Mitarbeiter des Museums Barberini stellen am 04.07.2019 das Gemälde "Narziss" des italienischen Barockmeisters Caravaggio auf (Quelle: dpa/Bernd Settnik)
Video: Brandenburg Aktuell | 11.07.2019 | Birgit Raddatz | Bild: dpa/Bernd Settnik

Interview | "Wege des Barock" im Museum Barberini - "Es war ein langer Weg der Überzeugung"

Normalerweise hängt Caravaggios berühmtes Gemälde "Narziss" in Rom. Doch ab Samstag ist das Werk des Barock-Meisters im Museum Barberini zu bewundern. Wie es "Narziss" nach Potsdam geschafft hat, erzählt Museumsdirektorin Ortrud Westheider im Interview.

rbb: Frau Westheider, Caravaggios berühmter "Narziss" hängt sonst im Palazzo Barberini in Rom. Wie haben Sie das Gemälde nach Potsdam bekommen?

Ortrud Westheider: Gleich nach Gründung des Museums Barberini in Potsdam haben wir zu unserer Namensschwester Kontakt aufgenommen. Dieses Bild gehört zu den vielleicht bedeutendsten Werken dieser Sammlung und es war ein langer Weg der Überzeugung. Aber die Kollegen fanden es ganz wichtig, diese Ausstellung ihrer Meisterwerke hier mit diesem Werk anzuführen. Es ist eigentlich der Ausgangspunkt. Man kann die Wege des Barock von diesem Bild aus beschreiten.

Braucht es für ein Gemälde dieser Kategorie bestimmte Sicherheitsvorkehrungen - also für den Transport, die Lagerung, die Temperatur oder die Luftfeuchtigkeit?

Ja, unsere Räume geben das natürlich her. Wir haben diese Bedingungen, die das Gemälde braucht. Aber tatsächlich wurden dieses Werk und noch ein weiterer Transport mit zwei Werken von Bernini mit einem Begleitwagen nach Potsdam gebracht.

Was und wer wird in der Ausstellung noch zu sehen sein?

Wir erzählen die Geschichte der Barberini, die die Kunst gefördert haben und eigentlich den Barock in Rom so stark beeinflusst haben. Das sind die Künstler, wie zum Beispiel Gian Lorenzo Bernini, der auch im Petersdom an der Seite von Papst Urban gewirkt hat. Wir haben außerdem die Werke von Baglione, Saraceni oder Manfredi, die die großen Nachfolger von Caravaggio sind. Ganz zum Schluss zeigen wir auch zwei Werke von Artemisia Gentileschi, die ebenfalls zum Kreis von Caravaggio gehörte.

Worin besteht die Anziehungskraft der Barock-Malerei? Warum fasziniert uns das so?

Es ist eine Malerei der großen Gefühle und sie wird zum ersten Mal - mit echten Personen und mit richtigen Modellen - wie auf eine Bühne gestellt. Caravaggio hat ja begonnen, am Modell zu arbeiten. Manche Modelle hat er von der Straße geholt und dieser Realismus und die großen Gefühle faszinieren, dass man wirklich eintaucht. Man muss auch gar nicht so viel wissen, sondern man findet sich wieder - auch heute noch - in den Bildern. Das ist der große Reiz.

Carlo Saraceni (1579–1620), Madonna mit Kind und heilige Anna, um 1611, Öl auf Leinwand, 154 x 130 cm, Gallerie Nazionali di Arte Antica, Rom (Bild: Gallerie Nazionali di Arte Antica – Bibliotheca Hertziana, Instituto Max Planck per la storia dell’arte/Enrico Fontolan)Das Werk "Madonna mit dem Kind und der heiligen Anna" von Carlo Saraceni

Welche Rolle spielt der Ort für die Ausstellung? Könnte man sagen, diese Auswahl passt ins Potsdamer Barberini besonders gut?

Unsere klassischen Räume erinnern sehr stark auch an die Räume im Palazzo Barberini in Rom. Wir haben sogar das Deckengemälde, was wir natürlich nicht ausleihen konnten, aber wir projizieren es an unsere Decke, weil eben die Proportionen so ähnlich sind und weil wir auch so ein Gewölbe haben.

Über Caravaggios "Narziss" haben wir eben schon gesprochen. Haben Sie ein persönliches Favoritenbild in dieser Ausstellung?

Ich finde ein Werk von Carlo Saraceni ganz wunderbar. Der Künstler zeigt eine heilige Familie, wo aber dem Jesuskind die Taube weggenommen wird. Er wird ermahnt und es wird quasi gesagt: Du darfst nicht mit der Taube spielen, denn das ist der Heilige Geist. Also auch so ein Beispiel dafür, wie die heilige Geschichte völlig kühn, nah und lebendig gezeigt wird.

Vielen Dank für das Gespräch!

Palazzo Barberini zu Besuch im Museum Barberini

Das Interview mit Ortrud Westheider führte Sophia Wetzke für Radioeins.

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1 Kommentar

  1. 1.

    Ich freue mich auf die Ausstellung. Es gibt Netzwerke der Begünstigung und der Macht. Und es gibt "Netzwerke" der Kreativität.

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