Der Weiße Salon im Schloss Cecilienhof (Quelle: dpa/Christoph Soeder).
Video: Brandenburg aktuell | 15.07.2019 | Tim Jaeger | Bild: dpa/Christoph Soeder

Kommentar | Hohenzollernwahnsinn - Adel ist von Übel

Vor über 100 Jahren dankt Kaiser Wilhelm II. von Preußen ab. Kunstschätze und Schlösser gelangen in öffentliche Hand. Nun fordern seine Nachfahren eine hohe Entschädigung. Ein Unding, kommentiert Tomas Fitzel.

Adel ist nicht edel, sondern von Übel. Einen anderen Schluss lässt diese maßlose, geradezu impertinente Forderung nach Entschädigung oder Rückgabe von Schlössern, Burgen und Kunstschätzen des ehemaligen Kaiserhauses gar nicht zu. Mit welchem Recht? Der europäische Adel ging mit dem großen Kladderadatsch von 1918 schmählich unter. Er hatte Europa in den Abgrund gestürzt und komplett Pleite erlitten. 

Anders als Russland oder sogar Österreich, das immerhin die Adelstitel komplett untersagte, ging die Weimarer Republik viel zu schonend mit den adligen Bankrotteuren um, aus berechtigter Furcht, sie würden die junge Demokratie mit ihrer reaktionären Raffgier unterhöhlen. Was sich dann auch bewahrheitete. Der preußische Kronprinz und besonders in großer Mehrheit Angehörige des Ostelbischen Adels unterstützten die Nazis und erlitten somit ein zweites Mal moralischen Schiffbruch. Daran ändert auch die Handvoll Adliger vom 20. Juli nichts. 

Prinz Georg Friedrich Prinz von Preußen und seine Frau Sophie im Juni bei einer Hochzeit auf Mallorca(Quelle: imago/PPE).
Georg Friedrich von Preußen ist das amtierende Oberhaupt der Hohenzollern-Familie. Hier ist der Prinz mit seiner Frau Sophie bei einer Hochzeit im Juni auf Mallorca zu sehen. | Bild: imago/PPE

Herr und Frau PrinzvonPreußen

Mit dem Mauerfall witterten die Nachfahren des einstigen Adels Morgenluft. Es genügte ihnen nicht, dass sie unbeschadet zweier verlorener Kriege in Westdeutschland beispielsweise immer noch die größten Grundbesitzer waren. Sie wollten zurück in den Osten. Leider wurden sie allzu bereitwillig dabei von den Medien hofiert. Prinz und Prinzessin, Graf und Gräfin, das verspricht eben Glamour. Auch wenn es nur billiger Glimmer ist.

Denn vor fast exakt 100 Jahren wurde mit der Weimarer Verfassung eindeutig beschlossen: Adelsbezeichnungen gelten nur als Teil des Namens. Dieser Paragraph wurde auch Bundesrecht. Das bedeutet, die Gattin oder die Tochter von Herrn PrinzvonPreußen, heißt damit ebenso Frau PrinzvonPreußen. Alles andere ist lediglich Fasching. Und somit gibt es auch kein Haus Hohenzollern, sondern lediglich eine Erbengemeinschaft von Privatiers, denen heute zu Gute kommt, dass die entschädigungslose Fürstenenteignung 1926 leider scheiterte. 

Warum nicht wie die Simons?

Herr PrinzvonPreußen lässt nicht nach und beschäftigt seit vielen Jahren Politik und Justiz ganz ohne Scham. Noblesse oblige? Nö, Geld stinkt nicht. Das zählt. Leider lassen sich diese vermeintlichen Rechtsansprüche nicht mehr so ohne weiteres rückwirkend gesetzlich beseitigen. So müssen wir das aushalten.

