Sebastian Krumbiegel beim Konzert "Zusammenstehen" im Beethovenpark, in Erfurt, 01.05.2019. (Quelle: dpa/Michael Kremer)
Audio: Inforadio | 09.07.2019 | David Krause | Bild: dpa/Michael Kremer

Konzertkritik | Die Prinzen in Berlin - Das ist alles nur von gestern

Sie gehören zur musikalischen DNA Deutschlands. Die Prinzen haben am Montagabend das Finale des Classic Open Air auf dem Berliner Gendarmenmarkt gespielt. Auch Fans von Verdi oder Puccini wurden dabei glücklich. David Krause dagegen eher nicht.

Ledrige Haut, große Sonnenbrille und Sakkos aus einer Zeit, in der Radio mal das Medium schlechthin war: Einige männliche Besucher haben sich chic gemacht, sie sehen wichtig aus, schütteln viele Hände. Das restliche Publikum: Deutschlands gebildete Mittelschicht mit Lust auf Klassik. "Aber die Prinzen finde ich trotzdem toll", sagt eine Besucherin in der Dixi-Kloschlange zu ihrer Begleitung.

"Was ganz Besonderes"

Vorbei an den gefühlt Tausenden Werbeschildern (ja, vom rbb hängen auch einige dabei) und Autos zum Anschauen und Probesitzen (nein, es muss nicht immer subtil geworben werden) sitzt die Crowd vor einem imposanten Bühnenbild. Im Hintergrund der bestrahlte Eingang des Konzerthauses Berlin, davor ein Sinfonieorchester mit dem Dirigenten und natürlich vier stehenden Herren.

Viele Stühle sind im Publikum frei geblieben. Es mag am Wetter liegen, ziemlich frisch weht der Wind über den Gendarmenmarkt. Besondere Orte sind die Prinzen gewohnt, spielen sie doch regelmäßig in Kirchen. "Aber das hier ist was ganz Besonderes", bemerken Sänger Sebastian Krumbiegel und Tobias Künzel, "von hinten auf Schiller zu schauen, das hatten wir noch nie." Damit meinen sie die große Schiller-Statue, die mitten vor der Bühne steht.

Beobachtet wird das Geschehen auch von Menschen, die aus den Fenstern der umliegenden Gebäude schauen, einige von ihnen sogar mit Ferngläsern. Die Prinzen spielen sich durch fast 30 Jahre Bandgeschichte, alle Songs umarrangiert auf Orchester.

Erster Song ein Hit

Die fünf  Prinzen haben früher selbst in Chören gesungen, ihre gemeinsame Geschichte, zunächst unter dem Namen Die Herzbuben, ist holprig gestartet. Zu DDR-Zeiten verließen einige Mitglieder Band und Land, andere stießen dazu. Mit der Wiedervereinigung kam auch der Erfolg der Prinzen. Direkt ihr erstes Album "Das Leben ist grausam" (1991) wurde mehr als eine Million mal verkauft. Mitverantwortlich dafür war die Ideal-Sängerin Annette Humpe, die die Platte produziert hatte. Der erste Song war direkt ein Hit, er trägt den Titel "Millionär".

Freunde auf der Bühne

Mittlerweile ist er so bekannt wie all ihre Lieder, die vermutlich ganz Deutschland zumindest mitsummen kann. Bei so langer Bandgeschichte ist etwas zusammengekommen, eben nicht nur Plattenverkäufe, sondern auch Freundschaften. Wie die zu Fools Garden, die in der ersten Hälfte des Konzerts auf die Bühne kommen und natürlich dieses eine Lied spielen, ihren Hit "Lemon Tree". Später kündigen die Prinzen noch eine aktuellere Künstlerin an: Die Popsängerin Christina Stürmer singt zusammen mit den fünf Leipzigern "Alles nur geklaut".

Das Besondere bei diesem Prinzen-Auftritt ist die musikalische Zusammensetzung: von Pop, Neuer Deutscher Welle über schlagerartige Einlagen bis hin natürlich zum Orchester mit seinen großartigen Musikern und Musikerinnen. Das ist abwechslungsreich, teilweise musikalisch dramatisch durch Streicher und Bläser.

Aber es ist auch angestaubte Nostalgie und nicht mehr zeitgemäß. Nicht nur, dass Frauen ständig als sexy vorgestellt werden, sondern auch die klischeehaften regionalen Witzeleien zwischendurch. Schwaben sind doof, im Osten wird gesagt, früher war alles besser. Lahm. Vielleicht sollten die Prinzen immer ein Orchester dabei haben, dann wäre wenigsten die musikalische Untermalung aushaltbar.

Sendung: Inforadio, 09.07.2019, 07:55 Uhr

Beitrag von David Krause

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5 Kommentare

  1. 5.

    Also wenn ich so die Prinzenkonzerte anschauen, finde ich nicht, das das zeitgemäß ist. Ich war schon oft auf den Konzerten und sehe sehr oft gemischtes Publikum von 4 bis 80Jahre. Und vor allem die Kinder, die auf den Schultern ihrer Eltern sitzen, singen die Texte mit, die 6mal so alt sind wie sie selber. Und das muss man erstmal schaffen.

    Und außerdem: Wer die Prinzen kennt, weiß, das die Jungs ironisch mit ihren Texten umgehen. Also "Vergammelte Speisen" oder "Es war nicht alles schlecht" davon fühlt man sich persönlich nicht angegriffen. Und wenn, naja, hat derjenige keine Selbstironie!!

  2. 4.

    Alles altbacken, aus der Zeit gefallen, angestaubte Nostalgie - da wird noch schnell die "Political Correctness"-Keule geschwungen. Jetzt ist alles wieder gut. Danke David Krause.

  3. 3.

    Solch einen Kommentar kann auch nur jemand schreiben,der die Prinzen nicht mag. Ich höre sie auf jeder Weise gern. Hoffe,dass ich mir mal wieder eine Karte für eins ihrer Konzerte leisten kann.

  4. 1.

    Am Montagabend war das Konzert.

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