Künstlerin Dorothea Nold vor einem ihrer Plakate am Moritzplatz in Berlin Kreuzberg. (Quelle: dpa/Doris Spiekermann-Klaas)
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Video: zibb | 09.07.2019 | Marie Kamprath | Bild: dpa/Doris Spiekermann-Klaas

Interview | Dorothea Nold - Künstlerin verschaukelt Investoren mit Fake-Bauprojekten

Eine Eigentumswohnung in Kreuzberg ohne Provision: Dieser Immobilien-Traum wird in Berlin auf Plakaten beworben. Doch die Plakate sind Fakes von der Künstlerin Dorothea Nold. Im Interview erzählt sie, wie Anrufer reagieren, wenn der Traum vom Eigenheim jäh platzt.

Bunt und verspielt sehen die Bau-Projekte aus, die auf großen Plakaten an umkämpften Adressen in Berlin beworben werden. Eine Mischung aus Hundertwasser-Häusern und Villa Kunterbunt. Ab 2021 seien die geplanten Eigentumswohnungen verfügbar – provisionsfrei, heißt es auf den Schildern. Doch die Plakate sind ein Fake. Die Bauvorhaben hat sich die Künstlerin Dorothea Nold einfach ausgedacht. Auf den Plakaten hat die 37-Jährige eine Berliner Telefonnummer angegeben, die direkt auf ihr Handy führt. Mehr als 200 Anrufe von Wohnungsinteressenten und Investoren hat sie mittlerweile schon bekommen.

rbb: Was sagen Sie den Leuten, die bei Ihnen anrufen?

Dorothea Nold: Das kommt auf den oder die Anruferin an und auf die Stimmung, die dann herrscht. In den ersten Wochen hatte ich sehr viele ernst gemeinte Anfragen. Da habe ich ganz seriös als gute Immobilienmaklerin die Wohnungen feilgeboten und über die Zukunftspläne der potenziellen Käufer gesprochen.

Klären Sie die Anrufer dann darüber auf, dass es sich um eine Kunstaktion handelt?

Die meisten nicht. Aber es gab einige, da hat es sich im Gespräch ergeben, weil ich mit der Zeit pieksiger wurde. Ich habe dann gesagt: Da ist ja jetzt gerade noch ein schöner Park. Wenn Sie dann dort wohnen, können die Leute ja überhaupt nicht mehr gärtnern. Da ist es dem einen oder anderen dann schon klar geworden. Aber den meisten Anrufern habe ich ein Exposé zugesichert, das jetzt gerade diese Woche per E-Mail rausgegangen ist. Jetzt schauen wir mal, ob es noch weitere Reaktionen geben wird.

Wie reagieren denn die Menschen, wenn sie merken, dass die Angebote nicht echt sind?

Das ist unterschiedlich. Einerseits sind natürlich diejenigen ein bisschen enttäuscht, die tatsächlich etwas kaufen wollen. Andererseits bekomme ich in letzter Zeit vermehrt auch Anrufe von Menschen, die sich bei mir bedanken, weil sie die Aktion gut und in irgendeiner Form unterstützenswert finden. Die Palette der Reaktionen ist ziemlich weit gefächert. Es gibt auch Anrufer, die gerne mit mir fiktiv diese Gespräche führen und das ist dann meistens ziemlich lustig für beide Seiten.  

Was wollen Sie mit der Aktion erreichen?

Primär habe ich nach einer künstlerischen Sprache gesucht, um der aktuellen Stadtentwicklung in Berlin entgegenzutreten. Um meine Position klarzumachen. Einerseits durch Irritation. Dass Menschen, die jetzt gerade in der Stadt unterwegs sind, erstmal glauben: Um Gottes Willen, an dieser Stelle wird jetzt auch noch etwas gebaut. Andererseits durch Humor. Wenn man sich vor die Plakate stellt, sieht man, dass sie nicht echt sind. Es tummeln sich Pferde um Frauen und man sieht, dass das Gebäude auch nicht unbedingt statisch komplett abgesichert ist.

Glauben Sie, dass Kunst im Gegensatz zu Politik und Wirtschaft besser dazu geeignet ist, unsere Gesellschaft zu verändern und ein Bewusstsein für gesellschaftliche Entwicklungen zu schärfen?

Ich denke, dass Kunst zumindest an dieser Diskussion teilhaben kann. Solange der politische Wille dahinter fehlt, kann ich mit diesen Baustellenschildern auch nicht viel ausrichten. Aber ich kann immerhin durch meine eigene künstlerische Sprache insofern eine Debatte mitgestalten, dass viele Betrachter hier schon anfangen, darüber zu sprechen und sich ihre eigenen Gedanken dazu machen.

Das Interview führte Peter Claus für rbbKultur. Der Text ist eine redigierte und gekürzte Fassung. Das ganze Interview können Sie hören, wenn Sie auf das Abspielsymbol im oberen Bild klicken.

Sendung: rbb Kultur, 09.07.2019, 17:00 Uhr

Kommentar

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14 Kommentare

  1. 13.

    Kunst?

    ...aber stimmt ja, alles ist Kunst.
    Auch die die Enteignung von Immobilienkonzernen?
    Liegt ja im Auge des Betrachters.
    Und das hier ist in meinen beiden nicht zu Ende gedacht und quatsch.
    Nur weil jemand behauptet es sei Kunst, ist es noch längst keine.
    Auch nicht, wenn man es unnötig oft betont.

