Das Jüdische Museum in Berlin. Quelle: imago/Stefan Zeitz
Bild: imago/Stefan Zeitz

Neue Leitung bis 2020 gesucht - Grütters sucht Vertrauensperson für Jüdisches Museum

Nach dem Rücktritt des Direktors des Jüdischen Museums Berlin, Peter Schäfer, will der Stiftungsrat des Museums bis zum Dienstantritt des Nachfolgers eine Vertrauensperson einsetzen. Diese solle "das Museum in der inhaltlichen Arbeit begleiten und stärken", kündigte der Stiftungsrat am Freitag in Berlin an. Die Vorsitzende des Stiftungsrats, Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), sei bevollmächtigt worden, eine entsprechende Person zu benennen.

Bis zur Ernennung des neuen Direktors wird das Jüdische Museum Berlin vom Geschäftsführenden Direktor Martin Michaelis geleitet. Eine Nachbesetzung des Postens wird den Angaben zufolge für das Frühjahr 2020 angestrebt. Als Nachfolger werde ein
international erfahrener Museumsprofi gesucht.

Früherer Leiter trat nach Kritik des Zentralrats der Juden zurück

Alle Vorwürfe, das Jüdische Museum verfehle seine Stiftungsziele oder hätte seine inhaltliche Richtung verloren, wies der Stiftungsrat zurück. Das Gremium dankte Professor Peter Schäfer in einer Mitteilung am Freitag "ausdrücklich für seine Arbeit in den zurückliegenden Jahren und wünschte ihm persönlich alles Gute". Grütters sagte: "Die inhaltliche Autonomie des Jüdischen Museums Berlin und seine Unabhängigkeit sind ein hohes Gut und garantieren seit seiner Gründung ein innovatives, diskursorientiertes Programm." In der Stiftungsratssitzung sei einmal mehr deutlich geworden, dass "gerade auch Juden sich in der Arbeit des Museums wiedererkennen müssen und die nicht-jüdische Welt mehr über das Judentum erfährt".

Peter Schäfer war vergangenen Freitag nach Kritik des Zentralrats der Juden in Deutschland als Museumsdirektor zurückgetreten. Dieser hatte kritisiert, dass das Museum per Internet eine Leseempfehlung für einen Zeitungsartikel über Wissenschaftler gegeben hatte, die den Beschluss des Bundestags gegen die BDS-Bewegung verurteilen. Die Bewegung ruft unter anderem zum Boykott israelischer Waren auf. Der Zentralrat stellte infrage, ob die Bezeichnung "jüdisch" für das Museum noch angemessen sei.

Schäfer: Umstrittener Tweet war Hinweis auf Diskussionsbeitrag

Schäfer hatte im "Tagesspiegel" betont, er bedauere den Anlass der Kritik "außerordentlich". Das Museum habe nie die Aufgabe gehabt, "in politischen Tagesfragen Partei zu sein und Stellung zu nehmen".

Der Tweet zu BDS sei als Hinweis auf einen Diskussionsbeitrag gemeint gewesen. "Aber man kann ihn auch so verstehen, dass wir Partei ergreifen wollen, was absolut nicht in unserem Sinne ist." Wenn jemand "inner- oder außerhalb des BDS antisemitische Äußerungen von sich gibt oder propagiert und unterstützt oder das Existenzrecht Israels infrage stellt, hat sie oder er bei uns keinen Ort und wird ihn auch nicht bekommen".

Sendung: Abendschau, 21.06.2019, 19.30 Uhr

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