Sophie Turner als Jean Grey in "X-Men: Dark Phoenix" (Quelle: dpa/ZUMA Press)
Audio: Antenne Brandenburg | 06.06.2019 | Frauke Gust | Bild: dpa/ZUMA Press

Interview | Sophie Turner in "X-Men: Dark Phoenix" - "Filme mit Frauen in der Hauptrolle spielen mehr Geld ein"

Nach "Wonder Woman" und "Captain Marvel" startet mit "X-Men: Dark Phoenix" eine dritte Actionsuperheldin im Kino. In der Hauptrolle: "Game of Thrones"-Star Sophie Turner. Im Interview spricht sie über Frauenpower in Actionfilmen und die Zukunft des Kinos.

rbb: Sophie Turner, wie gefällt Ihnen die Stadt?

Sophie Turner:  Super. Ich war schon mal in Berlin, damals habe ich auch gearbeitet, so wie heute, und nicht so viel Gelegenheit gehabt, mich umzusehen. Aber gestern war ich in einem wunderschönen Park, ich erinnere mich leider nicht an den Namen, da hatten wir Lunch. Ich hatte ein Schnitzel. Ich bin dann zur Mauergedenkstätte gegangen - das war sehr beeindruckend dort, und später war ich in einem Biergarten am Schlachtensee  - perfektes Ende für einen Tag in Berlin.

Als "Dark Phoenix" sind Sie nach "Wonder Woman" und "Captain Marvel" sozusagen Nummer 3 im Frauen-Action-Universum und vielleicht sogar die Mächtigste von allen. Wie denken Sie über diesen ganz neuen Level von Frauenpower im Actionfilm? 

Es ist so cool, ein Teil dieser erstaunlichen Entwicklung zu sein, die gerade im Superhelden-Genre passiert - im Film ganz generell. Es geht jetzt viel mehr um Inklusion, das ist so schön! In den letzten paar Jahren haben wir "Black Panther" gesehen, "Wonder Woman", das erste asiatische Superhelden-Movie, wird gerade abgedreht, glaube ich, und es ist toll, ein Teil dieser wundervollen Bewegung zu sein - wenn auch nur ein sehr kleiner.

Und es ist einfach auch das, was das Publikum wirklich haben will. Statistisch gesehen spielen Filme mit Frauen in der Hauptrolle gerade mehr Geld ein. Das ist eine Tatsache und es ist wirklich cool, diese Veränderung zu sehen: Dass auf das Publikum gehört und angeboten wird, was es sich wünscht.

Waren Sie überrascht, dass die Figur im neuen "X-Men"-Abenteuer jetzt eine so mächtige Rolle hat?

Ich kannte die "Dark-Phoenix"-Comics, aber ich wusste bis sechs Monate vor dem Dreh nicht, was auf mich zukommt. Regisseur Simon Kinberg hat mir dann gesagt, was wir machen und ich sagte: "Oh Fuck " … und dann: "Das wird richtig toll". Aber zuerst war ich wie versteinert.

Jean Grey, die Figur, die Sie spielen, hat übersinnliche Fähigkeiten und ist als Kind so verstört davon, dass sie einen tragischen Unfall verursacht. Als junge Frau wird sie kosmischer Strahlung ausgesetzt und bekommt ihre Kräfte und Wutausbrüche nicht unter Kontrolle. Wie haben Sie sich diesem schwierigen Charakter angenähert?

Wir haben uns mit Geisteskrankheiten und -zuständen beschäftigt: Schizophrenie, Abhängigkeit, Desorientierung, Konfusion, Frustration. Diese Geisteszustände habe ich studiert, und das half mir, in die Psyche der Figur reinzukommen.

Was macht Sophie Turner im echten Leben wütend?

(lacht) Ich mag keine Langsam-Geher. Leute, die langsam vor mir hergehen - das macht mich wirklich wahnsinnig. Was macht mich noch wütend? Donald Trump! Wer sonst? Viele Leute machen mich wütend. Die Welt, wie sie momentan ist, macht mich wütend. Der Klimawandel ist real und niemand tut etwas dagegen. Die Leute, die die Möglichkeit hätten, etwas dagegen zu tun, ignorieren es absichtlich, und damit killen sie unseren Planeten - so wie wir alle.

Der Brexit nervt mich auch. Ich weiß nicht, wo ich jetzt leben soll. In den Vereinigten Staaten oder im Vereinten Königreich? Das nervt total. Ich glaube, ich komme nach Berlin.

Wie sieht das aus, wenn Sie richtig sauer werden?

Ich fange an zu heulen. Wenn ich wütend werde, heule ich. Wenn ich traurig bin, heule ich. Wenn ich glücklich bin, heule ich - ich heule einfach hauptsächlich. (lacht)

Was würden Sie mit der Superkraft von Jean machen?

