Berlin: Pink, US-amerikanische Popsängerin, steht bei ihrem Konzert im Olympiastadion mit Tänzern auf der Bühne. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
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Audio: Inforadio | 15.07.2019 | Magdalena Bienert | Bild: dpa/Paul Zinken

Konzertkritik | Pink im Olympiastadion - Akrobatik, Pyro, Konfetti und Hits, Hits, Hits

Wenn ein amerikanischer Superstar im Berliner Olympiastadion Einzug hält, dann darf man einiges erwarten. Und Sängerin Pink hat ihre Fans nicht enttäuscht – "Get the Party started" durfte man bei ihrem Konzert am Sonntagabend ruhig wörtlich nehmen. Von Magdalena Bienert

Der wunderbare Australier Vance Joy, der mit dem Hit "Riptide", ist einer der drei Support-Acts von Pink. Der Abend kann kaum besser starten. Um 20:50 Uhr ist es aber vorbei mit gelassener Singer-Songwriter-Stimmung.

Wie ein Komet knallt Pink mit ihrer siebenköpfigen Band und etlichen Tänzern und Tänzerinnen ins Olympiastadion. Mit ihrem ersten großen Solo-Hit "Get the Party Started" von 2001 schwingt die 39-Jährige an einem Kronleuchter auf die Bühne, vielmehr glitzert sie mit ihm um die Wette und lässt vor lauter Baumelei und Kopfüber-Akrobatik schon mal ein paar Zeilen ihre Backgroundsängerinnen übernehmen. Irgendwie wirkt sie etwas orientierungslos da oben. Wieder am Boden, geht die Party aber wirklich los. Und was für eine!

Zirkusreife Akrobatik

Pink ist bekannt für ihre akrobatischen Einlagen und auch bei der aktuellen Tour geht es mehrmals hoch hinaus. Der ganze Abend ist eine Mischung aus Musical, Rockkonzert und Zirkus – im schwarz-weißen Glitzerbody schwingt sich die Sängerin mit einem der Tänzer in die Luft, wo sie Spagat macht und "Secret" performt. Der Song ist von ihrem letzten Album, nach dem auch diese Tour benannt ist: "Beautiful Trauma". Das Album ging in zehn Ländern direkt auf Platz 1.

Im April ist bereits Pinks achtes Album "Hurts 2B Human" (ebenfalls Platz 1 für UK und USA, bei uns auf Platz 2) erschienen – dennoch feiert sie an diesem Abend mit den 60.000 Fans ihre Greatest Hits. Schnell sausen die ersten Feuerfontänen in die Luft, Nebel wabert, Tänzer schieben mobile pinke Laternen umher, ihre Frontfrau tanzt mit ihnen Choreos, flirtet mit dem Gitarristen oder schmeißt sich ins nächste Outfit und tänzelt den Steg in die Menge hinunter. Man weiß gar nicht, wohin man zuerst gucken soll: Es ist bunt, es ist viel, es glitzert und die Musik ist laut, aber enorm klar dabei.

Geschenke & Tattoos - Fanliebe kennt keine Grenzen

Der amerikanische Superstar nimmt sich immer wieder Zeit, um die Botschaften ihrer Fans zu lesen oder Geschenke einzusammeln. Die meisten sind für ihre beiden Kinder gedacht. Jedes legt sie sorgfältig am Bühnenrand ab, nachdem sie es präsentiert hat. Spontan springt sie auch mal von der Bühne, um auf einem Oberarm und damit unter ihrem eigenen Gesicht zu unterschreiben: Fanliebe kennt keine Grenzen. Ein Mädchen hat sich ihr Idol bunt tätowieren lassen. Pink weiß das zu schätzen, bedankt sich oft und freut sich über ihre so unterschiedlichen Fans.

Links und rechts von der Bühne sind die Leinwände in Herzform eingerahmt, hier laufen auch mal Comics oder bestärkende Videobotschaften an Frauen oder die Unicef-Botschafterin erzählt von einem Dialog mit ihrer Tochter, die sich mit sechs Jahren hässlich fand. Pink bestärkt sie in ihrem schönen Wesen – eine Message für alle.

Per Seilzug durchs Stadionoval

Während der Videos oder bei dem starken Duett mit dem Künstler Wrabel ist Durchatmen angesagt.  Was für ein Tempo diese Frau an den Tag, pardon die Nacht legt, ist unglaublich. Immer wieder zieht sich Pink um, plötzlich tanzt sie mit einem grünen Frosch auf dem Rücken über den T-förmigen Steg – ach, wieder ein Geschenk für ihren zweijährigen Sohn. Ihre achtjährige Tochter kommt übrigens auch noch mal, perfekt radschlagend, auf die Bühne, um Mami kurz zu drücken.

Sicher ist sicher, denn gleich wird diese im roten Glitzeranzug tatsächlich an zwei Seilen längs durchs Stadionoval sausen – zur rebellischen Hymne "So what" geht es mehrmals über alle Köpfe im Innenraum hin und zurück, dabei schlägt sie Salti und singt noch – unfassbar. Pink-Fans, die teilweise weit über 100 Euro für ihr Ticket bezahlt haben, bereuen wohl keinen Cent davon, wenn man den frenetischen Applaus gegenrechnet.

Mehr als zwei Stunden später, der volle Mond hängt längst über dem Stadion, sagt der Superstar "gute Nacht" - Danke, bis hierhin war es schon mal eine fantastische.

Sendung: Inforadio, 15.07.19, 7:10 Uhr

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Selten, eigentlich noch nie, habe ich eine derart gute Konzertkritik auf rbb24 gelesen. Finde ich aber sehr gut, meckern ist ja sonst in Berlin auch sehr beliebt. Ich denke Inforadio ist auch kein schlechtes Label.

  2. 2.

    Dem schließe ich mich an, der absolute Wahnsinn!!

  3. 1.

    Was für Konzert und was für eine Künstlerin. Das war der Hammer. Danke Pink.

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