Eric Burden singt beim Clam Rockfestival 2018 auf der Meierhofwiese vor der Burg Clam (Bild: imago//Rudi Gigler)
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Konzertkritik | Eric Burdon & The Animals im Tempodrom - Dieser Stimme kann man sich schwer entziehen

Ja, er kann es noch! Der Pionier des britischen Rhythm and Blues schmelzt anlässlich seiner Abschiedstour mit seinen jungen Animals das Berliner Tempodrom in einen wabernden, zuckenden, leicht steifen, aber groovenden Klumpen ein. Von Wilhelm Klotzek

Es ist heiß an diesem Abend. Das gut gefüllte Tempodrom bietet wenig Abkühlung. Im weißen Jackett und der obligatorischen schwarzen Sonnenbrille kommt der 78-jährige Eric Burdon pünktlich zum Intro von "Soul of a man" langsam auf die Bühne getippelt. Die sechs Mitglieder der verjüngten Version seiner Begleitband The Animals könnten ausnahmslos seine Kinder sein. Routiniert bewegt sich die Bläsersektion im synchronen Tanzschritt, der Gitarrist liefert brav seine Soli ab und man bekommt Angst, dass das hier ein Abend wird an dem nur das Programm abgespult wird und das bestuhlte Publikum artig-dankend abklatscht. Doch schon ab dem vierten Song, dem Animals-Klassiker von 1967, "When I Was Young", geht ein Oberschenkelzucken durch die Stuhlreihen. Denn dieser immer noch energetisch groovenden Stimme kann man sich nicht entziehen.

Neue Maßstäbe des Grooves

Eric Burdon hat einen verdammt langen Weg hinter sich. Er war neben den Rolling Stones mit seiner Band The Animals ein wichtiger Bestandteil der "British Invasion", die das weiße Amerika in den frühen 1960er Jahren mit ihrer Interpretation des schwarzen Blues schockten und die Charts eroberten. Ein paar Jahre später setzte er neue Maßstäbe des Grooves mit Eric Burdon and the War, um darauf fast zu verschwinden, nicht zuletzt wegen exzessiven Drogenmissbrauchs und miesen Verträgen mit dubiosen Musikmanagern.

Der Sänger, der früher mit Größen wie Jimi Hendrix oder Otis Redding auftrat, fing sich dann doch wieder und veröffentlichte diverse Alben mit mäßigem Erfolg, der grad so zum Überleben reichte. Er tourte aber beständig als Solokünstler oder mit diversen Renunions der Animals und überzeugte mit seinen weltweiten Liveauftritten in eher kleineren Sälen.

Einer der besten Bluessänger seiner Generation

Er ist immer noch einer der besten Bluessänger seiner Generation, auch wenn es bei seinem Auftritt am Mittwochabend hier und da symphatisch krächzt. Beim Folksong-Klassiker "Where Did You Sleep Last Night" merkt man, wozu diese Stimme fähig ist, denn Eric Burdon füllt den Raum, den ihm seine "Animals" schaffen, auf beeindruckende Art und Weise. Bei Nina Simones "Don't Let Me Be Misunderstod" tanzen die ersten Beseelten links und rechts auf den Oberrängen. Doch nach einer sehr knappen Stunde ist Schluss und die Band geht samt Sänger nach "House of the Rising Sun" von der Bühne.

Wie in den Hoch-Zeiten des Rhythm and Blues

Doch das war es dann doch nicht, denn erst jetzt haben sich alle aufeinander eingespielt, das mittlerweile stehende und applaudierende Publikum, sowie die Musiker. Eric Burdon kommt wieder sichtlich gelockert auf die Bühne, hat das Jackett abgestreift und versetzt jetzt mit einer fast ekstatischen Version von "Don't Bring Me down" das bis trotz allem dahin eher steife Publikum in Stimmung. Der Posaunist tritt nach vorn und gibt spontan kniend ein Solo am tief hängenden Mikrofon während im Hintergrund der Pianist mit seiner analogen Orgel den Sound antreibt. Ja, so oder so ähnlich muss es gewesen sein, denkt man sich, damals in den Hoch-Zeiten des Rhythm and Blues, während einem der sich langsam aufbauende Gospelklassiker "Bring it on Home to Me"  in die Knochen fährt und das Publikum links und rechts abwechselnd mit Eric Burdon "Yeah" gröhlt.

Beim letzten Song, Issac Hayes "Hold on I'm Comin" sind die Dämme gebrochen, alles zuckt vor der Bühne und Eric Burdon, breit grinsend, schiebt sich mit seiner Band akustisch in den Saal. Und das sind sie, die Momente in denen man merkt, warum Eric Burdon die "schwärzeste weiße Stimme des Blues" genannt wird.

Sendung: Radioeins, 26.06.2019, 13 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    Muß eigentlich heißen: Einer der besten weißen Bluessänger seiner Generation. Trotzdem eine recht gelungene Konzert Kritik. Ich bin leider nicht zu seinem Konzert gegangen, da ich es vorausgeahnt hatte, a) weil eine solch doofe Bestuhlung eingesetzt wurde, b) das wie hier sogenannte etwas steife Publikum verwundert mich nicht im geringsten. Die tauen meist erst gegen Ende auf. Eric at his best eben.

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