Schiller-Konzert in Leipzig im Mai 2019 (Quelle imago/Grube)
Audio: Inforadio, 26.05.2019, David Krause | Bild: imago/Grube

Konzertkritik | Schiller in Berlin - Wortlos durch die Nacht

Platz eins in den Charts ist der Wahlberliner Christopher von Deylen mit seinem Projekt "Schiller" schon gewohnt. Seine letzten drei Alben haben das geschafft. David Krause wollte die Faszination dieser ruhigen Elektro-Musik verstehen und fand Zufriedenheit nur im Licht.

"Dit Konzert läuft schon, dit is Ihnen klar?", rauscht es aus Gegensprechanlage an der Ticket-Kasse. Fünf nach acht, Schiller-Fans scheinen im Gegensatz zu mir pünktlich zu sein. In der Arena wird komplett gesessen, auch der Innenraum ist voll mit Stühlen. Ein zuspät-kommendes Vorbeiquetschen Richtung Sitz wird hier mit Verachtung und nörgelndem "Bestimmt gehen Sie am falschen Ende der Reihe rein!" bestraft. Fair enough, mein Fehler, sorry.

So ganz voll ist sie nicht geworden, die große, seelenlose Mercedes Benz Arena. Der obere Rang ist abgehangen, abgesehen von einer Kamera, die an einem Draht über die Köpfe des Publikums surrt, bewegt sich hier nicht viel. Hypnotisierend wirkt die mal sphärische, mal trommelnde elektronische Musik von Schiller.

Laserstrahlen bohren sich durch die Halle

Christopher von Deylen hat "Schiller" 1998 in Hamburg gestartet, später zieht es ihn nach Berlin. Zehn Alben sind seit Beginn entstanden, immer wieder arbeitet der 49-Jährige mit anderen Künstlern zusammen. Zum Beispiel mit dem chinesischen Pianisten Lang Lang, Komponist Mike Oldfield oder auch mit Thomas D von den Fantastischen Vier. Umringt von Synthesizern, Laptops und anderen Geräten steht von Deylen jetzt hier breitbeinig auf der Bühne. Schwarze Hose, schwarzes Hemd und schwarz-gerahmte Brille. Der Mann mag es schlicht. Neben ihm die anderen Musiker und Musikerinnen. Einer steht hinter einem riesigen Schlagzeug, die zwei Sängerinnen links und rechts.

Durch den Nebel, der dauernd in die Hallenluft gepumpt wird, bohren sich Laserstrahlen und andere unzählige Lichter. Und die gibt es in allen erdenklichen Variationen. Mal wird die ganze Arena in ruhiges rot getaucht, dann bewegen sich die Scheinwerfer kreisförmig durch den Raum, bis sich ihre Lichtkegel auf der Bühne treffen. Immer perfekt abgestimmt auf die Musik.

Einfach eingeschlafen ist sie

Ein bisschen zu perfekt wirkt aber die Show an sich. Spontanität oder Unerwartbares gibt es nicht. Genauso wenig wie Worte. Kein einziges Mal spricht von Deylen zu seinen Fans. Die hätten das sicher gefeiert. Denn immer wenn es musikalisch etwas wilder wird, stehen sie wie angeknipst auf und klatschen mit. Die Musik von Schiller hat aber nur wenige solcher Höhepunkte und beruhigt sich schnell wieder in diese hypnotisch-beruhigende Massagenhintergrund-Atmosphäre. Eine Reihe vor mir nickt eine Frau ein, zerknirscht wacht sie wenig später wieder auf. Ob sie gemerkt hat, dass wir hier schon zwei Songs weiter sind? Vermutlich nicht.

