Die Berliner Philharmonie in der Herbert-von-Karajan-Straße (Quelle: dpa/Joko)
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Konzertkritik | Vokalhelden der Berliner Philharmoniker - Ein kurzes Leben - stimmgewaltig besungen

Ein Neunzehnjähriger stirbt bei einem Tauchunfall. Das berührt den britischen Komponisten Jonathan Dove so sehr, dass er daraus ein Oratorium komponiert. "There was a child" haben die Vokalhelden, ein Chorprojekt der Berliner Philharmoniker, am Sonntag aufgeführt. Von Barbara Wiegand

Jeder kann singen – und jeder singt. So scheint es schon auf den Treppen hinauf zum großen Saal der Berliner Philharmonie, wo sich die Vokalhelden zum Einsingen gruppiert haben. "Vokalhelden" ist der Name des Chorprogramms der Berliner Philharmoniker, die seit 2013 jedes Jahr in ganz Berlin um jugendlichen Gesangsnachwuchs werben. Und seitdem gibt es jedes Jahr ein großes Projekt, mit dem die Gruppe auftritt - dieses Mal mit der Unterstützung von neun Gastchören aus aller Welt.

Heute erheben sich die Stimmen im Saal in Gedenken an einen 19 jährigen Jungen. Denn im Mittelpunkt des Abends steht ein modernes Oratorium über einen tragischen Todesfall: "There was a child" vom Briten Jonothan Dove; komponiert in Erinnerung an den Sohn einer befreundeten Familie, der beim Tauchen ums Leben kam.

Vor allem zeugt Doves Musik vom Leben, weniger vom Sterben. Angefangen von der Geburt, als wahres Wunder der Natur, dann die kindliche Neugier auf Welt, von erstem Kummer, sorgloser Verspieltheit, Abenteuer und unbändiger Lebenslust.  

Klassische Klangbilder

Basierend auf Texten unter anderem von Shakespeare und Emily Dickinson hat Dove das kurze Leben des jungen Mannes klanggewaltig für Chöre und zwei Solisten vertont. Geleitet wird es vom einstigen Chef des Rundfunkchores Berlin, Simon Halsey, genauso wie das mit Philharmonikern und Stipendiaten der Karajan-Akademie besetzte Orchester.

Recht klassisch besetzt schafft dieses Orchester auch recht klassische Klangbilder und Effekte. Zum Beispiel ein Glockenspiel, so glitzernd wie die besungen Sterne, flirrend oder in kleinen schnellen Bögen gestrichene Violinsaiten, dazu Pauken und Trompeten, die mächtig Stimmung machen – manchmal zu mächtig vielleicht.

Das Konzert ergreift nie ganz und gar

Das wirkt dann ein bisschen aufgesetzt, genau wie die manchmal sehr bebenden Solo-Stimmen von Kate Royal und Toby Spence. Aber das kann auch sehr berührend sein. Wenn der Chor davon von dem viel zu früh beendeten Leben singt, und wenn dann noch Kate Royal das Klagelied der Mutter erhebt.

Der kurze Konzertabend ergreift einen nie ganz und gar, rührt aber doch immer wieder an. Auch weil die vielen Jugendlichen Stimmen, die da von rechts von links von hinter und auf der Bühne zu einem dringen, so viel von der Lebensfreude des jungen verstorbenen Mannes sich tragen: "There was a child" – Es war einmal ein Kind.

Sendung: Inforadio, 13.05.2019, 07:10 Uhr

Beitrag von Barbara Wiegand

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