Waving the Guns spielte auf dem Resist to Exist Festival in Kremmen am 05.08.2018 (Quelle: imago/Thesing)
imago/Thesing
Video: rbb|24 / Brandenburg aktuell | 29.07.2019 | Bild: imago/Thesing

Nach Streit mit Behörden in Kremmen - Punkfestival "Resist to Exist" zieht zurück nach Berlin

Berliner Beton statt Brandenburger Heide: Das Festival "Resist to Exist" soll nach Marzahn verlegt werden. Eigentlich hätte es nahe der Stadt Kremmen stattfinden sollen, doch Veranstalter und Behörden haben sich über neue Auflagen zerstritten. Von Oliver Noffke

Das Punkfestival "Resist to Exist" verlässt die Kleinstadt Kremmen (Oberhavel) und soll stattdessen am kommenden Wochenende im Orwohaus in Berlin-Marzahn stattfinden. "Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen", sagte Wolfgang Kunwald, technischer Leiter des Festivals, der rbb-Nachrichtensendung Brandenburg aktuell. "Wir lieben Kremmen, es ist ein tolles Gelände, es sind tolle Leute."

Hintergrund ist ein Streit zwischen den Veranstaltern und lokalen Behörden über eine Baugenehmigung, die in diesem Jahr erstmals von den Behörden angefordert worden war. Die zuständige Untere Baubehörde hatte per Ordnungsverfügung unter anderem das Ausweisen von Zeltplätzen und das Einfrieden mit Sicherheitszäunen untersagt, weil kein Baugenehmigungsverfahren eingeleitet worden war. Die Einzäunung ist jedoch ein entscheidender Teil des Sicherheitskonzepts.

"Das ist und bleibt ein Konzert"

Nach einem Einantrag der Veranstalter hatte auch das Oberlandesgericht die Entscheidung der Baubehörde bestätigt. Lediglich der Aufbau von Bühnen und das Spielen von Musik sei deshalb erlaubt gewesen, so die Veranstalter. Sie sprechen von Schikane durch die Behörden.

Dem Bürgermeister von Kremmen, Sebastian Busse (CDU), werfen die Veranstalter zudem vor, einen Kompromissvorschlag torpediert zu haben, wonach das Festival noch gerettet hätte werden können. Der Verein Alternati e.V. wollte "Resist to Exist" als "Volksfest" oder "Spezialmarkt" anmelden.

Auf Anfrage von rbb|24 sagt Busse dazu, er sei nicht bereit gewesen, sich über bestehende Gesetze hinwegzusetzen. "Die Gesetzmäßigkeiten geben es nicht her, dass das ein Volksfest oder ein Spezialmarkt ist. Das ist und bleibt ein Konzert." Bereits im Frühsommer 2018 sei auf einer Verwaltungssitzung darüber gesprochen worden, welche Voraussetzungen in diesem Jahr erfüllt werden müssen. Damals sei allerdings keiner der Veranstalter zugegen gewesen, niemand habe ihn in der Zwischenzeit offiziell in seinem Büro aufgesucht, sagte er.

Eingang zum Orwohaus in Berlin-Marzahn, Archivbild (Quelle: Imago/Jürgen Ritter)
Die ehemalige Fabrik des DDR-Filmherstellers Orwo in Berlin-Marzahn | Bild: www.imago-images.de

Neuer Versuch im kommenden Jahr?

Christoph Brunner, der Besitzer des Ackers, auf dem das Festival in den vergangenen drei Jahren stattfand, vermutet politische Gründe hinter den neuen Anforderungen der Behörden für die vierte Auflage. "Man will die linken Zecken nicht", sagte er Brandenburg aktuell. "Und deshalb sagt man, die kriegen wir hier weg und machen so viele Schwierigkeiten, bis sie kapitulieren und wenn sie wegbleiben, ist es okay." Eine ähnliche Lesart vertritt der Veranstalter. "Es scheint so, als wolle die CDU die Eskalation", heißt es in einer Pressemitteilung von Alternati e.V.

Bürgermeister Busse weißt das von sich. "Ich kenne diese politischen Gründe nicht. Das ist nicht Kremmen", sagte er. "Es gibt viel Toleranz in Kremmen und es gibt natürlich auch Leute, die dagegen sind, wie überall auch."

Für einen neuen Versuch im kommenden Jahr sei er offen, sagte der CDU-Politiker. "Die müssen sich doch nur um die Baugenehmigung kümmern", so Busse. "Das Sicherheitskonzept hat gepasst, die Polizei war zufrieden und ebenso der Sanitätsdienst." Zudem habe es nur sehr wenige Beschwerden von Anwohnern gegeben.

Laut Veranstalter waren bereits mehr als 2.000 Tickets für das Festival verkauft worden. "Resist to Exist" fand seit 2016 in Kremmen statt, bis dahin war es in Berlin-Marzahn ausgerichtet worden.

Beitrag von Oliver Noffke

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

11 Kommentare

  1. 10.

    Bitte auf die Rechtschreibung achten!

    Abgesehen davon, kein Grund zur Aufregung. Zossen will das Geschäft nicht machen, OK. Und das mufflige Marzahn kann ruhig etwas Punk vertragen.

  2. 9.

    CDU nein Danke-Kremmen ist und bleibt ein Dorf.
    Bin heute mal wieder durchgefahren-ne Danke.

  3. 6.

    Was mein Kritikpunkt ist, geht aus meiner Antwort hervor. Es ist die Aussage, dass die Baugenehmigung in diesem Jahr erstmals von den Behörden angefordert worden sei.
    Die Veranstalter wussten seit Jahren vom Erfordernis einer Baugenehmigung, die sie ja davor auch bei den Berliner Veranstaltungen beigebracht haben.

  4. 5.

    Bei Gejammere fällt mir eigentlich immer zuerst Helene Fischer ein.
    Aber auch der Rest der Schlagerbranche tropft vor sich hin.

  5. 4.

    Dass schon 2018 klar war, dass diese Baugenehmigung verlangt werden wird, steht doch auch genauso im Artikel. Was genau ist denn Ihr Kritikpunkt?

  6. 3.

    "Resist to Exist" - Alleine der Name ist Programm. Layomantes Gejammere.

  7. 2.

    "Hintergrund ist ein Streit zwischen den Veranstaltern und lokalen Behörden über eine Baugenehmigung, die in diesem Jahr erstmals von den Behörden angefordert worden war. "

    Laut MAZ war es schon 2018 klar, dass der Veranstaltern eine Baugenehmigung vorweisen muss. Jetzt versuchte er zum vierten Mal, ohne Baugenehmigung sich durchzuwursteln. „Aufgrund der Tatsache, dass das Festival nun offensichtlich regelmäßig, nämlich jährlich stattfinden soll, bedarf es einer Baugenehmigung“, sagte Irina Schmidt, die Pressesprecherin im Landratsamt im Jahre 2018.
    Auch in Berlin, wo das Festival in den Jahren zuvor stattfand, bedurfte es - den Angaben der Veranstalter zufolge - zu seiner Durchführung stets einer Baugenehmigung. Heißt es bei der MAZ.

    https://www.maz-online.de/Lokales/Oberhavel/Kremmen/Resist-to-Exist-Festival-findet-statt-stand-aber-auf-der-Kippe

  8. 1.

    Die Marzahner werden sich freuen....

Das könnte Sie auch interessieren