Und trotzdem: schaut man sich um, die größtenteils Ü40 Generation hat eine richtig gute Zeit auf diesem Konzert. Sie ist empfänglich für jedes noch so kleine Signal von der Bühne. Die Musiker greifen sich ans Herz, so nach dem Motto "Wir fühlen euch!". Es wird zurückgefühlt. Manchmal wird sogar kurz gekreischt, eine Frau ruft: Christopher! Die Antwort darauf muss sie sich denken (oder eben fühlen). Die sterile Bühneshow lässt eine Antwort nicht zu. Aber dafür kann man sich an ganz vielen bunten Lichtern erfreuen, ist ja auch was Schönes.

Sendung: Inforadio, 26.05.2019, 6:55 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

14 Kommentare

  1. 14.

    ich stimme deinem Kommentar völlig zu wer sich mit Schiller nicht auskennt und ansonstens sich von irgendwelchen Schlager Gejammer beeindrucken lässt, sollte seinen Stift in der Tasche lasse und Zuhause bleiben

  2. 13.

    Es ist nicht das erste Mal das ein Reporter ein Konzert oder auch einen Kinofilm hart kritisiert. Man sollte diese Art von Berichterstattung ganz sein lassen und die Meinung denen überlassen die Fans sind. Und solche Kommentare wie "Einfach eingeschlafen ist sie" sind einfach daneben und gehören in keine Konzertkritik. Vielleicht sollte der Verfasser dieser Kritik Konzerte , die eher nach seinem Geschmack sind, aufsuchen und hier nicht solch einen Schund schreiben.

  3. 12.

    Wer zu den Konzerten von Schiller geht, liebt seine Musik und respektiert seine bescheidene Art, sie zu präsentieren.
    Ein feiner Mensch, großartige Musik und seine wenigen lieben Worte am Ende sagen ein Vielfaches mehr aus, als der Bericht ihres Reporters. Auch Musik ist Kunst und Kunst liegt immer im Auge des Betrachters oder in den Ohren des Zuhörers.
    Für mich ein oberflächlicher Bericht, vermutlich ohne Hintergrundwissen/Recherche geschrieben...?
    Ich war in der Halle und habe das Konzert und die große Beigeisterung und Freude der Menschen dort sehr genossen.

  4. 11.

    Wie immer ist Musik eine reine Geschmacksache . Ich fand es super und tausende andere genauso . Sicher wäre eine kurze Begrüßung am Anfang schön gewesen . Aber das macht das Konzert nicht schlecht . Und was hätte das am Konzert geändert ? Nichts . Es war ein Riesen Event für Fans dieser Musik . Ein super Abend .

  5. 10.

    Alle die, die das ganze (!) Konzert sahen, wissen, dass außer Christopher von Deylen noch andere große Künstler zum Gelingen beitrugen. Diese stellte er nicht nur vor, sondern widmete ihnen, dem Publikum und auch den vielen Helfern im Hintergrund warme Worte (!) des Dankes.
    Für meine Frau und mich ein gelungenes Konzert

  6. 9.

    Schade........
    Alle sind so begeistert. Ich gehöre nicht dazu!
    War das Schiller was ich gestern Abend in der Arena gesehen habe?
    Auf youtube hatte ich mir das Konzert Atemlos angesehen und -gehört und mir spontan Karten für den gestrigen Auftritt in Belin bestellt. Die Erwartungen waren, zugegeben, hoch und die Vorfreude riesig........und ich fand`s einfach nur Käse. Die Gesangsbeiträge waren einfach zu viel und machten das Ganze so beliebig. Die Leute sprangen auf beim Glockenspiel, Ruhe und Schiller; der Rest plätscherte so dahin. Die gute Lightshow konnte meine Stimmung dann auch nicht mehr retten.
    Nicht noch einmal. Schade eben.

  7. 8.

    Hallo Dirk, ich war schon bei unzähligen Konzerten in der Mercedes Benz Arena, der Waldbühne, in der Philharmonie und vieles mehr. Wenn Dir Schiller zu lahm ist solltest Du nicht zu Schiller gehen.

  8. 7.

    Ich stimme der Meinung von Gregor voll zu, ich fand das Konzert auch sehr gut. Allerdings war die Musik teilweise übersteuert – trotzdem toll!!