Ich wünschte, ich hätte die Superkraft von Jean. Das Erste, dass ich dann machen würde, wäre,  jedem die Macht von Empathie und Mitgefühl zu verleihen. Damit gäbe es keine Diskriminierung mehr und keinen Krieg. Empathie und Mitgefühl - das braucht irgendwie gerade jeder.

Sie haben Ihre Jugend als Lady Sansa in "Game of Thrones" ja praktisch in der Öffentlichkeit verbracht. Wie gehen Sie als Serien-und Blockbuster-Star mit bösen Kommentaren in den sozialen Medien um?

Zuerst mal versuche ich, nicht so viel reinzugucken in die sozialen Medien. Ich google mich zum Beispiel auf gar keinen Fall selber. Und dann hilft Therapie. Es ist so ein verrücktes Leben in der Filmwelt, da braucht man das. Aber ehrlich gesagt denke ich, jeder braucht einen Therapeuten, nicht nur ich. Das ist auf jeden Fall meine Art, damit umzugehen: Therapie machen.

Klar, ich poste selber auch mal. Manche Leute finden das komisch. Das liegt aber daran, dass wenn man heute einen Filmvertrag unterschreibt, ist das oft Bedingung für eine Rolle, dass man seine eigenen sozialen Medien benutzt und zu den Filmen was postet.

Ihre Karriere ist jetzt gerade richtig durchgestartet: erst Serienstar, jetzt Superheldin? Was glauben Sie, wie wird sich das Kino entwickeln im Vergleich zu den Streamingdienstangeboten?

Es ist traurig, aber ich glaube, dass Streamingangebote alles andere überholen werden. Die Anzahl der Filme, die ins Kino kommen, wird deutlich zurückgehen und was da übrig bleibt, sind dann halt die Blockbuster: Ob "X-Men", "Avengers" oder "John Wick" - solche Filme werden in den Kinos sein. Und Arthouse Kinos wird es wohl traurigerweise nicht mehr lange geben. Vielleicht ein paar, wo man Specials angucken kann.

Unglücklicherweise wird bald alles im Internet sein, und das ist traurig, denn es hat etwas Magisches ins Kino zu gehen. Es ist etwas Magisches, Filme auf einer großen Leinwand zu sehen – dafür werden Filme ja gemacht.

"Game of Thrones" dann lieber auf der großen Leinwand?

Na klar! Keine Frage, unbedingt!

Wer ist für Sie ein echter Superheld?

Das ist niemand, den Sie kennen: die beste Freundin meiner Mutter. Sie hat vor fünf Jahren ihren Mann verloren. Ihre Tochter ist meine beste Freundin. Und zu sehen, wie sie ihre Tochter aufgezogen hat als alleinerziehende Mutter - das war sehr schwer für sie. Aber sie hat so eine Stärke gezeigt, sie ist eine so wundervolle Mutter. Ich betrachte sie als eine meiner Superheldinnen.

Wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Das Interview führte Frauke Gust, Antenne Brandenburg.

Sendung: Antenne Brandenburg, 06.06.2019

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6 Kommentare

  1. 6.

    Kein Problem. Ich mag , bei aller berechtigten Kritik, die Marvel-Filme. Ich denke, von Frau Turner werden wir noch eine Menge sehen. Ich heule immer noch über das Ende von "Game of Thrones". :) Den Quicksilver-Darsteller finde ich übrigens ziemlich cool (Er spielt auch sehr gut in der Serie"American Horror Story").

  2. 5.

    Sorry, X-Men. Da spielen offensichtlich alle anderen besser als sie, die ganzen Alpha-Mutanten und aber z. B. auch der Quicksilver.

  3. 4.

    Ist mir eigentlich sch. egal wer oder was die Hauptrolle spielt, wenn der Film Dünnschiss ist, hilft auch eine Frauenbesetzung nichts, außer die ist hübsch. Aber kommt nur in Hollywood vor.

  4. 2.

    Na zum Glück ist mir die X-Men-Reihe aufgrund ihrer thematischen Stagnation (immer geht es um böse Mutanten, gute Mutanten, Nichtmutanten und deren Verhältnis zueinander) längst ziemlich egal geworden.
    Da kann ich auch auf die Heimkinoversion warten.
    Und dass die politisch überkorrekte Sophie erneut eine der uninteressantesten Figuren des Franchises verkörpern darf, haut mich auch nicht vom Hocker.
    Übrigens nahm auch "Black Panther" in einem der letzten Sätze des Films eine eindeutige Anti-Trump-Haltung ein.
    Mann, muss ein Dasein als Hering spaßig sein.

  5. 1.

    In den Matrix-Filmen wirkt sie nur leider ganz schön deplaziert.
    Dasselbe ist ihrer Kollegin Clark in einem Terminatorfilm passiert, klassische Fehlbesetzung.
    Jetzt werden die GoT-Leute alle mal reihum gereicht.

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