Anglélique Kidjo am 16. Juni 2019 in Toulouse. (Quelle: dpa/Patrick Batard)
Audio: Inforadio | 22.07.2019 | Hans Ackermann | Bild: dpa/Patrick Batard

Konzertkritik | Angélique Kidjo in Berlin - Diva ohne Berührungsängste

Geboren und aufgewachsen im westafrikanischen Benin, lebt die Sängerin Angélique Kidjo  seit Mitte der 90er Jahre in New York. Auf der Dachterrasse im Berliner Haus der Kulturen der Welt waren Klänge ihrer alten und neuen Heimat zu hören. Von Hans Ackermann  

Genau einen Song lang dauert es, bis Angélique Kidjo ihr kunstvoll gebundenes afrikanisches Kopftuch abnimmt und salopp hinter sich auf die Bühne wirft. Das Tuch landet zwischen dem jungen Perkussionisten aus dem Senegal und dem Schlagzeuger aus Chile. Die beiden sind für den treibenden Rhythmus verantwortlich und haben an diesem Abend im Haus der Kulturen der Welt viel zu tun. So wie auch die übrigen sechs Weltmusiker - drei Bläser, Gitarre, Bass und Klavier -  die für die temperamentvolle Sängerin nicht nur die enorme Bühnenhitze erzeugen, sondern auch als Backgroundsänger agieren.

Hommage an die "Queen of Salsa"

Zum Beispiel bei "Cucala": Wer beim sanften Groove dieses Titels an die Karibik denkt, liegt genau richtig. Denn das Programm des Abends ist mit "Celia" überschrieben - Celia Cruz, die kubanische "Queen of Salsa". Angélique Kidjo hat ihr gerade ein ganzes Album gewidmet. Fasziniert von der Ausstrahlung dieser 1925 in Havanna geborenen Sängerin, die mit ihrer afro-kubanischen Mixtur in den 1960er Jahren Riesenhits landen konnte. "Toro Mata" etwa, ein Tanzflächen-Kracher, dessen westafrikanischer Grundrhythmus das Festival-Publikum heftig in Bewegung bringt.

Die Songs gehen an diesem Abend des "Wassermusik"-Festivals aber nicht nur in die Beine. Balladen wie "Sahara", vorgetragen nur mit Gesang und schlichter Gitarrenbegleitung, sind zum Zuhören gedacht. So wie auch der zwischendurch formulierte Appell der UNESCO-Botschafterin Kidjo, "einander zu achten, statt zu hassen" - eine Botschaft, die von den rund 2.000 Besuchern auf der gut gefüllten Dachterrasse mit Extra-Beifall bedacht wird.

Talking Heads mit westafrikanischen Einflüssen

Das "Celia"-Programm mit seinen zehn Liedern dauert auf dem Album nur knappe 40 Minuten - was für ein Konzert zu kurz wäre. Deshalb gibt es an diesem Abend auch  Ausschnitte aus einem anderen großen Projekt zu hören: Songs der amerikanischen Band "Talking Heads", denen die Sängerin ebenfalls ein komplettes Album "Remain in Light" gewidmet hat. Angélique Kidjo lässt auch hier den westafrikanischen Hintergrund der Musik aufleuchten, etwa wenn sie mit Perkussionsbegleitung "Once in a lifetime" singt. 

Mindestens einmal im Leben sollte man auch Angélique Kidjo erlebt haben - was zum Ende des Konzert auf der Dachterrasse sogar ganz hautnah möglich wird. Denn plötzlich hat die Sängerin die Bühne verlassen, dabei ihre Hymne des neuen Afrikas angestimmt, um dieses "Chez Mama Africa" nun direkt im und mit dem Publikum zu singen. Eine Diva ohne Berührungsängste, die mit dem Refrain auf den Lippen dann wieder durch die Menge zurück auf die Bühne tanzt - wo ein perfektes Konzert unter freiem Himmel an diesem Abend in einem besonders schönen Sonnenuntergang endet.

Sendung: Inforadio, 22.07.2019, 7:55 Uhr

Beitrag von Hans Ackermann

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