Archivbild: Der Körpersprache-Experte Stefan Verra zu Gast in der WDR Talkshow "Kölner Treff" am 26.04.2019. (Quelle: dpa/Horst Galuschka)
Audio: Inforadio | 25.06.2019 | Lotte Glatt | Bild: dpa/Horst Galuschka

Kritik | Stefan Verra in den Wühlmäusen - Mundwinkel und Augenlider auf Halbmast

Zwinkern, Nicken, Winken. Körpersprache-Experte Stefan Verra weiß, was dahinter steckt. Mit seinem Programm "Körpersprache braucht kein Mensch? Und ob!" in den Wühlmäusen zeigt der Österreicher, was Mimik und Gestik alles können. Von Lotte Glatt

Er hat die mächtigsten Menschen der Welt beobachtet wie kein anderer, und dabei nicht nur darauf geschaut, was sie sagen, sondern wie sie es sagen. Der österreichische Autor und Coach Stefan Verra ist Experte in Sachen Körpersprache. In seinem jüngst erschienenen Buch "Leithammel sind auch nur Menschen – Die Körpersprache der Mächtigen", hat er untersucht, was Merkel, Macron, Trump und Co. mit Mimik und Gestik zum Ausdruck bringen können. Auf der Bühne der "Wühlmäuse" stellt Verra seine Untersuchungsergebnisse vor.

Gemeint ist der Job als Präsident der USA, zu dem Donald Trump 2016 gewählt wurde. Stefan Verra bringt dem Publikum nicht nur eine Handvoll Gesten und Blicke bei, mit denen jeder im Handumdrehen zum Trump-Imitator werden kann. Er liefert auch plausible Erklärungen dafür, warum sich viele Wähler von einem Trump verstanden fühlen, der mit der Faust aufs Rednerpult haut und schimpft wie ein Rohrspatz; ohne wirklich Inhaltliches zu vermitteln.

Im Jahr 2016, da hat es weltweit die eindeutige Antwort gegeben: Körpersprache ist enorm wichtig. Denn auch wenn du von einer Sache keine Ahnung hast, wenn du die richtige Körpersprache hast, kannst du trotzdem den besten Job der Welt bekommen.

Körpereinsatz auf der Bühne

Verra stellt seine Erkenntnisse besonders lebhaft dar. Er greift dabei selbst zu ausladenden Gesten und huscht die Bühne rauf und runter. Er schafft es, Dinge auf den Punkt zu bringen, die wir vielleicht selbst in der Mimik anderer Personen schon entdeckt haben, die wir aber nur schwer in Worte fassen können.

So beschreibt er beispielsweise den Gesichtsausdruck des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder wie folgt: "Der Markus Söder, und das ist wahnsinnig interessant, wenn der etwas spannend findet, macht er des gleich, wie wir alle: Er hebt die Augenbrauen", erzählt Verra. "Wenn wir was spannend finden, heben wir die Augenbrauen. Aber der Söder lässt die Augenlider auf Halbmast. Das macht übrigens auch Annegret Kramp-Karrenbauer, beobachtet des mal bitte. Die hat auch oft die Augen auf Halbmast." Dabei mischt Verra seinen Feststellungen eine Portion österreichischen Dialekts bei, was seine Aussagen noch lebendiger macht.

Unterhaltsam, aber manchmal etwas platt

Aha-Momente wie diese sorgen immer wieder für gute Unterhaltung. Wenn es um die nonverbale Kommunikation zwischen Frau und Mann geht, was Verra etwas zu oft zum Thema macht, werden seine Witze eher platt. Wie als er zum Beispiel erklärt, dass Leute, die die Arme verschränken, nicht per se ihrem Gegenüber Distanz entgegenbringen wollen: "Jungs, stellt's euch vor ihr seit's auf dem Oktoberfest in München, sitzt auf so einer Bierbank, und dann kommt eine Dame im Dirndl auf dich zu", beschreibt er, "sie setzt sich dir gegenüber, sie verschränkt ihr Arme und sie lehnt sich dir entgegen. Jungs, schätzt des net als Abwehr ein, ja!"

Theater oder Gruppenseminar?

Im Laufe des Abends bekommt der Auftritt immer mehr den Charakter eines Gruppenseminars. Das liegt daran, dass die Zuschauer regelmäßig mitmachen und Augenbrauenübungen am Sitznachbarn ausprobieren sollen. Außerdem wirft Verra oft mit den lateinischen Begriffen einzelner Körperpartien und mit Lebensweisheiten um sich, was etwas lehrerhaft daherkommt.

Nichtsdestotrotz ist er Lehrer aus Leidenschaft, der es nur gut meint mit seinem Publikum und der zeigen will, wie viel Lebensfreude die Körpersprache hervorholen kann: "Wenn du einen tollen Abend verbracht hast, wenn du einen tollen Moment im Leben verbracht hast, und du denkst dir: Wow, jetzt passt einfach alles, ich fühle mich einfach rundum zufrieden. Genau dann musst du an deiner Mimik nichts mehr verändern. Denn genau in dem Moment ist dein Mundwinkel etwas näher am lächelnden Gesicht als am ernsten Gesicht. Und das reicht völlig", so Verras Fazit.

Stefan Verra mischt seinen Aussagen manchmal etwas zu viel Pathos bei. Am Ende des Abends weiß das Publikum aber auf jeden Fall, welche enorme Wirkung unsere Körpersprache haben kann. Und man bekommt Lust, selbst ein bisschen mehr in die Welt hinauszustrahlen.

Stefan Verra wird sein Programm "Körpersprache braucht kein Mensch? Und ob?" nochmal am 12. Mai 2020 in den Berliner Wühlmäusen präsentieren.

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