Textilkunst von Gili Avissar hängt im Freibad Humboldthain (Quelle: rbb/Theodora Mavropoulos)
Bild: Audio: Inforadio | 22.07.2019 | Theodora Mavropoulos

Kunst-Kiosk Tropez - Pommes und Kunst im Freibad Humboldthain

Pommesbudenbesitzerin und Kuratorin Nele Heinevetter macht aus ihrem Imbiss im Freibad Humboldhain eine Kunstzone. Seit drei Jahren lädt sie jeden Sommer Kultur- und Kunstschaffende dazu ein, sich einfach mal auszutoben. Von Theodora Mavropoulos

Mittagsstimmung im Freibad Humboldhain. Kinder stürzen sich unermüdlich die lang geschwungene blaue Rutschbahn hinunter. Familien sitzen entspannt auf ihren Handtüchern. Vor dem Kiosk-Imbiss, einem grauen Flachdachgebäude mit dunkelrot gestrichenen Fensterrahmen,  wird die Schlange länger.

Der Blick der Wartenden fällt immer wieder auf die Fotoserie, die an der Außenwand des Kiosks angebracht ist. Sie zeigt vier junge Männer zu Beginn der diesjährigen Badesaison. Geschossen hat die Bilder die in Paris lebende deutsche Fotokünstlerin Kira Bunse. Gegenüber dem Kiosk flattert ein großes, bunt gemustertes Tuch, das aus zerschnittenen Flaggenteilen besteht. Es ist Teil einer Installation des israelischen Künstlers Gili Avissar. Aus vielen Flaggen, die als Nationalsymbole spaltend und ausgrenzend wirken können, wird hier eine bunte Textilinstallation.

Vier Bilder mit jungen Männern hängen an der Wand des Kunstkiosks "Tropez" (Quelle: Tropez/Ink Agop)
Kunst an der Außenwand des Kiosks von Fotokünstlerin Kira Bunse Bild: Tropez/Ink Agop

Direkte Reaktionen

Immer wieder verstecken sich Kinder hinter dem bunten Stoff, der im Wind vor und zurück weht. Kuratorin und Kioskbesitzerin Nele Heinevetter freut sich über solche Reaktionen. Seit drei Jahren betreibt sie den Kunstkiosk, den sie Tropez genannt hat. "Ich glaube, dass Kultur wunderbar ins Freibad passt, weil die Leute einfach mit viel Zeit und Muße hierherkommen", sagt die zierliche Frau mit den kurzen blonden Haaren. Die Menschen kommen ins Freibad um den Tag hier zu verbringen. In Eile ist hier kaum jemand. "Denn so ein zusätzliches Angebot zu haben, schien mir dankenswert", sagt Heinevetter. Das Kulturprogramm wird vom Hauptstadtkulturfonds unterstützt. Der Kiosk muss sich selbst tragen.

Bis 2014 hat Nele Heinevetter den Schinkel-Pavillon in Berlin-Mitte mit geleitet. Mit der Übernahme des Kiosks ging für sie ein Traum in Erfüllung, denn sie wollte raus aus dem reinen Kunstkontext hinein ins echte Leben. "Ich wollte auf Leute treffen, die unvorbereitet sind und sehr spontan und offen auf die Kunst reagieren", erklärt Heinevetter. So eine unverstellte Reaktion sei selten möglich und daher auch für die Künstler spannend.

Nele Heinevetter steht vor dem Kunstkiosk im Freibad Humboldthain (Quelle: rbb/Theodora Mavropoulos)
Nele Heinevetter ist überzeugt, dass Kultur ins Freibad passt.Bild: rbb/Theodora Mavropoulos

Plattform für Diskussionen

Neben Kunstveranstaltungen finden auch politische Diskussionen statt. Gegenüber dem Tropez-Kiosk steht eine kleine Bühne auf der Wiese, vor die sich zahlreiche Zuhörerinnen und Zuhörer ins Gras gesetzt haben. Viele von ihnen halten eine Portion Pommes in der Hand. Die Diskussionsreihe "Europool" thematisiert den aktuellen Zustand Europas und wurde vom Künstlerkollektiv Creamcake ins Leben gerufen. Man erreicht hier ein ganz anderes Publikum, sagt Daniela Seitz, Mitbegründerin von Creamcake.

"Es gibt hier die Möglichkeit abseits von einem klassischeren Kulturpublikum, Themen sichtbarer zu machen und den Diskurs zu öffnen, der sonst vielleicht eher in alternativeren, experimentellen kleinen Szenen bleibt", betont Seitz. 

Diskussionsreihe Europool im Freibad Humboldthain (Quelle: rbb/Theodora Mavropoulos)
Besucherinnen und Besucher bei der Diskussionsreihe EuropoolBild: rbb/Theodora Mavropoulos

Ausgelassene Stimmung

Im Anschluss an die Diskussion betritt ein DJ die kleine Bühne und lässt Elektro und HipHop gemixt mit ethnischen Klängen über die Wiese des Schwimmbads schallen. Die Kombination aus Freizeit- und Kulturplattform kommt bei den Badegästen sehr gut an.

"Ich finde es supercool, das hätte man schon eher machen können", freut sich ein Badegast über die unerwartete Darbietung. Eine Frau sitzt auf ihrem Handtuch und lauscht mit großem Lächeln im Gesicht der Musik. Auf unterschiedlichen Sprachen wird sich über die Darbietung ausgetauscht. Der Kunst-Kiosk zieht mittlerweile ein internationales Publikum an. Das spannende Konzept erweitert den Kunstraum Berlins hinein ins Freibad.

Auch Nele Heinevetter sitzt mit einer Portion Pommes auf der Wiese vor der kleinen Bühne. "Für mich geht das irgendwie beides zusammen, weil Pommes und Kunst so zwei Lieblingsdinge in meinem Leben sind."

Sendung: Inforadio, 22.07.2019, 15:55 Uhr

Beitrag von Theodora Mavropoulos

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

Das könnte Sie auch interessieren