Dass auch eine ganz andere Haltung möglich ist, zeigen die Nachfahren von James und Agnes Simon. Sie hätten alles Recht der Welt - moralisch und vielleicht sogar auch juristisch - die Rückgabe der so übergroßen Schenkungen an die Berliner Museen zu fordern. Stattdessen erleben wir eine beispielslose Großherzigkeit. Sie sind glücklich darüber, dass wir uns daran erfreuen können. Das ist ein Erbe, das bleibt. Aber was hinterlässt Herr Georg Friedrich Ferdinand PrinzvonPreußen? Wir sollten vielleicht besser anfangen alle Prinzen und Prinzessinnen aus den Berliner Straßennamen zu streichen.

Sendung: rbbKultur, 15.07.2019, 7 Uhr

Beitrag von Tomas Fitzel

Kommentar

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48 Kommentare

  1. 48.

    Perfekter Kommentar.

    Besser hätte ich es nicht formulieren können. Wenn der Herr von Preußen den von seiner Familie direkt verursachten Schaden am deutschen Volk zu begleichen bereit ist, können wir über Rückgabe reden.

    Allerdings dürfte die Nettobilanz für ihn stark negativ ausfallen.

  2. 47.

    "Familien mit forst- und landwirtschaftlichem Besitz haben auch einen ganz anderen Bezug zur Natur" Genau. Gut zu sehen bei Thurn und Taxis, die riesige Waldflächen in Ostdeutschland gekauft haben und anschließend so viel abgeholzt haben, dass der Erlös in etwa den Kaufpreis gedeckt hat. Ganz anders? Offensichtlich. Nachhaltig? Das geht anders.

  3. 46.

    Lesen Sie mal bitte Christopher Clark, dann Sie ein völlig andere Wahrheit.
    Die Hohenzollern bewohnten bis zu ihrer Vertreibung 1945 das Schoss Cäcilienhof, es war ihr Eigentum!
    Niemand hat das Recht, diese Eigentum streitig zu machen. Hier spielt wieder der Neid ein große Rolle.

  4. 45.

    Per bürgerlichem Gesetzbuch kann man an Diebesgut kein Eigentum erwerben.
    Bei den der Familie von Preußen gestohlenen Eigentümern, gilt dies offensichtlich nicht.
    Das widerspricht ganz offensichtlich dem Rechtsempfinden, so sie denn überhaupt eines besitzen, linker Ideologen, die heute dieses Land regieren.
    Bekanntlich versteht diese Spezie von Geld und anderen Werten nur so viel, daß sie wissen, das man es anderen wegnehmen kann.

    Lutz Huth

  5. 44.

    Diese Debatte übersieht, dass viele andere früher regierende Häuser (Wittelsbach, Württemberg, Welfen, ...) in Westdeutschland mitnichten so behandelt wurden, wie Herr Fitzel oben suggeriert. Bei den Hohenzollern ist es eben ein Sonderfall, da sie vor allem auf dem Gebiet der früheren DDR betroffen waren.
    Selbst Wohnrechte auf Schlössern sind im Westen gar nicht unüblich (Hauschef Wittelsbach/Bayern > Schloss Nymphenburg). Die Ost-Enteignungen ab 1945 einfach als vollkommen legitim zu betrachten, ist mir zu einfach.
    Auch bei den Enteignungen gab es schließlich Unrecht und nicht in allen Fällen hat das nur Kollaborateure etc. getroffen. Ich finde es gut, wenn das Gerichte jetzt im Einzelfall entscheiden.

    Insgesamt gibt es einfach nur einen Aufschrei, ohne die historische Sachlage mal differenzierter zu betrachten. Dabei wird teilweise mit Unterstellungen gearbeitet (Hohenzollern = Nazis) die Historiker gar nicht so eindeutig beantworten.

  6. 43.

    Die Hohenzollern haben Brandenburg groß gemacht. Vor ihnen war es eines der ärmsten deutschen Länder und nach ihnen bis heute auch wieder. Ein Wohnrecht in Cecilienhof und eine öffentliche Rolle für diese Familie, die unverbrüchlich zur brandenburgischen Geschichte gehört, wären gut für das Land und für die brandenburgische Identität.
    Ja, den Ostdeutschen ist vieles genommen worden. Aber nicht durch den Adel. Dieser hat einen jahrhundertealten Bezug zur Region und hätte nach 1990 Arbeitsplätze geschaffen, wenn man ihn gelassen hätte. Stattdessen kamen über die Treuhand ganz Bürgerliche Leute und übernahmen das Volksvermögen. Vielleicht sollte man lieber darüber sprechen.

