George Benson live (Quelle: imago/Deka)
Audio: inforadio | 23.07.2019 | Theodora Mavropoulos | Bild: imago/Deka

Konzertkritik | George Benson in Berlin - Erwartbar gut

Der Jazz-Musiker George Benson steht für einen breiten Stil-Mix: Funk und Soul hat er ebenso im Repertoire wie Schmuse-Kitsch. Auf seinem Berliner Konzert hat Benson am Montag die Fans glücklich gemacht - ganz ohne Überraschungen. Von Theodora Mavropoulos

Die Gelassenheit, mit der George Benson in weißer Hose und schwarzem Sakko, mit dicker Goldkette und leisem Lächeln auf die Bühne tänzelt, zeugt von seiner jahrzehntelangen Bühnenerfahrung. In liebevoller Gewohnheit hängt sich der 76-Jährige seine Gitarre um und fängt an zu zupfen. Der typische Benson-Sound erfüllt den Saal des Theaters am Potsdamer Platz und lässt das Publikum über eineinhalb Stunden nicht aus seinem Bann.

Auf seiner Europatour wird Benson von einer sechsköpfigen Band begleitet. Während des Konzerts überlässt er den einzelnen Musikern für Solos immer wieder die Bühne. Die Stimmung ist vertraut. Man merkt, dass Benson mit einigen von ihnen schon mehr als 20 Jahre zusammenarbeitet.

Das musikalische Talent des Musikers aus Pittsburgh machte sich früh bemerkbar. Mit acht Jahren griff er das erste Mal zur Gitarre. Mit kaum zehn Jahren trat er schon in illegalen Nachtclubs auf. Kurze Zeit später nahm er unter dem Namen Little Georgie seine erste Single  auf. Der Anfang seiner Karriere war gelegt. Mit 21 spielte er sein erstes Album ein, Mitte der 1960er Jahre wurde er von Jazzlegende Miles Davis engagiert. im Jahr 2009 erhielt er von der Nationalen Stiftung der Künste die höchste Auszeichnung in der amerikanischen Jazzmusik - er wurde als Jazz Master geehrt. Heute steht Benson seit mehr als 40 Jahren auf der Bühne.

Etwas für jeden

Fans unterschiedlicher Stilrichtungen recken ihre Hände zum Gitarrensolo des Meisters in die Höhe. Ob Jazz-, Pop-, Funk-, RnB- oder Soul-Fan - der zehnfache Grammy-Gewinner bringt sie alle vor eine Bühne.

George Benson war nie ein reiner Jazzer. Es zog ihn Richtung Funk und Disco. In den 1970er Jahren landete er mit seinem Musikmix große kommerzielle Erfolge, etwa mit dem Hit-Song "The Masquerade" aus dem Jahr 1976.

Nach vier Songs ist es dann soweit: Zum Schmusesong "Nothing's Gonna Change My Love for You" lassen rote Scheinwerfer und weiße tanzende Lichter die Bühne zum valentinstagsreifen Traum werden. Der Kitsch, für den Benson von so manchem Jazz-Fan kritisiert wird, gehört zu fest zum Repertoire des vielseitigen Musikers.

Einige Gäste scheinen bei dem Kitsch-Alarm kurz in ihren Sesseln versunken zu sein, tauchen dann aber mit einem verzückten Lächeln doch wieder auf. Benson kriegt sie alle. Manche wischen sich gegen Ende der Ballade dann fast plakativ einige Tränchen aus den Augen. Hier darf dahingeschmolzen werden. Dass es nicht peinlich wird, ist große Kunst. Benson schafft das mit der Glaubwürdigkeit, mit welcher er die Songs präsentiert.

Neben seinen Instrumentalen Klassikern und den Schmusesongs hat Benson auch bluesige Stücke aus seinem aktuellen Studioalbum "Walking to New Orleans" mit im Gepäck. Das Album widmet er dem Gitarristen und Sänger Chuck Berry und dem Pianisten und Sänger Fats Domino. Seine Heroes, wie Benson betont.

Immer wieder stellt Benson unter Beweis, dass ihm das Alter nichts anhaben kann. Er entlockt seiner Ibanez-Gitarre genauso wie vor 30 Jahren präzise Töne bei hohem Spieltempo.  Auch seinen Scat-Gesang beherrscht er, dabei lässt er seine Stimme mit den Gitarrentönen eine Einheit bilden.

Tanzende Massen

Der Theatersaal ist an diesem Abend ausverkauft. Als "Give me the night" erklingt, Disco-Song und Chart-Stürmer aus den frühen 1980er Jahren, bleibt kaum einer der mehr als 1.700 Gäste mehr in den roten Samtsesseln sitzen. Der Saal tobt, der Boden bebt - und das bis zum Schluss. Zwei Zugaben spielen Benson und Band. So auch seinen Klassiker "Broadway".

Bei George Benson, weiß man, was man bekommt. Für Überraschungen ist der Weltmusiker nicht gut. Doch mit seinem Repertoire zeigt Benson immer wieder, dass es Spaß macht, kompromisslos vielseitig zu sein.

Sendung: Inforadio, 23.07.2019, 06:55 Uhr

Beitrag von Theodora Mavropoulos

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