Damon Albarn, Sänger und Frontman der Band "The Good, the Bad & The Queen" während eines Festivals in Dänemark (Bild: imago/Helle Arensbak)
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Audio: Radioeins | 01.06.2019 | Bild: imago/Helle Arensbak

Konzertkritik | The Good, The Bad & The Queen - Ein königlicher Abend

Blur- und Gorillaz-Mastermind Damon Albarn hat am Sonntagabend mit seiner fulminanten Supergroup in Berlin aufgespielt. Es war ein Fest für seine langjährigen Fans, auf die am Ende auch noch eine Überraschung wartete. Von Raffaela Jungbauer

 

Es ist hochsommerlich warm im ausverkauften Astra. Intromusik ertönt wie aus einem Schallplattenspieler. Auf der dunklen Bühne strahlt nur ein kleiner roter Vintage-Lampenschirm. Er versprüht genau diesen Hauch von Nostalgie, den Damon Albarn derzeit auch fernab der Bühne empfindet.

Eine politische Platte

Er sehne sich zurück nach einer politisch friedlicheren, besseren Zeit, sagte er im Radioeins-Interview am vergangenen Samstag und klagte über die aktuelle Situation in England. Der ausgesprochene Brexitgegner hat mit dem zweiten The Good The Bad And The Queen-Album eine politische Platte geschaffen, die sowohl die derzeitigen Ereignisse als auch vergangene Zeiten politischer Unruhe zur Inspiration nehmen.

Gekommen, um Spaß zu haben

Im Gegenlicht betritt die Band die Bühne. Ist es Damon, der da die Arme in Siegerpose erhebt? Ja, er ist es, und seine Körpersprache sagt, er ist gekommen, um Spaß zu haben. Als erstes Lied spielt die Band "Merrie Land", den Titeltrack des Albums.

Supergroup par exellence

Dem Publikum ist völlig bewusst, dass auf der Bühne Legenden stehen. In tosendem Beifall greift kein Geringerer als Paul Simonon zum Bass. Mit The Clash wurde er vor Jahrzehnten zur absoluten Punkikone. An der Gitarre steht der ehemalige Gitarrist von The Verve, Simon Tong. Während er spielt und ab und zu Hintergrundvocals beisteuert, wird er den gesamten Abend über aussehen wie der charmanteste und zugleich introvertieste Menschen der Welt.

An den Drums thront leicht erhöht der inzwischen 79-jährige Tony Allen, der als Schlagzeuger von Fela Kuti zu einem der wichtigsten Namen des Afrobeatgenres wurde. Mit Hut und Sonnenbrille sitzt er da und spielt so grazil und mühelos, dass man kaum sieht, ob er sich überhaupt bewegt. Unterstützt wird er live noch von einem zusätzlichen Perkussionisten, der wunderbar mit ihm harmoniert.

Eine runde Sache

Der Abend hat alles, was einen Konzertgänger zufrieden stimmt. Mal ertönen zarteste Streichersounds in den Balladen, mal grölt der ganze Saal laut mit Damon mit, so dass es sich anfühlt, als wären wir im besten Pub Londons. Nur dass wir zu Blockflötenklängen singen, die von einem Keyboarder abgefeuert werden.

Damon sitzt mal am Klavier, haut in die Tasten, mal greift er zur Gitarre, mal tänzelt er. Der Mann ist einfach ein geborener Entertainer. Seine erste Ansage des Abends ist charmant, auf den Punkt und auf deutsch: "Es ist heiß heute. Ich denke, ich liebe Berlin", sagt er, um sich daraufhin direkt wieder der Musik hinzugeben.

Er greift zu etwas, was im Gegenlicht wie eine Melodica aussieht - und auch so klingt. Es stellt sich heraus: Es ist eine. Er spielt wunderschön, Paul Simonon tänzelt währenddessen mit seinem Bass um ihn herum. Man sieht den beiden den Spaß an, den sie haben, und selbst die Roadies am Rande der Bühne singen lauthals mit.

"Ich bin fertig"

"Die Politik in England ist sehr schlecht. Ein bisschen krank in die Kopf. Kopfkrank", sagt Damon. Danach will er eigentlich noch mehr loswerden, aber das Deutsch, das er seit seinem Schüleraustausch, der ihn mal in die Nähe von Frankfurt verschlug, beherrscht, reicht nicht mehr aus. "Ich bin fertig", sagt er. Wie sympathisch kann man eigentlich sein?

Extrem charmant ist auch, wie leidenschaftlich Paul Simonon seinen Bass spielt und sich selbst bei Balladen bewegt, als wäre es eine Uptempo-Nummer.

Das erste Set endet mit einem der schönsten Lieder des aktuellen Albums "The Poison Tree". Nachdem der letzte Ton verhallt ist, strahlt Damon übers ganze Gesicht. Fröhlich hüpft er umher und tänzelt von der Bühne. Was danach kommt, haben die meisten Fans so nicht erwartet: Die Band kehrt zurück und spielt nach dem zweiten nun noch ihr komplettes erstes Album! Die Fans sind entzückt, und zum Abschied dirigiert Damon Albarn auch noch den Abschlussapplaus des Publikums. Wie der ganz Große, der er nun mal ist.

 

Sendung: Radioeins, 03.06.2019, 06.30 Uhr

Beitrag von Raffaele Jungbauer

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