Archivbild: Mick Jones und Kelly Hansen beim Foreigner Konzert im Juli 2019 in München. (Quelle: dpa/Niering)
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Audio: Inforadio | 16.07.2019 | Lotte Glatt | Bild: dpa/Niering

Konzertkritik | Foreigner in der Zitadelle Spandau - Nichts Neues, aber es rockt

Selbst wer die Rock-Band Foreigner nicht beim Namen kennt, kann mit Sicherheit einige Strophen aus Songs wie "I want to know what Love is" mitsingen. Am Montag waren sie in der Zitadelle Spandau zu Gast - ein Abend voller Klassiker, aber ohne Überraschungen. Von Lotte Glatt

Aufwendige Lichtershows und aufwendige Tanz-Choreografien sind heute für Bands und Sänger oft ein Muss. Die britisch-amerikanische Band Foreigner kommt aus einer Zeit, in der Musik und Bühnenpräsenz allein ausreichen mussten, um das Publikum zum Toben zu bringen. Das gelingt der Classic-Rock Band auch nach über 40 Jahren noch.

"We are so happy to be rocking with you tonight" - "Wir rocken heute Abend mit euch die Bühne", verspricht der Lead-Sänger von Foreigner, Kelly Hansen, am Montagabend gleich zu Beginn der Show. Und er hält sein Versprechen, die Band gibt sofort Vollgas. Sänger Hansen reißt das Standmikrofon in alle Richtungen, tanzt auf der ganzen Bühne und schäkert mit seinen Bandkollegen. Er unterstreicht sein Singen mit ausladenden Gesten, was authentisch wirkt.

Das Publikum feiert die alten Klassiker

Foreigner spielt einen Klassiker aus den 70er- und 80er-Jahren nach dem anderen: "Double Vision", "Waiting for a Girl like you", "Juke Box Hero". Die Zuschauer – größtenteils Pärchen in ihren 50ern - kennen jeden Song der Foreigner-Hit-Playliste. Das Publikum singt, wippt, klatscht und pfeift begeistert mit.

Jedes der insgesamt sieben Bandmitglieder ist ausgelassen und die Musiker befeuern sich gegenseitig. Die Truppe wirkt eingespielt und harmonisch. Das ist keine Selbstverständlichkeit, denn Foreigner hat seit der Band-Gründung 1976 mehr als 20 Mitglieder kommen und gehen sehen.

Aus der Anfangsbesetzung ist lediglich Gitarrist und Songschreiber Mick Jones übriggeblieben. Er kommt erst nach ein paar Songs mit auf die Bühne. Dass die sechs Musiker, die von Anfang an das Konzert rocken, die Hits ihrer Vorgänger so spielen, als wären sie ihre eigenen, spricht für sie. Ihre Jubiläums-Tour zum 40-jährigen Bestehen spielte die Band 2017.

Archivbild: Die Band Foreigner bei einem Konzert in München mit Orchester. (Quelle: dpa/Niering)Foreigner beim Konzert in München

Die Instrumente spielen die Musik

Das 74-jährige Foreigner-Urgestein Jones wirkt als einziger ein wenig gebrechlich und bewegt sich im Gegensatz zu den anderen kaum von der Stelle. Trotzdem legt er erstklassige Gitarreneinlagen hin. Überhaupt stellen die Musiker unter Beweis, wie sie ihre Instrumente beherrschen. Jeder bekommt deshalb einen Solo-Moment auf der Bühne und jeder von ihnen brilliert. Das Saxofon-Solo von Thom Gimbel aus dem Song "Urgent" ist live noch viel packender als aus Platte.

