Namibia Botschafter Andreas Guibeb spricht, während der Raphael Gross, Präsident des Deutschen Historischen Museums, und Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) im Museum vor der Säule von Cape Cross stehen (Quelle: dpa, Britta Pedersen)
Audio: Inforadio | 17.05.2019 | Maria Ossowski | Bild: ZB

Heimkehr nach 120 Jahren - Historisches Museum gibt Namibia die Kreuzkapsäule zurück

120 Jahre nach ihrer Verschiffung nach Deutschland hat das Deutsche Historische Museum in Berlin die Rückgabe der Wappensäule vom Cape Cross an Namibia beschlossen. Sie war Teil des umfangreichen kolonialen Raubguts in Deutschen Museen. Von Maria Ossowski

Sie ist 533 Jahre alt und dreieinhalb Meter hoch - die tonnenschwere Steinsäule mit dem ausgebildeten Kreuz an der Spitze war 125 Jahre in Deutschland und wird in drei Monaten zurückkehren nach Namibia.

Deutschlands Kulturstaatsministerin Monika Grütters wird sie dabei begleiten. Namibia hatte vor zwei Jahren um die Rückgabe gebeten. Der Botschafter Namibias in Deutschland, Andreas Guibeb, betont im Gespräch die Bedeutung dieser Säule für die Identität der Menschen im Südwesten Afrikas: "Das ist Teil unserer Geschichte und man kann aus der Geschichte nicht nur das auswählen, was gut oder schön ist." Alles - ob nun gut oder schlecht - sei Teil der Geschichte und diese Gesamtheit brauche es auch in Namibia, wenn man dort Geschichte erzählen wolle.

Rückkehr in einer schweren Zeit für das Volk Namibias

Aus einem Museum in Europa kehre das Symbol des einst portugiesischen und später deutschen Herrschaftsanspruches jetzt zurück an die Küste Namibias, wo die Säule früher Seefahrern Orientierung geboten hatte, so der Botschafter. Es gehe um eine historisch-geistige Orientierung seines Volkes, gerade jetzt, in dieser sehr schweren Zeit: "Im Moment erfahren wir eine sehr starke Dürre, die das ganze Land umfasst und sehr schlecht für alle ist: für Tiere und für Menschen." Wichtig sei in einer solchen Zeit für ein Volk, dass man weiß, woher man komme, wo man heute sei und welche Aussichten man für die Zukunft habe.

Unklar ist, wo die Säule künftig stehen wird

Wie genau Namibia die Säule präsentieren wird, ist noch nicht entschieden. Sie soll zurück an die Küste, dort aber dann nicht mehr Wind und Wetter ausgesetzt werden.

Mit der Rückgabe der Säule distanzieren sich Deutschlands Staatsministerin für Kultur und das Berliner Museum vom Unrecht der Kolonialherrschaft.

Die deutsche Kolonialmacht hatte kurz nach der Jahrhundertwende einen Vernichtungskrieg gegen die Hereros und die Nama geführt - ein historisches Trauma, das die Menschen in Namibia bis heute quält. Daher ist es für Monika Grütters wichtig, hier zu zeigen: Wir setzen uns mit dieser Geschichte auseinander: "Wir in der Kultur können einen ganz wichtigen Beitrag leisten, weil es um identitätsstiftende Objekte geht für die namibische Bevölkerung, aber auch für unsere gemeinsame Geschichte." Diesen ethischen Aspekt solle man nicht unterschätzen.

Suche nach einem Zeichen der Erinnerung

Der Präsident des Deutschen Historischen Museums, Raphael Gross, will sich  noch nicht festlegen, wie er mit der Leerstelle, die das Kreuz hinterlässt, umgehen wird. Es steht eine Replik im Technikmuseum, aber die eins zu eins aufzustellen, fände er unpassend. Eine von vielen Möglichkeiten, an die Säule zu erinnern, wäre eine Webcam, ausgerichtet auf die Säule an der Küste von Namibia. "Da Namibia dieselben Lichtverhältnisse hat wie hier, das heißt, wenn es hier hell ist, ist es dort auch hell, ist es möglich, dass man vielleicht zeigt: Ah, dort ist sie jetzt. Und das wäre eine Möglichkeit, die Leerstelle zu markieren. Und wie wir das genau machen - da sind wir jetzt am Überlegen."  

Beitrag von Maria Ossowski

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