Eine Besucherin in der Installation der Künstlerin Heather Phillipson in der Ausstellung "Garten der irdischen Freuden" im Martin-Gropius-Bau. (Quelle: dpa/Jörg Carstensen)
Bild: Audio: Inforadio | 26.07.2019 | Barbara Wiegand

Ausstellung im Martin Gropius Bau - Der "Garten der irdischen Freuden" sprießt, duftet und leuchtet

Raus ins Grüne – das geht auch mitten in Berlin, im "Garten der irdischen Freuden". So heißt eine neue Ausstellung im Martin Gropius Bau, die den Künstler zum Gärtner macht. Barbara Wiegand hat sich in der bunten Pflanzenwelt umgesehen.

Der Besuch im "Garten der irdischen Freuden" ist vor allem ein sinnliches Erlebnis: Es gibt in der Ausstellung im Berliner Martin Gropius Bau klassische Gemälde, aber auch echte Pflanzen. Überall sprießt es, es riecht betörend. Vor allem leuchtet es - pink, violett, gelb, rot, grün.

Der Besucher kann liegen in diesem Garten, sich niederlassen auf am Boden ausgebreitete Samtkissen und über sich ein Blütenmeer bestaunen. Er kann auf Bänken sitzend pastellfarbene Seerosen betrachten, durch ein Spalier duftender Jasminsträucher hindurch zu einem Beet mit mannshohen, großflächig gepunkteten Tulpen wandeln.

Die Installation "Homo Sapiens Sapiens" von Pipilotti Rist in der Ausstellung Garten der irdischen Freuden im Martin Gropius Bau. (Quelle: imago/Snapshot)
Installation von Pipilotti Rist | Bild: imago/Snapshot

Ein seltsames Paradies

Doch die Schönheit dieser Künstlergärten ist auch trügerisch. Die Video-Vision des Garten Eden, die Pipilotti Rist entworfen hat, zeigt ein seltsames Paradies.

"Das ist ein Paradies, wo es nur Frauen gibt", sagt Stephanie Rosenthal, Direktorin des Martin Gropius Baus. Der Mann tauche nur auf als großer Hoden unter der Decke - "aber so abstrakt, dass man es sich zwei dreimal angucken muss, um zu wissen, was sind eigentlich diese zwei, drei Sekunden der schrumpeligen Haut da über mir".

Koloniales Raubgut oder Sinnbild der Hoffnung

Der Garten ist mal harmonisch, mal chaotisch oder auch mit einem Schuss Ironie gestaltet. Ausgangspunkt ist dabei das Hieronymus-Bosch-Gemälde "Garten der Lüste", das hier in einer Version seiner Schüler gezeigt wird, mit all seinen fantastischen Verwirrungen. Und auch mit einem Augenzwinkern, wie Rosenthal sagt: "Weil ja der Originaltitel des Triptychons von Hieronymus Bosch 'Garten der Lüste' ist. Wir haben es 'Garten der irdischen Lüste' genannt, weil wir auch über die Seite sprechen wollen, dass Künstlerinnen auch den Garten nutzen, um politische Aussagen zu machen."

Themen wie Migration und Kolonisierung spielen beispielsweise eine Rolle in der Schau. Samen und Pflanzen erzählen in Installationen von ihrer Geschichte als koloniales Raubgut. An anderer Stelle wird das Grün zum Sinnbild für unseren Umgang mit Ressourcen. Und es gibt den Garten als ein Symbol der Hoffnung.

Ein winziger Garten in Mandelas Gefängnis

So wirft Uriel Orlow in einer großformatigen Fotografie einen Blick in einen betonierten Hof, an dessen Rand nur ein Flecken Grün dem Grau in Grau trotzt: "Der Gefängnishof von Robin Island, wo Nelson Mandela und seine Mitinsassen 18 Jahre inhaftiert waren", erklärt Rosenthal. In diesem Hof hätten die Häftlinge die Möglichkeit gehabt, einen kleinen Garten einzurichten, vier Meter lang und einen Meter breit. "Ein ganz kleines Stück, aber der Garten hatte eine wichtige Rolle gespielt", so Rosenthal. Mandela hat seine Biografie "Long walk to freedom" im Gefängnis geschrieben – und das Manuskript wurde im Garten versteckt.

Diese Ausstellung bringt so politische Themen wie Unterdrückung, Diskriminierung, Klimawandel und postkoloniale Debatten zusammen. Es geht um Tradition und Vision, um sinnliches Erleben und künstlerisches Konzept  - und das in einer sehr spielerisch wie vielfältig gestalteten Ausstellung. Er macht Spaß, dieser Besuch im "Garten der irdischen Freuden".

Beitrag von Barbara Wiegand

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1 Kommentar

  1. 1.

    .. traut sich wohl keiner zu sagen was das für ein Mist ist..

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