflers Dobro-Gitarre hören.

Ein kurzer Traum am Tresen

Ein einziges Mal tritt das elfköpfige Team hervor, versammelt sich vor dem Bühnenrand, um mit Dudelsack, Akkordeon und Flöten den Song "Done With Bonaparte" abzufeiern. Da springt der Funke über: Das Publikum sitzt nicht mehr ganz so fest auf den Plätzen. Für einen Moment fühlt es sich an, als gehe die Tür auf zum Pub um die Ecke, wo die Band beim zehnten Bier auf dem Tresen spielt.

Schön wär’s! Vor allem wäre es der denkbar größte Kontrast zur biederen Sitzordnung in der Mehrzweckhalle. Doch schon bei der nächsten Walzer-Schmonzette reihen sich die Ü60-Spieler wieder ein, um nach gut zwei Stunden bei den naheliegenden Zugaben zu landen.

Satter Sound – für zu Hause

Für die Nachspielzeit hat sich die Band das Gewitter-Intro von "Money For Nothing" aufgehoben und schließlich ganz zuletzt "Local Hero". Beide Lieder sind wieder sehr gut gespielt und sehr gut platziert. Damit hat Knopfler die Titelmelodie des gleichnamigen Films aus den 80er Jahren gerade als Musical wiederbelebt. Darüber hinaus ist seine einzige Mission die Liebe zur Musik, zu der er sich an diesem Abend während einer deutschsprachigen Moderation bekennt. Auch über das Ende seiner Konzertkarriere denkt er laut nach. Das ist konsequent. Den satten Sound kann sein sattes Publikum schließlich auch zu Hause super mit einer Surround-Anlage genießen.

Beitrag von Steen Lorenzen

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