Innenansicht des Sony-Center am Potsdamer Platz mit der Fassade des Kinos Cinestar. Quelle: Sabine Brose/Sorge/imago
Audio: Stephan Ozsvath | Inforadio | 18.06.2019 | Bild: Sabine Brose/Sorge/imago

Kino in Berlin-Mitte - Berlinale braucht nach Cinestar-Schließung neuen Spielort

Das Kino Cinestar im Sony Center am Potsdamer Platz macht Ende des Jahres dicht: Diese am Montag bekannt gewordene Nachricht sei den rund 120 Mitarbeitern des Kinos bereits im April mitgeteilt worden, wie ein Angestellter am Dienstag dem rbb sagte. Die Organisatoren der Berlinale, die das Kino bislang als Spielstätte der Festspiele genutzt hatten, bestätigten dem rbb, ebenfalls über die geplante Schließung informiert worden zu sein. Für die Filmfestspiele im kommenden Jahr müssen die Veranstalter nun ein neues Kino suchen.

Für Berlinale-Besucher bildete der Potsdamer Platz mit dem Berlinale Palast, dem Cinemaxx und dem Cinestar bislang das Zentrum der Veranstaltung. Gezeigt wurden im Cinestar Filme aus den Sektionen Panorama und Forum. 

Fusion von Cinemaxx und Cinestar geplant

Betrieben wird das Cinestar vom australischen Firmenkonglomerat "Event Hospitality & Entertainment". Deutschlandweit betreibt das Unternehmen 54 Kinos, zwei davon sollen Ende des Jahres schließen.

Im Oktober 2018 wurde bekannt, dass die Event Hospitality & Entertainment vom britischen Kino-Konzern VUE aufgekauft werden soll. Mit dem Deal über 220-Millionen-Euro sollte die Fusion der beiden großen deutschen Kino-Ketten Cinestar und Cinemaxx besiegelt werden.

Dem Vernehmen könnte das Bundeskartellamt dem Verkauf allerdings noch in die Quere kommen - zugestimmt haben die Wettbewerbshüter offenbar noch nicht. Abgesehen vom Cinestar am Potsdamer Platz betreibt Event noch sechs weitere Kinos in Berlin. Die Cinestar-Zentrale in Lübeck wollte sich auf rbb-Anfrage bislang nicht zu dem Thema äußern.

Nur ein Drohszenario?

Verdi-Generalsekretär Jörg Reichel sagte im rbb, ihm fielen zwei mögliche Erklärungen dafür ein, weshalb der Betreiber die Schließung des Kino ankündige. Eine Vermutung sei, dass Event die Schließung nur als Drohszenario nutze, um einen niedrigeren Mietpreis herauszuschlagen. "Dazu gehört es auch, dass der Vermieter jederzeit damit rechnen muss, dass der Kinobetreiber geht. Das wäre ein mieses, ein aggressives Spiel auf dem Rücken der Beschäftigten", sagte Reichel.

"Die zweite Vermutung ist, dass der Betreiber des Areals im Sony Center andere Pläne für die Flächen hat und auf den Kinobetrieb verzichten will." Für die Nachnutzung gibt es den Informationen nach noch keine konkreten Pläne. Es seien Wohnungen und Büroräume im Gespräch.

Bestätigt sind diese Vermutungen allerdings noch von keiner Seite. Eine kanadische Immobiliengruppe und ein US-amerikanischer Finanzinvestor hatten das Sony Center erst im Jahr 2017 für 1,1 Milliarden Euro von einer koreanischen Gruppe gekauft.

Sendung: Inforadio, 18.06.2019, 15 Uhr

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7 Kommentare

  1. 7.

    Gibt es hier mittlerweile weitere Informationen? Das Kino ist ja nicht nur für die Berlinale relevant, sondern es ist das einzige moderne Kino in Berlin, in dem regelmäßig (weitestgehend ausschließlich) Filme in OV gezeigt werden. Und bitte kommt nicht mit den Yorck-Kinos als Alternative: Das hier ist ein IMAX.

  2. 6.

    Das kann mit der geplanten Übernahme von Cinestar durch den britischen Cinemaxx Mutter Konzern VUE zusammen hängen. Das man das Kartellamt gnädig stimmt.
    VUE hätte mit 8 oder 9 Kinos eine marktbeherrschende Stellung gegenüber anderen Kinobetreibern in Berlin und Umland.

  3. 5.

    IMAX wird ja von Cinestar betrieben, daher wird es wohl auch zum Opfer fallen.

  4. 4.

    Ich war überrascht über die Zahl 120 (einhundertzwanzig) Mitarbeiter in einem - wenn auch großem- Kino ?!

  5. 3.

    Schade, nach dem Kino in Treptow schon die Nr. 2. Wird es ein neues Kinosterben geben? Erschreckend, dass es jetzt auch die relativ neuen Multiplexe trifft.

  6. 2.

    Was wird denn aus dem IMAX? Ist das auch betroffen?

  7. 1.

    Wenn man bedenkt, dass nach einem Bericht auf RBB Info die Angestellten nur den in Deutschland vorgeschriebenen Mindestlohn erhalten haben, kann man nur sagen ein Glück! Wenn man sich mal überlegt, dass das Veranstaltungen waren, die hauptsächlich für Millionäre bestimmt waren, dann ist es gut so!

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