  7. 42.

    Impertinent ist diese Forderung nicht, sondern das Impertinente daran ist, dass der der sich in aller Öffentlichkeit als jemand ausgibt, dies nicht zu sein scheint und bei ehrlicher Betrachtung garnicht sein kann. Denn die rechtmässigen Nachkommen haben durchaus einen Anspruch auf Herausgabe, was im übrigen ok ist. Nur müßten Sie alle dafür Wahrheit gelten lassen, kämen dann bei jemand völlig anderem raus und Rechtsstaat herstellen, was offentsichtlich auch nicht das Gefallen dieses Journalisten findet. Warum sind Sie dann gegen den Hochstapler ?

  8. 41.

    Ein sehr guter Kommentar und ein noch besserer Vorschlag!

  9. 40.

    "Dann hat er sich einfach dünne gemacht..." Tatsächlich hat er Fahnenflucht begangen - als oberster Feldherr. Was für eine Schande. Und das, obwohl er bei seiner Leibgarde sicher war. Läßt Millionen für sich über die Klinge springen und selber desertiert er. Dieses wenig ehrenvolle Verhalten war übrigens maßgeblich mit entscheidend für den Niedergang des Adels 1918.

  10. 39.

    Offensichtlich wissen Sie nicht, daß die gesamte Regierung aus dem Adel kam und jeder Einzelne, der den Krieg losgetreten hat: VON Moltke, VON Bethmann Hollweg, VON Heeringen, VON Tirpitz, VON Müller, VON Falkenhayn, VON Lyncker, VON Jagow, VON Waldersee und wie sie alle hießen. Zudem war das gesamte Offizierskorps fast ausschließlich adelig - vom General bis zum Leutnant. Bürgerliche hat man damals nämlich kaum zu Offizieren gemacht - erst recht nicht zu höheren. Das sind die historischen Fakten. Was glauben Sie wohl, warum man 1918 so sauer auf den Adel war? Aus Langeweile?

    Es geht hier übrigens nicht um Sippenhaft sondern um Erbe. Und wenn jemand seinen Anspruch auf Güter verwirkt hat, gilt das natürlich auch für dessen Erben. Wem das nicht paßt, der braucht ja kein Erbe antreten

  11. 38.

    Guter Kommentar zum Adel. Und jetzt noch einer zu den Konkordaten. Danach Beides abschaffen.

  12. 37.

    Schon nach dem ersten Satz kann man nicht mehr weiterlesen. Ist das etwa unabhängiger Journalismus? Sämtliche Schuld von vor über 100 Jahren einfach GANZ dem Adel zuzuschieben? Und deren Anhänger einfach in Sippenhaft nehmen? Wenn man das mit anderen Volksgruppen machen würde, würde man sofort wieder öffentlich an den Pranger gestellt und fertig gemacht werden. Aber beim Adel ist es ja egal, die sind ja - trotz "alle Menschen sind gleich" - einfach doch nicht gleich.

  13. 36.

    Rechtsstaat? So, so. Dann beanspruche ich von den Hohenzollern 3 Mio. € Schadenersatz für den Heldentod meines Urgroßvaters, den der Kaiser zu verantworten hat. Für ein Menschenleben ist das sicher nicht zu viel. Das ist eigentlich unbezahlbar. Hinzu kommt die Traumatisierung meines Großvaters, den man mit 18 für den Kaiser an die Westfront geschickt hat. Da nehmen wir dann mal 2 Mio. Schmerzensgeld. Für die Gesundheit eines Menschen ist das sicher nicht zu viel. Die ist eigentlich unbezahlbar. Hochgerechnet auf Millionen Gefallene und Abermillionen Traumatisierte und Verletzte ergibt das schon ein hübsches Sümmchen.

    Und was ist eigentlich mit den Reparationen, an den Deutschland bis vor kurzem zu knabbern hatte? Wer hat die bezahlt? Der deutsche Steuerzahler und nicht die Hohenzollern.

