Drummer David Parks von Too Many Zooz in Southampton (Quelle: dpa)
Audio: Inforadio | 24.07.2019 | Magdalena Bienert | Bild: picture alliance / Photoshot

Konzertkritik | Trio aus New York - Too Many Zooz bringen Berliner Gretchen zum Kochen

Wo die New Yorker Band Too Many Zooz auftaucht, bleibt keine Hüfte steif und kein T-Shirt trocken. Auch im Kreuzberger Club Gretchen hatten sie am Dienstagabend das hippe Publikum schnell auf ihrer Seite. Eine wunderbare Entdeckung, findet Magdalena Bienert.

Zuerst betritt um 22 Uhr Leo Pellegrino die Bühne, sein Part: das Baritonsaxophon. Lässig schlendert er damit in seinen kurzen Hosen mit einem baumelnden Fuchsschwanz an der Seite und den rosa-orange gefärbten Haaren über die Bühne. Dann kommen seine Mitstreiter, Trompeter Matt Doe und Drummer David Parks. Parks hat sich seine Trommel umgeschnallt und sie mit allerlei weiteren Perkussionselementen gepimpt, er ist also voll mobil.

Als die drei anfingen in der New Yorker U-Bahn oder auf der Straße zu spielen, war es zwingend, dass jeder auch seine flexible Ein-Mann-Show sein konnte. Im Club ist die Stimmung aber bestimmt besser und in Berlin haben Too Many Zooz das hippe Publikum sofort auf ihrer Seite. Die Stimmung ist in Nullkommanichts am Kochen.

Erfolgreiche Eigenerfindung: "Brass-House"

Kennengelernt hat sich das Trio an der Manhattan School of Music, einer privaten Musikhochschule in New York. Seit fünf Jahren machen die jungen Männer zusammen Musik. Ihr Genre nennen sie selbst "Brass-House". Damit durften sie 2016 gemeinsam mit Beyoncé bei den CMA Awards, einer Preisverleihung für Country-Musik, in Nashville auftreten.

Trompeter Matt Doe und Saxophonist Leo Pellegrino von Too Many Zooz in Southampton (Quelle: dpa)
| Bild: dpa

Rampensau frisch aus dem New Yorker Zoo?

Brass-House bedeutet für die gut 500 Fans im Gretchen: Wer ein Plätzchen unter dem Luftstrom der Klimaanlage ergattert hat, kann sich glücklich schätzen, denn an diesem Abend bleibt kein T-Shirt trocken und keine Hüfte steif. Immer wieder animiert Saxophonist Leo Pellegrino die Fans zum Klatschen oder zur Scheibenwischer-Geste. Selbst wenn er spielt, zeigt er einarmig an, dass bitteschön die Hände von links nach rechts geschwenkt werden sollen.

Dann wieder dreht er sich um die eigene Achse, wälzt sich mal auf dem Boden oder hüpft und tanzt über die ganze Bühne. Er ist eindeutig der Star der Band und bildet mit seinem aufgekratzten und bunten Erscheinungsbild den kompletten Gegensatz zum ruhigen Schwergewicht Matt Doe an der Trompete.

Trommler Parks, der "King of Sludge",  bleibt eher im Hintergrund, aber die drei sind ein eingespieltes Team und gleichberechtigt, das spürt man. Die Energie, die sie versprühen schwappt bis in die letzte wogende Reihe. Erst recht, als das 50-Cent-Cover "P.I.M.P." angestimmt wird oder als Pellegrino zur Zugabe oben ohne wieder kommt und jetzt wie ein orientalischer Schlangenbeschwörer klingt.

Unbedingt hingehen!

Berühmt wurden Too Many Zooz zwar über ihre Youtube- und Facebook-Videos aus der New Yorker U-Bahn, heute spielen sie jedoch quer über den Globus und auf diversen Festivals. Immer wieder bedanken sie sich an diesem Abend herzlich, betonen, dass sie es selbst manchmal kaum glauben können, dass sie mit ihrer Musik jetzt endlich ganz offiziell Geld verdienen dürfen.

Too Many Zooz - eine wunderbare Neuentdeckung, die man sich dringend merken sollte. Und wenn sie je auf einem deutschen Festivalplakat auftauchen: unbedingt hingehen! Live ist das noch viel, viel besser als auf Youtube oder einer Platte.

Sendung: Inforadio, 24.07.2019, 07:55 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

Das könnte Sie auch interessieren