  9. 6.

    Objektive Berichterstattung geht definitiv anders. Und wer zu spät kommt, sollte definitiv mal seine Einstellung zum Job überdenken aus meiner Sicht. Es klingt gerade so, als ob der Redakteur dazu gezwungen wurde, dort zu sein. Aus meiner Sicht keine professionelle Einstellung zum Job.

  10. 5.

    Das Konzert war für mich perfekt, der Surround Sound und die Lichtshow einfach erstklassig. Übrigens schätze ich die Bescheidenheit von Christopher van Deylen sehr, hinter der Schlichtheit steckt einfach mal musikalische und menschliche Größe. Hätte der Berichterstatter den abschließenden Worten von Christopher van Deylen Gehör geschenkt, dann hätte er nicht so eine ungeschickte Überschrift wie "Wortlos durch die Nacht gewählt". Wer diese Art von Musik nicht mag, sollte lieber wo anders hingehen, ich gehe ja auch nicht zum Schlagerfestival.
    Vielen Dank an das gesamte Team von Schiller und Allen die im verborgenen großartige Arbeit geleistet haben, wir hatten einen richtig schönen Abend.

  11. 4.

    Also schon der erste Absatz sagt doch alles. Zu spät kommen und das noch zum Thema in der Konzertkritik machen.
    Für mich war es das erste Schiller Konzert, obwohl ich die Musik bereits mit 19 hörte als sie rauskam 1999. Tatsächlich war ich überrascht, dass nur wenige im Publikum meiner Generation waren.
    Mir gefiel es gut. Ich hätte nur gern bereits vom ersten Lied an getanzt, weil ich Sitzkonzerte generell nicht so mag. Ich bewege mich gern zur Musik, auch bei ruhigen Klängen. Umso mehr freute es mich als das mehrheitliche Publikum irgendwann auch tanzen wollte. Gänsehaut-Momente gab es bei mir ebenfalls.

  12. 3.

    Mal beruhigen. Ich finde die Kritik, die übrigens nicht wirklich hart ist, durchaus berechtigt. Wenn sie es super fanden, toll. Vermutlich hat er, ähnlich wie ich, schon ein paar mehr Konzerte gesehen. Und sorry, wenn man das dann vergleicht, war es eher lahm. Nett, aber lahm. Aber wie gesagt, ist doch super das es ihnen gefallen hat.

  13. 2.

    Da stimme ich dem ersten Kommentar 100prozentig zu, wenn man solche Events nicht mag, dann sollte man nicht hingehen. Mir hat das Konzert genau wie (fast) allen Anwesenden sehr gefallen, die Stimmung war toll, die Halle war voll und die bewegenden Worte von Christopher von Deylen am Schluss haben das bestätigt. Also wer auch immer diese Konzertkritik verfasst hat solle das nächste Mal woanders hingehend nicht den echten Fans den Platz wegnehmen.

  14. 1.

    Ich frage mich auf welchem Konzert sie waren?!? Es war durchaus eine tolle Stimmung. Es wurde sich durchaus bewegt. Und .....Hat Christopher von Deylen schon jemals viel oder überhaupt in seinen Konzerten gesprochen?!? Es war ein tolles Konzert, eine super Stimmung. 2 Stunden Power ohne Pause.

Das könnte Sie auch interessieren

Der Rapper Common bei seinem Konzert am 16.09.19 im Astra in Berlin (Quelle: rbb / Bruno Dietel)
rbb / Bruno Dietel

Frühkritik | Common in Berlin - Freestyle gegen Schweiß abwischen

Rapper, Poet, Schauspieler – und jemand, der nicht aufhört, an das Gute im Menschen zu glauben: Am Montag stand Common im Berliner Astra auf der Bühne und hat eins seiner zwei Deutschland-Konzerte gespielt. Es wurde eine Gospelmesse. Von Bruno Dietel