Schloss Cecilienhof in Potsdam (Quelle: Christoph Soeder / dpa)
Video: Brandenburg aktuell | 17.07.2019 | Franziska Tenner | Bild: dpa

Hohenzollern-Streit um Entschädigung - "Das sprengt die vermögensrechtliche Frage"

Die Nachfahren von Kaiser Wilhelm II. fordern Kunstwerke von Land und Bund zurück - und wollen außerdem mitbestimmen, wie Museen über die Geschichte der Hohenzollern informieren. Das geht entschieden zu weit, sagt nun ein Historiker.

Seit rund einer Woche ist der jahrelange Streit zwischen den Hohenzollern und Land und Bund um Entschädigungen öffentlich - doch die Fronten sind weiter verhärtet. Am Mittwoch machte das Land Brandenburg bei einer Pressekonferenz im Schloss Cecilienhof noch einmal klar, dass ein Wohnrecht dort für die Hohenzollern nicht infrage kommt. "Nein, die Hohenzollern werden hier nicht wieder einziehen", sagte Wissenschafts-Staatssekretärin Ulrike Gutheil dem rbb.

Die Hohenzollern pochen hingegen auf einen Vertrag von 1925, der regelt, welche Güter in ihrem Besitz bleiben können - und welche an den Staat fallen. Inwieweit welche Ansprüche auch nach 1945 noch gerechtfertigt sind, ist derzeit die große Frage. Zahlreiche Leihverträge für Kunstwerke aus ihrem Besitz haben die Hohenzollern inzwischen gekündigt - und machen damit offenbar Druck auf die Verhandlungen.

Zwar hatte der Anwalt der Familie Hohenzollern, Markus Hennig, am Dienstag erklärt, es sei das "primäre Ziel, die Sammlungen in den bestehenden Museen zu erhalten und der Öffentlichkeit weiterhin zugänglich zu machen." Doch zur Kündigung der Leihverträge hatte er sich nicht geäußert.

Brandenburg fürchtet sich nicht vor juristischer Auseinandersetzung

"Die Hohenzollern-Familie ist unser größter Dauer-Leihgeber, und es gibt eine Liste von 100 Objekten, wo unbestritten ist, dass sie der Familie gehören", sagte Christopher Vogtherr von der Stiftung Preußische Schlösser & Gärten am Mittwoch dem rbb dazu. Trotz dieses Trumpfes der Hohenzollern ist das Land Brandenburg nur begrenzt gewillt, den Nachfahren des Kaisers entgegenzukommen. "Ich hoffe, es gibt eine gütliche Einigung", sagte Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke (SPD), fügte aber sogleich hinzu: "Sonst wird es eine juristische Auseinandersetzung geben, aber auch vor der fürchtet sich das Land Brandenburg nicht."

Eine öffentliche Stellungnahme von Friedrich Ferdinand Prinz von Preußen, Ururenkel von Kaiser Wilhelm II., gibt es weiterhin nicht. Sein Anwalt erklärt allgemein, die Forderungen seien ein Schritt, einen jahrzehntelang schwelenden Konflikt zu lösen. "Die Eigentums- und Besitzlage von betroffenen Gegenständen aus dem Privatbesitz der Königsfamilie in Museen und Depots sind seit Jahrzehnten ungeklärt", teilte Hennig mit.  

"Öffentliche Hand hat ein moralisches Recht, in der Vorderhand zu sein"

Ein Konflikt in diesem Ausmaß überrascht auch Historiker Martin Sabrow vom Potsdamer Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung. Er warnt vor zu großen Zugeständnissen an die Hohenzollern. "Die Hohenzollern-Nachfahren verbinden mit ihrem Vorstoß ja offenbar nicht nur eine Kapitalisierung von Eigentum, sondern auch eine geschichtspolitische Einmischung, in der Gründung eines Hohenzollern-Museums etwa, und in der Beteiligung an Ausstellungen, die mit ihren Stücken veranstaltet werden", kritisiert Sabrow.

