Der neue Direktor des Jüdischen Museums Berlin, Peter Schäfer, steht vor dem Daniel Libeskind Bau des Museums (Quelle: dpa)
Audio: Inforadio | 15.06.2019 | Birgit Raddatz | Bild: dpa

Nach Kritik des Jüdischen Zentralrats - Schäfer tritt als Direktor des Jüdischen Museums zurück

Der Direktor der Stiftung Jüdisches Museum Berlin, Peter Schäfer, ist zurückgetreten. Er habe Kulturstaatsministerin Monika Grütters am Freitag seinen Rücktritt angeboten, "um weiteren Schaden vom Jüdischen Museum Berlin abzuwenden", teilte das Museum am Abend mit. Grütters erwiderte, sie respektiere die Entscheidung: "Alle Verantwortlichen müssen dazu beitragen, dass sich das Jüdische Museum Berlin wieder auf seine inhaltlich wichtige Arbeit konzentrieren kann", sagte sie. Die Leitung übernehme der geschäftsführende Direktor Martin Michaelis, bis ein Nachfolger gefunden sei.

Streit um BDS-Tweet und einseitige Ausstellung

Das Jüdische Museum war in den vergangenen Monaten in die Kritik geraten. Im Raum stand etwa der Vorwurf, es werde in einer Ausstellung über Jerusalem vor allem die palästinensische Haltung zu der umstrittenen Stadt dargestellt.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte Schäfer zudem den letzten Tagen
scharf kritisiert, weil das Museum via Twitter eine Leseempfehlung gegeben hatte. In dem empfohlenen Zeitungsartikel ging es um Wissenschaftler, die den Beschluss des Bundestags gegen die BDS-Bewegung verurteilen. Die Bewegung ruft unter anderem zum Boykott israelischer Waren auf. Der Zentralrat stellte daraufhin via Twitter infrage, ob die Bezeichnung "jüdisch" für das Museum noch angemessen sei.

Das Jüdische Museum Berlin ist eines der größten jüdischen Museen Europas. Pro Jahr kommen rund 650 000 Besucher.

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3 Kommentare

  1. 3.

    Sich undistanziert und gar normativ auf die Haltungen und Forderungen von Antisemit*innen einzulassen, lässt jede antisemitische Haltung früher oder später auffliegen. Der Schaden, der auf das Museum und den wissenschaftlichen Bildungsauftrag, inkl. aller Methodik, aller Selbstansprüche, geladen wurde, ist immens und nicht ohne weiteres abzumildern. Von wem bzw. welchem Ort würde man denn eine höhere Sensibilität erwarten? Es ist schlichtweg berufliche Pflicht fundamental verletzt worden. Eine personelle Änderung reicht nicht.

    "Nett", dass gleich zwei Mal Relativierungen von Antisemitismus in den Kommentaren zu finden sind. Dass es in einem lange währenden Nahostkonflikt kein Schwarz und Weiß gibt, muss man niemandem erklären. Was soll selbst begangenes Unrecht legitmieren? Ganz sicher keinen Antisemitismus oder Unrecht anderer Form. Aufgeführte Ausführungen jedenfalls zeugen vom alten antisemitischen Narrativ, "die" Jüd*innen seien mehr oder weniger selbst schuld am Antisemitismus.

  2. 2.

    Es ist nicht entscheidend, wie ein Museum heißt, Ausweis für hohe Qualität ist die Ausgewogenheit der historischen Darstellung. Sich im vorauseilenden Gehorsam immer auf dieselbe Seite zu stellen, wird auf Dauer Niemanden überzeugen. Sollen doch bitte die vermeintlich korrekten mal erklären, warum keine palästinensischen Produkte in unsren Supermärkten zu finden sind. Meine Vorschläge Schäfer wieder einsetzen, Israel mal fragen, ob Ihnen klar ist,wie sie als bis an die Zähne bewaffnetes Land auf andere wirken und im Übrigen den Holocaust niemals vergessen.

  3. 1.

    Die stattgefundene Verhärtung ist gewiss mit eine "Frucht" der NS-deutschen Vernichtungspolitik.

    Galt vorher die Scheidung zwischen Jüdisch und Nichtjüdisch entlang der Zugehörigkeit bzw. Abstammung, und war kunterbuntes Leben innerhalb jüdischer Gemeinden vielfach selbstverständlich, so tritt heute offensichtlich das Bekenntnis zur aktuellen Auffassung der israelischen Regierung und des Zentralrats an deren Stelle.

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