Alte Nationalgalerie in Berlin (Quelle: imageBROKER/Simon Vollmeyer)
Bild: imageBROKER/Simon Vollmeyer

Fünf Kunstwerke - NS-Raubkunst aus Staatlichen Museen geht an Erben zurück

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat fünf Werke aus den Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin an die Erben des jüdischen Kunsthändlers Heinrich Ueberall zurückgegeben. Die Werke gehörten zu einem Konvolut von über 4.000 Kunstwerken, die der preußische Staat 1935 von der Dresdner Bank ankaufte und kurz darauf an die Staatlichen Museen zu Berlin übergab, wie die Stiftung am Dienstag mitteilte. Heinrich Ueberall wurde von den Nazis verfolgt und starb 1939 im KZ Sachsenhausen.

Unter den zurückgegebenen Werken befanden sich "Sarah führt Abraham Hagar zu" von Matteus Stom (1600-1641), eine Kopie des "Herrenbildnis" nach Bartholomeus van der Helst (1613-1670) und "Stillleben" von Frans Ykens (1601-1693). Aus der Alten Nationalgalerie bekamen die Erben zwei Bronzen unbekannter Künstler. Dabei handelte es sich um kleinere Nachbildungen des bekannten Werkes "Venus nach dem Bade" (um 1845/1864) nach Allegrain sowie "Venus" (um 1845/64) nach Casanova.

Stiftung untersucht Herkunft seit 2018

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) erforscht nach eigenen Angaben seit 2018 die Herkunft der Werke aus dem Konvolut. Der Deutschen Bank hätten die Kunstwerke größtenteils als Kreditsicherheiten gedient, erklärte die Stiftung weiter. Im Falle von Heinrich Ueberall habe es für den Entzug der Kunstwerke keine anderen Hinweise als seine Verfolgung durch das NS-Regime gegeben.

"Mit der Rückgabe zeigt die Stiftung, dass sie sich verantwortungsbewusst mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzt und ihre eigene Rolle als Profiteur der Judenverfolgung kritisch anerkennt", sagte Irena Strelow, die Vertreterin der Erben.

Sendung: Inforadio, 21.05.2019, 20:40 Uhr

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Antwort auf [Meier] vom 22.05.2019 um 12:55
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3 Kommentare

  1. 3.

    "Wieso wird der Bürger über die NS-Zeit "be"lehrt?" Der Fernsehkonsument wird belehrt über Hiltlers Hund, Hitlers freundin, Hitlers Pyjama, Hitlers Zahnbürste, Hitlers Drogensucht aber nie über die Rolle der Konzerne und des Großkapitals bei der Machtergreifung und Machtausübung. "Belehrt" ist tatsächlich der falsche Ausdruck. Er wird nicht belehrt, er wird verdummt und vom Wesentlichen abgelenkt. Bitte informieren Sie sich für den Einstieg über:
    - Gesellschaft zum Studium des Faschismus
    - Keppler-Kreis
    - Alfred Hugenberg

  2. 2.

    Wieso wird der Bürger über die NS-Zeit "be"lehrt?
    In Berlin wird doch ganz gern vergessen, welche Rolle in der Nazi-Zeit gespielt wurde. Ega, ob es das KaDeWe, die Schultheiss-Brauerei, Bettenhaus Rutz oder auch der Tagesspiegel betrifft. Da deckt man das Mäntelchen des Schweigens drüber.

    Mir stellt sich auch in diesem Fall die Frage, wieso die Stiftung erst seit 2018 (!) die Herkunft der Bilder klärt. Ach ja, da sind die meisten Anspruchsteller ja schon verstorben.

  3. 1.

    Dresdner Bank (Hausbank der SS) und Deutsche Bank haben sich bei der Judenverfolgung sehr hervorgetan und exorbitant von der "Arisierung" profitiert. Die Deutsche Bank hat z.B. während der NS-Zeit ihre Aktiva verdreifacht. Die Rolle solcher Konzerne wird oft und gerne unter den Teppich gekehrt, wenn der Bürger über die NS-Zeit belehrt wird. Der Faschismus war ein Unternehmung des Establishments (siehe Mitglieder der "Gesellschaft zum Studium des Faschismus").

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