Kollage: Gebäude der TU, HU und der Charité Universitäten Berlin. (Quelle: dpa)
Video: Abendschau | 19.07.2019 | Sylvia Wassermann | Bild: dpa

Bis zu 28 Millionen Euro jährlich - Berliner Universitäten erhalten Exzellenz-Fördergelder

Millionenfördergelder fließen weiterhin in die Hauptstadt. Wie ein Gremium in Bonn am Freitag entschied, erhalten sie die Exzellenzförderung des Bundes. Somit sind bis zu 28 Millionen Euro pro Jahr möglich.

Im bundesweiten Wettbewerb um Fördergelder sind die drei großen Berliner Universitäten und die Charité unter den Siegern. Das teilten die Deutsche Forschungsgemeinschaft und der Wissenschaftsrat am Freitag in Bonn mit. Die Hauptstadt erhält demnach bis zu 28 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich für Spitzenforschung, in den nächsten sieben Jahren insgesamt 196 Millionen Euro. Die Förderung beginnt am 1. November diesen Jahres.

Insgesamt werden elf Universitäten in Deutschland mit rund 148 Millionen Euro jährlich gefördert. "Wir können in den kommenden Jahren herausragende Forschungsergebnisse erwarten", sagte Bundeswissenschaftsministerin Anja Karliczek (CDU). Die Entscheidung über die Sieger fiel den Angaben zufolge einstimmig.

Berlins Regierender Bürgermeister und Wissenschaftssenator Michael Müller (SPD) gratulierten den Berliner Universitäten zum Exzellenz-Status. "Das ist ein Erfolg auf ganzer Linie. Berlin rockt als Team", sagte Müller am Freitag zu der Entscheidung. Der Uni-Zusammenschluss - die Berlin University Alliance - sei ein Riesenschritt für den Wissenschaftsstandort. "Davon wird auch die Entwicklung unserer ganzen Stadt immens profitieren. Wir zünden jetzt gemeinsam die nächste Stufe auf unserem Weg zur internationalen Forschungsmetropole."

Wettbewerb zwischen 17 Unis und Verbänden

Bundesweit haben sich 17 Universitäten und zwei Hochschulverbünde um den Titel "Exzellenzuniversität" beworben. Neu ist, dass die Exzellenz-Unis jetzt dauerhaft gefördert werden, wenn sie bei den regelmäßigen Überprüfungen positiv abschneiden.

Drei Viertel der Fördergelder zahlt der Bund, ein Viertel das jeweilige Bundesland, in dem die Hochschule angesiedelt ist. Zusätzlich wurden den Unis vorher schon Extra-Gelder für einzelne Forschungsfelder zugesprochen, in denen sie international hervorstechen - diese Förderung war Voraussetzung dafür, dass die Hochschulen sich überhaupt für den Titel "Exzellenzuniversität" bewerben konnten.

Unter den Gewinnern sind, neben dem Berliner Verbund:

  • Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
  • Technische Universität Dresden
  • Universität Hamburg
  • Rheinische Friedrichs-Wilhelms-Universität Bonn
  • Ludwig-Maximilians-Universität München
  • Technische Universität München
  • Universität Heidelberg
  • Karlsruher Institut für Technik
  • Eberhard Karls Universität Tübingen
  • Universität Konstanz

Kritiker sehen Gefahr eines "Zwei-Klassen-Systems"

An der Exzellenzförderung gab es aber auch Kritik. Die Linken-Hochschulpolitikerin Nicole Gohlke kritisierte die Entscheidung vom Freitag als "weiteren Schritt zur Zweiteilung der deutschen Hochschullandschaft". Die Bundestagsabgeordnete bemängelte, dass weder die Beschäftigungsbedingungen der Lehrbeauftragten noch die Qualität der Betreuung der Studenten in die Strategie eingegangen seien.

Der FDP-Bildungssprecher Thomas Sattelberger kritisierte zudem "das Problem des abhängten Ostens", da die TU Dresden als einzige ostdeutsche Universität als Sieger aus dem Wettbewerb hervorging. "Wir müssen dringend in den Forschungs- und Innovationsaufbruch Ost investieren", mahnte der Bundestagsabgeordnete.

Studentenvertreter verschiedener Hochschulstädte, deren Universitäten mit im Rennen waren, hatten sich in einer gemeinsamen Erklärung gegen den Wettbewerb ausgesprochen. Sie sehen die Gefahr eines "Zwei-Klassen-Systems" und kritisieren, dass einige wenige Universitäten nun in den Genuss einer massiven finanziellen Unterstützung kämen, während der Rest mit enormen finanziellen Problemen kämpfen müsse.

Insgesamt 56 Personen entscheiden über die Millionen

Die Wahl trifft die sogenannte "Exzellenzkommission". In ihr sitzen insgesamt 39 internationale Vertreter aus der Wissenschaft, zudem die Bundesbildungsministerin und die Bildungs- und Forschungsminister der 16 Bundesländer - also insgesamt 56 Personen. Die Stimmenmehrheit hat innerhalb der Kommission also die Wissenschaft.

In die Entscheidung flossen verschiedene Faktoren ein: Bestimmte herausragende Forschungsprojekte zum Beispiel oder besondere Personalstrategien einer Hochschule zur Gewinnung herausragender Wissenschaftler. Die Hochschulen müssen in ihren Bewerbungen auch genau darlegen, wofür sie das zusätzliche Geld ausgeben wollen.

Sendung: Abendschau, 19.07.2019, 19:30 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

11 Kommentare

  1. 11.