Einen besonderen Solo-Auftritt haben der Keyboarder Michael Bluestein und der Schlagzeuger Chris Frazier. Auch wenn sie sich ihren Moment teilen müssen, stehen sie zehn Minuten nur zu zweit auf der Bühne. Erst spielt Bluestein eine Keyboard-Session, die mehr nach Berliner Clubbeat denn als Oldie klingt. Dann trommelt Frazier darauf los, dass der Boden bebt. Da Foreigner ansonsten ausschließlich alte Lieder spielt, ist diese Zwischeneinlage überraschend. Einige etwas irritierte Zuschauer wählen diesen Moment für eine Pinkel-Pause. Spätestens, als der Keyboarder und der Schlagzeuger dann gemeinsam Melodie und Rhythmus zaubern, klatschen die übrigen Zuschauer enthusiastisch mit.

Alte Liebe

Gegen Ende des Konzerts kommen wieder alte Hits; nicht zuletzt natürlich Foreigners Nummer-Eins-Song "I want to know what Love is". Sänger Kelly Hansen, der die gesamte Zeit immer wieder den Austausch mit dem Publikum sucht, fordert die Fans auf, einander in den Arm zu nehmen, bevor der erste Akkord des Liedes fällt. Das ist der einzige Moment des Abends, in dem es etwas weicher zugeht, wodurch eine rührende Stimmung aufkommt, die aber nicht ins Kitschige kippt.

Insgesamt beschert die Hard-Rock Band einen Abend voller Klassiker, der wenige Überraschungen bereithält. Dafür stehen sieben leidenschaftliche Musiker auf der Bühne, die großen Spaß an ihrem Auftritt haben und wissen, wie sie ihr Publikum unterhalten.

Sendung: Inforadio, 15.07.2019, 13.00 Uhr

Beitrag von Lotte Glatt

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4 Kommentare

  1. 4.

    Eine ziemlich passende und gut geschriebene Kritik, auch wenn es gerne mehr als 90 Minuten hätten sein dürfen . Ansonsten ein klasse Konzert. Leider waren auch die 30 Minuten Spielzeit für Ritchie Kotzen als Support einfach zu kurz. Kaum war er warm gespielt, durfte er schon wieder von der Bühne gehen.

  2. 3.

    Ich schließe mich den vorigen Kommentaren vorbehaltlos an: ein geiles Konzert, tolle Stimmung und mit der Zitadelle als Veranstaltungsort einfach genial und toll.
    Das Publikum war recht gemischt - ja - viele in unserem, gesetzten - oder vielmehr besten, Alter - und doch sehr interessant anzuschauen, wen man alles so sehen konnte.
    Wir haben es genossen - die Erinnerungen kamen wieder hoch - es war einfach toll und die Band hat einfach super zusammengespielt.
    Ich persönlich fand das Keyboardsolo super; es hat mich ein wenig an Tangerine Dream erinnert und war für mich, der TD vor´m Reichstag in den 80´ern erleben durfte, einfach nur zum Genießen. Das folgende Duett mit dem Schlagzeug und dann das Solo - klasse!!!
    Danke Foreigner für dieses Konzert, danke für diesen Ort - es war einfach schön :-)

  3. 2.

    Ein schöner Kommentar, der dem gestrigen Konzert absolut gerecht wird.

    Die Vorband war schon klasse und hat gut Stimmung gemacht. Als dann Foreigner auf die Bühne kamen, ging es richtig los. Der Sound war sehr gut, da saß jemand am Mischpult, der seine Arbeit verstanden hatte. Das hab ich in Berlin schon oft anders erlebt.
    Die Stimmung unter den generell etwas reiferen Musikfreunden war hervorragend, das Wetter spielte auch mit.
    Abgefeuert wurde ein Hit nach dem anderen. Tatsächlich keine Überraschungen, aber die erwarte ich auch nicht von einer Band mit diesem Oeuvre. Kelly Hansen als Sänger ist eine Rampensau im positivsten Sinne. Singt hervorragend, macht Stimmung und faxen, absolut klasse. Und die restlichen Musiker waren ebenso hochwertig.

    Danke für dieses Konzert.

  4. 1.

    Guter Bericht der die Stimmung aus der Zitadelle vom gestrigen Abend richtig beschreibt . Ich war auch dort und bin immer noch begeistert einer der größten Rockbands der 80siger mal wieder Live gesehen zu haben . Einfach genial und Megakult !!!

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