Archivbild: Lafawndah bei einem Konzert in Berlin im November 2018 (Quelle: Imago/ Owsnitzki)
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Konzertkritik | Roter Salon - Lafawndah mysthiziert mit Tribal-Pop durch die Volksbühne

Die iranisch-ägyptische Künstlerin Lafawndah ist gerade mit ihrem Debütalbum gestartet, einer Mischung aus orientalischen R'n'B und westlichem Pop. Im Roten Salon der Volksbühne hat sich Reporterin Henrike Möller die mystische Inszenierung angehört.

Schwarze Radlerhosen und lange Haare bis zum Po. Mehr gibt’s erstmal nicht zu sehen. 10 Minuten dauert der erste Song. Lafawndah singt ihn komplett mit dem Rücken zum Publikum. Bei ausgeschaltetem Licht. Erst dann dreht sie sich um.

Ein Konzert wie in Trance

Aber nicht mit einem Knall. Nein, große Show-Einlagen scheinen nicht ihr Ding zu sein. Ihr Outfit ist zwar auffällig: Sie trägt ein rotes Lederkorsett über einem weiten, schwarz-roten Longsleeve. Dazu weinrote Samthandschuhe und schwarze Lederboots mit Glöckchen dran, die bei jedem ihrer Schritte klingeln. Lafawndah wirkt aber das ganze Konzert über ziemlich weggetreten. Wie in Trance. Zwischen den Songs kriegt sie kaum zusammenhängende Sätze heraus. Ihr Blick wandert hinter den Brillengläsern immer wieder nach oben zur Decke.

Zum tanzen ins Publikum

Ihre Gesangsstimme hat sie aber voll und ganz im Griff. Sofort fällt auf: Live klingen die Songs viel orientalischer als auf Platte. Global-Pop trifft es irgendwie nicht mehr. Dazu ist es zu entrückt, zu mystisch, zu rituell. Auch der R’n’B-Vibe ist fast völlig weg. Eigentlich fast alles Westliche. Dafür schimmert Lafawndahs Geburtsort, der Iran, klar und selbstbewusst durch.

Tribal-Pop-Meditationen wäre vielleicht eine mögliche Bezeichnung für Lafawndahs Live-Sound. Als einzige Begleitung hat sie eine Schlagzeugerin mitgebracht. Sie spielt im Stehen.

Nach der Hälfte des Konzerts geht die Schlagzeugerin allerdings plötzlich von der Bühne runter. Gefolgt von Lafawndah. Sie wolle eine Runde mit dem Publikum tanzen, erklärt sie. Und zwar auf einen Track ihrer aktuellen Lieblingskünstlerin aus Mali. Die Leute ziehen mit. Schon davor haben viele getanzt. Jetzt erst recht. Das Publikum ist ziemlich international. Viel Englisch ist zu hören, viel Französisch.

Bis zum Ende nicht präsent

Lafawndah tanzt mit einer Gruppe von Frauen, die ihre Freundinnen zu sein scheinen. In Sachen Performance übertrumpfen die sie allerdings um Weiten. Ein paar von ihnen hauen richtige Bauchtanz-Einlagen raus.

Lafawndah steigert sich zwar im Laufe des Abends – in einem Song macht sie beschwörende Bewegungen mit etwas, das aussieht wie Kastagnetten. Aber so richtig präsent wirkt sie bis zum Ende nicht. Ein paar Visuals oder überhaupt ein Bühnenbild hätten ihrem Auftritt gut getan. Dass am Ende keine Langeweile aufkam, lag sicher auch daran, dass nach einer knappen Stunde Schluss war.

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