    Habe in einem sog. Exzellenz-Cluster studiert und den Master gemacht. Ich kann bestätigen, dass "Exzellenz" nicht im herkömmlichen Sinne zu verstehen ist, sondern nur in der relativ beschränkten Sichtweise, die Politik, Wirtschaft und Wissenschaftsbetrieb vorgeben. Man bräuchte erstmal einen gesellschaftlichen Konsens, was "bessere" Forschung überhaupt ist, und wie diese einer breiten Bevölkerung helfen kann. Exzellenz allerorten entfremdet Elite-Akademiker und Restbevölkerung noch weiter voneinander und erzeugt auf Dauer eine gefährliche Spaltung der Gesellschaft, aber man kann sich mit solchen Initiativen ja schön selbstgefällig feiern lassen. Will man sich als progressiver Forscher wirklich von der konservativen Politik fördern lassen? Wem nützt es?

  2. 10.

    Um diesen vollkommen überdrehten Status einer Exzellenzuniversität zu erlangen, müssen sich Unis ohne Wenn und Aber an den Erfordernissen der Wirtschaft bzw. an den Anforderungen aktueller politischer Bedürfnisse orientieren, daran ausgerichtet werden dann förderungsfähige Projekte entwickelt. Das ist das Ende der freien Wissenschaften, insofern gefährden diese Spielchen um Millionenschwere Förderung und globale Anerkennung langfristig unser demokratisches System, weil dadurch die Spaltung der Gesellschaft in Gewinner und Verlierer vertieft und derlei SchwarzWeiß-Raster im Denken und Handeln wieder gesellschaftstauglich gemacht werden, die typisch sind für totalitäre Systeme. An diesem Punkt muss ich rbb24-Nutzer mal Recht geben: "die neoliberale Wende" schreitet voran. Von Uni-PräsidentInnen erwarte ich, dass sie sich der Konsequenzen bewusst sind und sich nicht allein am "Sweet Smell of Success" berauschen.

  3. 9.

    Wer ist das Land?
    Wir ! der Steuerzahler!
    Wichtig wäre das die Wirtschaft sich vom Anfang an daran beteiligt und nicht erst wenn es um die Nutzung der Forschungsergebnisse geht, diese dann aber im Ausland( also dort wo keine Steuergelder herkommen) umsetzen.

  4. 8.

    Wer ist das Land?
    Wir ! der Steuerzahler!
    Wichtig wäre das die Wirtschaft sich vom Anfang an daran beteiligt und nicht erst wenn es um die Nutzung der Forschungsergebnisse geht, diese dann aber im Ausland( also dort wo keine Steuergelder herkommen) umsetzen.

  5. 7.

    Es kann jede Uni Fördermittel erhalten. ABER BITTESCHÖN NICHT VOM BUND SPRICH Steuerzahler sondern vom jeweiligen Land.

  6. 6.

    Wäre es nicht sinnvoller, Unistandorte in strukturschwachen Regionen zu fördern und dort Anreize zu schaffen statt noch mehr in die volle Metropole zu pumpen???
    Wie verdreht ist die Förderlandschaft, wenn wir Millionen in Unis in der Hauptstadt pumpen und gleichzeitig Millionen im strukturschwachen Raum vergraben um dort Perspektiven zu schaffen? Wir bauen uns hier gegenseitig Konkurenzen. Verstehen kann ich das nicht.
    Holen wir noch mehr Studenten nach Berlin, denen der Wohnungamarkt kaum Platz bietet und reißen wir weiter Leerstand im Umland ab statt dort Kompetenzzentren zu schaffen.

  7. 5.

    Sie haben völlig Recht, auch in der Analyse der vergangenen Ereignisse. Die große neoliberale Wende, nicht nur Deutschlands, begann unter Schröder-Fischer. "Wertschöpfung durch Wertschätzung" hieß der Slogan. Das AGG wurde eingeführt, um Frauen und (ehem.) Migrant*innen ausbeutbarer zu machen. Das EU-Jahr der Vielfalt sowie die "Charta der Vielfalt" sind Thinktanks der Wirtschaft entsprungen.

    So sollen auch die Unis aufgebaut sein. Die unternehmerische Hochschule ist aber keine Hochschule mehr: keine humboldtinische Wissenschaftsfreiheit, keine o. weniger legitimierte Gremien, stattdessen Partikularinteressen und Hochschulräte. "Exzellenz" meint die Schwächung der Lehre und damit der öffentlichen Bildung zugunsten privater Unternehmen - den Abnehmern der "exzellent" Ausgebildeten.

    "Die Stimmenmehrheit hat innerhalb der Kommission also die Wissenschaft." Falsch, sondern die Wirtschaft. Das Fundament unabhängier, kritischer Forschung und Lehre wird so ausgehöhlt.

  8. 2.

    Schulen und Hochschulen, Universitäten ist Ländersache. Deshalb sollte auch Berlin nicht nach dem Bund = Steuerzahler rufen. Hier sollte Müller sein Hirn mal in die Hand nehmen und nicht immer nach dem Bund schreien. Eine Unverschämtheit was sich Berlin ständig leistet.

  9. 1.

    Das ist nur folgerichtig. Nachdem die "Schröderregierung" den Bau von Elitekindergärten und Eliteschulen angeregt hatte, wofür den allgemeinen Schulen die Gelder gekürzt wurden muss der Weg der Eliten doch weiter gesichert werden. Auf normalen Uni's können sie sich nicht genug abheben. Wahrscheinlich werden dann auch den normalen Uni's die Zuschüsse gekürzt, um das ganze zu finanzieren.
    Der Weg ist klar - eine kleine Elite von Politikern und Managern und eine grosse dumme Masse, die von der Elite regiert wird.

Das könnte Sie auch interessieren