  2. 12.

    Ihr Fachwissen ehrt Sie. Ist ehrlich gemeint von mir. Glauben Sie, auch mir ist beim Lesen des Artikels schon aufgefallen, dass uns die Künstlerin mit ihrem Kunstprojekt mehr mitteilen möchte, als nur plakativ etwas in den Raum zu stellen oder nur provozieren zu wollen. Doch werden vermutlich ( leider) die wenigsten den wahren Sinn dieser Aktion dahinter verstehen oder verstehen wollen. Wie gerne würde ich mir, gerade in Berlin Mitte z.B. ein ökologisches Hochhaus wünschen. Das gibt es schon und wäre sehr Inovativ für diese Stadt. Oder auch ökologische Wohnhäuser zu bauen, so wie hier schon in einem Artikel durch einen Architekten beschrieben. Anstelle von Stahl, Glas und oftmals schon Betonfertigteilen.

  3. 11.

    Wer nicht nur den gekürzten Beitrag gelesen, sondern den ganzen Beitrag sich angeschaut hat, der erfährt, dass dies ein komplexes Kunstprojekt ist, welches mehrere Ziele verfolgt: Erhalt von Freiflächen und wenn schon Bebauung, dann wenigstens ökologisch, kreativ und kommunikativ statt öde 08/15-Beton-Stahl-Glas.

    Insofern ist dies ein vielschictigiges Kunstprojekt.

    Bei den negativen Kommentaren habe ich den Eindruck, dass die Kommentatoren sich den Beitrag nicht angeschaut und sich nicht inhaltlich damit auseinandergesetzt haben.

    Kunst muss nicht jedem gefallen, sie sollte bzw. darf vielleicht auch nicht jedem gefallen, um Diskussionen auszulösen. Aber kreativ ist dieses Projekt allemal. Mir gefallen jedenfalls die Plakate und die Intention finde ich wichtig, denn Stadtflächen und deren Nutzung geht alle Berliner an.

  4. 10.

    Verlassen Sie die sprachliche Meta-Ebene gerne wieder und kommen bitte zurück zum Thema des Artikels - vielen Dank!

  5. 8.

    Lieber Sebastian,

    vielen Dank für diesen Kommentar.
    Man sieht an Deiner Reaktion, dass dieses Kunstpojekt funktioniert und genau das auslöst, was es sollte - Irritationen und daraus erfolgende Diskussionen.

    Ich finde es richtig gelungen!

  6. 6.

    Na gut, Kunst darf ja bekanntlich alles.... muss man nicht gut finden, aber egal. Die Plakate dagegen zeigen eindeutig Objekte, die es so nie geben wird. Allein deswegen könnte man schon skeptisch werden, was einem da verkauft werden soll. Zu einer Verarsche gehören bekanntlich immer zwei, einer der verarscht und einer, der sich verarschen lässt. Im Übrigen Sind Neubauangebote von Bauträgern immer provisionsfrei. Einmal den Neubaubaukompass aufrufen und Angebote anfordern. Lange Telefonate sind eig unüblich beim Erstkontakt.

  7. 5.

    Lieber Sprachberliner,

    vielen Dank für Ihren wichtigen Beitrag.

    Ich muss Ihnen recht geben, in Bezug darauf, dass die deutsche Sprache durchaus ihre Tücken aufweist,
    möchte aber, direkt im Anschluss fragen, ob man Kommentare wie Ihren ernstnehmen sollte, bzw. muss,
    da Sie anscheinend selbst der deutschen Sprache nicht vollends erhaben sind.

    Es grüßt Sie freundlichst

  8. 4.

    Ich find's lustig: das Projekt und auch sie.
    :-)
    Sieht ein wenig der Filmfigur Ruby Rhod aus "Das fünfte Element" ähnlich.
    Ist sie auch so "grün grün grün"? Und zischelt Sie auch so, wenn etwas in ihr keine Zustimmung hat?

  9. 3.

    Haben Sie etwa Zeit für ein Gespräch mit der Dame "vergeudet" und ist ihnen während dessen ein rentiteträchtiges Geschäft durch die Lappen gegangen?
    Dann hätte dieses Gespräch Gutes bewirkt.

  10. 2.

    Ich finde es ziemlich unverschämt, unter dem Deckmantel von „Kunst“ den Leuten die Zeit zu stehlen. Die Lage auf dem Immobilienmarkt in Berlin ist schon schwierig genug, da muss man sich nicht auch noch solche blöden Scherze erlauben. Wenn die Dame zu viel Zeit hat, kann sie ja ein echtes Immobilienprojekt planen und realisieren.

  11. 1.

    Deutsche Sprache schwierige Sprache.
    Das Wort "fake" und ähnlich geartete sollten verbannt werden.
    Ich nehme generell solche Artikel mit unnötigen und falschen Wörtern nicht ernst. Insbesondere dann, wenn Redaktionen und Journalisten das verwenden. Das ist einfach Dummheit oder Faulheit oder beides zusammen.
    Zum Inhalt von Frau Nold - Nach dem Motto "Kann das weg oder ist das Kunst" will sich jeder profilieren. Es ist keine Kunst sondern Selbstprofilierungssucht. Die nächste Ausgabe der Zeitschrift KUNSTFORUM beschäftigt sich mal wieder mit diesem Thema.

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