Ein Mann beobachtet im Kraftwerk Berlin die Lichtinstallaation Deep Web (Quelle: dpa/Christoph Soeder)
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Audio: Inforadio | 26.07.2019 | Hans Ackermann | Bild: dpa

Kritik | "Deeb Web" im Kraftwerk Berlin - Gedankenblitze unter donnernden Sounds

"Deep Web" heißt die Lichtkunstinstallation, die gerade im Kraftwerk Berlin zu sehen ist. Am Donnerstagabend boten Lichtkünstler und Komponist eine Live-Performance zu ihrer Installation. Hans Ackermann erlebte eine technologisch-künstlerische Meisterleistung.

Es geht einige Treppen hinauf, bis man den riesigen Turbinenraum des Kraftwerks erreicht. Mächtige Betonsäulen strecken sich dort noch einmal rund zehn Meter in die Höhe. Angenehm kühl ist es hier, hinter den dicken Mauern, aber auch stockfinster. Doch dann beginnt am virtuellen Himmel auch schon eine einzelne Lichtkugel zart violett zu leuchten.

Die Kugel bewegt sich langsam abwärts, punktgenau verfolgt von einem violetten Laserstrahl, der sie leuchten lässt. Andere Strahlen treffen jetzt aus verschiedenen Richtungen auf die Kugel, die sich im Raum bewegt. Wie eine große Perle pendelt sie schliesslich an einer blauen Schnur aus Licht hin und her. Dann leuchten an der Decke weitere Kugeln auf, formen eine Linie, die sich in eine Wellenbewegung verwandelt, eine Schwingung erzeugt.

Abenteuer aus den Anfängen der digitalen Kommunikation

Wie soll aus diesen leuchtenden Lampen Kunst werden? Eine Antwort: Der Gedanke dahinter ist es. Die violette Kugel zu Beginn ist nichts anderes als ein einzelnes erstes Daten-Bit. Irgendwo von irgendwem erzeugt, irrt es als elektrische Schwingung durch die Tiefen des Netzes, wird schließlich empfangen und beantwortet - ein zweite Kugel macht sich auf den Weg.

"Deep Web" heißt die Lichtkuntsinstallation, die in sechs Kapiteln erzählt wird von Lichtkünstler Christopher Bauder und Komponist Robert Henke. Ein Abenteuer aus den Anfängen der digitalen Kommunikation. Die beiden Performer sitzen am Rand der Spielfläche, natürlich vor Computern. Robert Henke steuert die Klänge, versetzt damit Christopher Bauders Kugellichter in perfekte Bewegungen, die synchron zu den Beats und Sounds ein Ballett tanzen - oder wie bunte Sterne durch den virtuellen Nachthimmel fliegen.

Technologische Meisterleistung

Aus der Ferne scheinen die Kugeln aus Milchglas zu sein, tatsächlich sind sie aus Kunststoff - und mit jeweils zwei Litern Wassern gefüllt. Diese Schwere lässt sie majestätisch an ihren feinen Seilen auf und ab gleiten. Die Lichtstrahlen aus insgesamt zwölf farbigen Laserkanonen werden auf ganz natürliche Weise durch das Wasser im Inneren der Kugeln gebrochen und reflektiert.

Zur Kunst wird die technologische Meisterleistung auch, weil hier die Phantasie ihren freien Lauf nehmen kann. Denn die Kugeln könnten auch Knoten im neuronalen Netz sein, Gedanken, die sich in allen nur denkbaren Mustern durch unsere Cortex bewegen, immer mal wieder von einem Gedankenblitz aus dem Laser getroffen.

Christopher Bauder, der mit seiner Installation "Lichtgrenze" schon vor fünf Jahren Berlin buchstäblich erleuchtet hat, zeigt auch hier wieder, wie die Lichtkunst das Denken und die Phantasie beflügeln kann. Blutrot pulsieren am Ende die Kugeln hoch oben in der Kraftwerkskuppel, ein beinahe sakraler Schlusseindruck, der von donnernden Orgelklängen untermalt wird.

Sendung: Inforadio, 26.07.2019, 6:55 Uhr

Beitrag von Hans Ackermann

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