    Als Hohenzoller würde ich vor Scham im Erdboden versinken, anstatt derart auf den Putz zu hauen. Dieses Benehmen sagt mehr über deren Erziehung aus als ihnen lieb sein dürfte.

  14. 35.

    Diese sogenannten Adligen haben auch keinerlei Schamgefühl im Leibe. Kein deutscher Herrscher, außer Hitler, hat je mehr Leid und Schaden am deutschen Volk angerichtet wie dieser Kaiser von Gottes Gnaden. Schon verbal vor Kriegsausbruch hat er Deutschland mit seinen blöden und furchtbaren Sprüchen geschadet und in den Kolonien sagenhaft viel Leid, Tote und Unrecht geschaffen.. Mit dem Krieg, den er maßgeblich mitzuverantworten hat, hat er unsagbar viel Leid über Deutschland und andere Länder gebracht. Man bedenke die Millionen Toten, die Gebietsabtretungen deutscher Gebiete mit den damit verbundenen Vertreibungen und Enteignungen vieler Deutscher, Reparationszahlungen und, und, und ... Dann hat er sich einfach dünne gemacht und sich der rechtlichen Verantwortung entzogen, aber hat den Adolf noch zum Sieg über Frankreich gratuliert. Wer erbt muss auch die Schulden mit übernehmen. Wie wäre es denn, wenn diese Familie erst einmal für die angerichteten materiellen Schäden aufkommen würde.

  15. 34.

    Deutschland ist immer noch ein Rechtsstaat, und nach dessen Gesetzen ist ein Großteil der aktuellen Forderungen der Hohenzollern, was die Kunstwerke anbelangt (nicht die Immobilien) berechtigt.
    Wenn ich den Kommentar lese, habe ich vielmehr den Eindruck, dass die alten Kommunisten wieder Morgenluft wittern.

  16. 33.

    Danke für den amüsantesten Kommentar des Tages, lieber "tetzlaff"! (Übrigens ein Pseudonym, das Bände spricht.)

    Verfassungswidrig ist höchstens, immer noch einen Stand anzubeten, der vor genau hundert Jahren durch die Verfassung aufgehoben wurde. Leider blieb die Novemberrevolution – die sich ja auch gegen die Adelsherrschaft richtete – unvollendet. Das hat uns nicht nur das "Dritte Reich" mit seinen höllischen Folgen beschert, sondern auch bewirkt, dass sich eine gewisse Knechtseligkeit bis ins 21. Jahrhundert herüberretten konnte.

  17. 32.

    "Das Privatvermögen wurde in der SBZ/DDR jedoch vom Staat rechtswidrig eingezogen - weil die Familie die falschen Vorfahren hatte und den falschen Familiennamen trug."

    Ach, deswegen? :-D
    Na ja, was will man schon von jemandem erwarten, der ernsthaft behauptet, es gebe eine "französische Herrscherfamilie" …

    Die Zeit der Erbmonarchie ist unwiderruflich vorbei, mögen ein paar Stiefellecker sich auch nach einem gnädigen Herrn sehnen.

  18. 31.

    "Oder werden Unterschiede zu, zum Beispiel, jüdischen Besitzansprüchen gemacht?"

    Ja, und das geht auch vollkommen in Ordnung. Oder wollen Sie ernsthaft die Aufhebung des Adelsstandes mit dem Ausrottungsfeldzug gegen die Juden vergleichen? Es geht nicht um zweierlei Recht, sondern um verschiedene Rechtsgrundlagen.

  19. 30.

    Ein lautes Bravo für diese klaren Worte! Leider steht der Kommentar ziemlich einsam inmitten der sonstigen Adelsseligkeit beim RBB.

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Steckbrief - Wer war James Simon?

Die James-Simon-Galerie auf der Museuminsel ist nach dem berühmten Kunstmäzen James Simon benannt. 1851 wurde der Unternehmer in Berlin geboren und hatte eine große Leidenschaft für antike Kunst - ihm verdankt Berlin eines seiner bekanntesten Kunstwerke.