Archivbild: Katie Melua, britisch-georgische Sängerin und Komponistin bei einem Livekonzert (Quelle: imago/Willikonsky)
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Konzertkritik | Katie Melua am Potsdamer Platz - Immer schön vorbei an allen Spannungsbögen

Rund 15 Jahre ist es her, da tauchte Katie Melua am Pophimmel auf und heimste zahlreiche Auszeichnungen ein, einschließlich Echo und Goldener Kamera. Auf ihrer aktuellen Tour versucht sie sich an Cover-Versionen. Schön, aber auch spannungslos, meint Martin Spiller.

Die Zeit ihrer großen Hits wie "Nine Million Bicycles" oder "Piece by piece" liegt schon über zehn Jahre zurück. Doch nun kann Katie Melua in aller Gelassenheit umsetzen, was sie will. Aber was ist das eigentlich? Vieles hat sie in all den Jahren ausprobiert. Ein bisschen Folk, Jazz und Soul. Auch live hat sie schon experimentiert, zum Beispiel mit elektronischen Elementen. Auch mit Frauenchören ist Melua aufgetreten - oder wenigstens mit Max Mutzke auf dem Hocker.

Publikum am Potsdamer Platz ist schon etwas reifer

Doch auf ihrer aktuellen Tour hat sie nichts von alledem im Gepäck: kein neues Album, keine aufwändige Bühnenshow und auch keine Special Effects. Dafür wirkt beim Konzert am Montagabend in Berlin das schon etwas reifere Publikum im Theater am Potsdamer Platz so, als sei es nach dem Udo-Lindenberg-Musical einfach sitzengeblieben, um auf die Goldene-Kamera-Preisträgerin zu warten. Die kommt dann auch, mit einer vierköpfigen Band.

Eigene Hits, aber vor allem Coverversionen

Das Konzert beginnt sanft. Im Hintergrund formen Lichterketten eine Art Zirkuszelt. Es könnte auch eine riesige Sänfte sein - kuschelig, intim, gedämpft. Es geht sanft weiter. Es gibt natürlich die eigenen Hits. Es gibt aber vor allem bemerkenswert viele Cover-Versionen.

Melua singt sich fleißig durch die Musikgeschichte - und beweist Mut dabei. Denn wenn es drei Künstler gibt, die stimmlich schwer in Übereinstimmung zu bringen sind, dann sind es Leonard Cohen, Janis Joplin und Louis Armstrong. Doch selbst diese kriegt sie noch sanfter hin. Genauso wie "Just like heaven" von The Cure. Ihre Stimme tut niemals weh. Auch dann nicht, wenn sie wehtun müsste - spätestens beim "Kozmic Blues" von Janis Joplin.

Es ist ein schönes Konzert - aber auch ein spannungsloses. Echte Höhepunkte sind lange nicht auszumachen. Doch "On the road again" von Canned Heat ist einer von ihnen. Es wird lauter, ein bisschen jedenfalls. Die Band ist fantastisch. Katie Melua versucht, das träge Publikum zum Mitklatschen zu bringen, aber das scheint schon wie hypnotisiert.

Enthärtungsprogramm dauert nur 80 Minuten

Zu den Höhepunkten gehört es auch, wenn Katie Melua Erlebnisse aus ihrer Kindheit erzählt - und ein georgisches Lied dazu anstimmt. Der Rest ist Pop. Kaum Folk, kein Jazz, sondern Soft-Pop. Der erfordert keine Bluesröhre - und das ist das, was Melua auch am besten kann.

Zum Schluss wird es noch einmal - sanft. Auch weil sie jetzt alleine mit der Akustikgitarre auf der dunklen Bühne steht. Ihre wunderbare Stimme kommt noch einmal richtig zur Geltung. Katie Melua ist zart und zerbrechlich, aber eben auch unglamourös, unspektakulär - eine Art PJ Harvey für die Leserinnen und Leser von Fernsehzeitschriften. Das muss man nicht schlecht finden. Es könnte nur irgendwann langweilen.

Doch schon nach 80 Minuten ist das Enthärtungsprogram zu Ende. Dagegen hat die jüngst erschienene Katie-Melua-Best-Of-CD mehr Spielzeit - und bietet fast alle Cover-Versionen dieses Abends.

Beitrag von Martin Spiller

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7 Kommentare

  1. 6.

    Das Konzert war nicht langweilig. Das Publikum war eine gute Mischung aus jeder Altersklasse.
    Katie Melua hat uns an einen wunderbaren Abend geschenkt und hat gezeigt was sie kann. Nämlich singen und Gitarre spielen! Wer zu ihren Konzerten geht, weiß das und kann das auch genießen. Auch nach dem Konzert hat sich Katie viel Zeit für ihre Fans genommen.

  2. 4.

    "Langweilig ist, was weder Zweck noch Bedürfnis erfüllt. Wer sich langweilt meint oft, etwas Besonderes müsse passieren. Wer statt auf etwas Besonderes zu warten das Tatsächliche beachtet, wird sich nicht lange langweilen." - https://www.seele-und-gesundheit.de/exis/langeweile.html

  3. 2.

    Könnte es sein, dass der Artikel-Autor die feinsinnigen Spannungsbögen nicht wahrnahm?

  4. 1.

    Wer Spannungsmusik braucht geht ins Rockkonzert. Und, hats gelangweilt?

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