12.07.2019, Berlin: Michael Eissenhauer (l-r), Generaldirektor Staatliche Museen zu Berlin, David Chipperfield, Architekt, Michael Müller (SPD), Berlins Regierender Bürgermeister, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Monika Grütters (CDU), Kulturstaatsministerin, Ann Simon, Timothy M. Simon, Nachfahre von James Simon und Alexander Schwarz, Architekt kommen zur Eröffnung James-Simon-Galerie auf der Museumsinsel. (Bild: Britta Pedersen/dpa)
Video: Abendschau | 12.07.2019 | Petra Gute | Bild: dpa/Britta Pedersen

Museumsinsel - James-Simon-Galerie mit Festakt eröffnet

Dem Mäzen James Simon verdankt Berlin 10.000 Kunstwerke - unter anderem die Nofretete. Der erste Neubau auf der Museumsinsel nach rund 90 Jahren ist ihm gewidmet. Mit einem Festakt ist die James-Simon-Galerie am Freitag eröffnet worden. Von Maria Ossowski

300 Gäste haben haben im Auditorium auf Bänken aus gerauchter Eiche Platz genommen, um mit zwölf Nachfahren des Mäzens James Simon und vielen Prominenten die Eröffnung des ersten kompletten Neubaus nach fast 90 Jahren auf der Museumsinsel zu feiern.

Die James-Simon-Galerie ist das Entree zur Museumsinsel und viel mehr: Café und Restaurant, Museumsshop, zwei Säle für Wechselausstellungen erwarten die Besucher hinter den charakteristischen weißen Säulen und der riesigen Freitreppe.

David Chipperfield blickt zurück

Der Architekt David Chipperfield erinnert sich, wie das war, als er mit seinem Team vor 20 Jahren vor der Museumsinsel stand und wusste, dass er sie gleichzeitig bewahren und architektonisch behutsam ins 21. Jahrhundert führen sollte.

"Wir kamen hier an, aufgeregt, unerfahren und ziemlich unschuldig gegenüber der echten Aufgabe vor uns", erzählt Chipperfield. "Niemand von uns konnte sich vorstellen, dass wir hier heute stehen würden unter völlig neuen Gegebenheiten in einer vollkommen veränderten Stadt. Die Renovierung des Neuen Museums, die Entwicklung des Masterplans und die Planung der James-Simon-Galerie wurden über all die Jahre zum Zentrum unsres Lebens."

Tim Simon sieht die Galerie als Inspiration

James Simon hat Berlin 10.000 Objekte geschenkt, darunter die Nofretete und das Ishtartor. Mit internationalem Baumwollhandel hatte er ein Vermögen gemacht, das ihm nach dem Ersten Weltkrieg verloren ging. Dennoch schenkte er gestern vor 99 Jahren den Museen die Nofretete. James Simon starb 1932.

Sein Neffe Tim, in den USA geboren, ist vor einem Jahr nach Berlin zurückgekehrt. Die James-Simon-Galerie, so wünscht er es sich, soll Menschen inspirieren, großzügig zu geben und zu schenken wie sein Onkel. "Ich hoffe, dass dies eine Anregung für viele Menschen ist, wenn sie diese Galerie sehen", sagt der Neffe in seiner Ansprache. "Sie sollen sich erinnern an die Geschenke, die James vermacht hat und was sie selbst tun können, entweder indem sie anderen Menschen Zeit schenken oder indem sie vorangehen und Menschen helfen, die weniger Glück haben als sie selbst."

Merkel wirbt für ein offenes Land

Mit viel Applaus bedacht, betritt schließlich die Kanzlerin das Podium. Für sie sind Museen nicht allein Orte der Kultur oder Wissensvermittlung. Die James-Simon-Galerie bildet dereinst den Eingang zu fünf Solitären, zu fünf Museen, die, so Angela Merkel, neue Einsichten schaffen sollten. "Wie verführerisch und zugleich fatal ist es doch, die Augen vor der Komplexität globaler Wechselwirkung zu verschließen und sich lieber ein eigenes, überschaubares Weltbild zu schaffen", sagte die CDU-Politikerin.

Merkel ehrt ebenfalls den bescheidenen Namensgeber der Galerie, der nie genannt werden wollte. Dankbarkeit sei eine Last, die man niemandem aufbürden dürfe, so das Credo von James Simon. Die Bundeskanzlerin nimmt die Überzeugungen dieses jüdischen Weltbürgers zum Anlass, um für ein offenes Land und ein Miteinander der Kulturen zu werben.

Am Wochenende haben die Berliner und ihre Gäste Gelegenheit, die James-Simon-Galerie bei einer großen Party zu besuchen.

Ein neues Highlight auf der Berliner Museumsinsel

Sendung: Inforadio, 12.07.2019, 13.30 Uhr

Beitrag von Maria Ossowski

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