Sabrow bezieht sich auf dabei auf Unterlagen aus den Vergleichsverhandlungen, aus denen der Tagesspiegel berichtet hatte. Demnach hätten die Hohenzollern inhaltlichen Einfluss auf die Darstellung der Hohenzollern in öffentlichen Museen gefordert. Sabrow meint: "Das, finde ich, sprengt in der Tat die vermögensrechtliche und privatrechtliche Frage. Hier geht es um öffentliches Gut und öffentliche Geschichtskultur, da hat die öffentliche Hand ein moralisches Recht, in der Vorderhand zu sein."

Gestritten und verhandelt wird nun unter öffentlichem Druck. Am Mittwoch kommender Woche gibt es dazu einen Gütetermin im Bundeskanzleramt.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

9 Kommentare

  1. 9.

    rein rechtlich irren Sie völlig. Das Land und alles gehörte entweder dem Adel oder der Kirche. Sie dürfen nicht heutige Maßstäbe anlegen. Der Adel war der Staat. Das nennt sich Monarchie. Absolutistische Herrscher.

  2. 8.

    Es hat eine Novemberrevolution 1918 gegeben, die Monarchie wurde abgesetzt. Es hat einen 1. und einen 2. Weltkrieg gegeben, deren Auswirkungen bis heute in den Familien der Opfer als auch ehemaliger Wehrmachtssoldaten zu spüren sind. Tausende hatten keinen Vater und keinen Grossvater. Was erdreistet sich ein Nachfahre des Hochadels gegenüber unserem Land. Man gewinnt den Eindruck, er geht auf Beutezug. Wie sehen andere Vertreter des deutschen Hochadels dieses Thema?

  3. 7.

    Da hätte doch unsere Bundeskanzlerin einen würdigen Nachfolger bei den Hohenzollern und könnte sich endlich eine Erholungskur gönnen. Ob das mit der AKK als Nachfolgerin klappt, steht ja auch noch in den Sternen geschrieben.

  4. 6.

    Ja, jenau!
    Dann braucht's an der Spitze des Staates nur noch eine/n, der/die sagt wo es lang zu gehen hat und wir rennen wieder alle schön jubelnd hinterher - damit ist Deutschland doch eigentlich immer gut gefahren.... ;-)

  5. 4.

    Europa sollte wieder in Grafschaften und Fürstentümer umgebaut werden - ob Macron, wie grad aktuell, nach einer demokratischen Europawahl, seine Kronprinzessin v.d.L. in Sonnenkönigmanier einsetzt und "wählen" lässt, oder die rechtspopulistischen "Staatslenker" der osteuropäischen Länder ihre eigenen Wege, besonders in Sachen Flüchtlinge, vor allem gegen Europa gehen - gebt den Lehnsherren, was ihnen "gehört" - was sie dem "niederen Volk" zu verdanken haben.
    Damit wären wieder die Kasten hergestellt - alle, bis auf das Volk, wären glücklich.

  6. 3.

    Wenn der Adel von "seinem" Eigentum spricht muss ich immer lachen..

    Die aus Jahrhunderten der Enteignung (Feudalismus, Leibeigenschaft usw.) der "kleinen" Leute entstandenen Werte gehören den wirklichen Eigentümern (heute wohl mithin dem Gemeinwohl) und nicht den Nachfahren dieser - gelinde formuliert - Nutznießer.

  7. 2.

    Bitte gebt denen die Kunstwerke/Leihgaben zurück, mögen sie doch bitte ein eigenes Hohenzollern Museum machen. Sich dafür erpressen lassen? Never. Da gehen doch nur Touris hin, nicht die Brandenburger oder Berliner...
    Und ansonsten: die werden ja immer dreister. Da merkt man, dass sie seit Jahrhunderten keinen Kontakt mehr zur Bevölkerung oder gar Bodenhaftung haben. Gut, geht mir jetzt mit den meisten Politikern auch so... Die könnte man aber wenigstens süß dem Amt jagen :-)

  8. 1.

    Wer startet ein Volksbegehren?
    - Entschädigungen für die Opfer des verbrecherischen Krieges
    - Ausschüttung der Gewinne aus der Aktion Gold gab ich für Eisen
    - als Kriegsgewinnler muss ein größerer Anteil an den Reparationen entrichtet werden.
    Was könnte man noch ins Feld führen?
    Altkommunisten meldet euch ihr hattet doch noch ein paar Ideen.
    Wer hatte übrigens den Vertrag 1925 ausgehandelt?
    die Sozen?

Das könnte Sie auch interessieren