Eine Tafel mit Plakette erinnert an den jüdischen Unternehmer und Kunstmäzen James Simon, dessen Villa früher auf dem Gelände der heutigen Landesvertretung Baden-Württemberg stand (Tiergartenstraße 15) in Berlin-Tiergarten (Quelle: dpa/Markus C. Hurek)
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Video: Abendschau | 13.07.2019 | Petra Gute | Bild: dpa/Markus C. Hurek

Steckbrief - Wer war James Simon?

Die James-Simon-Galerie auf der Museuminsel ist nach dem berühmten Kunstmäzen James Simon benannt. 1851 wurde der Unternehmer in Berlin geboren und hatte eine große Leidenschaft für antike Kunst - ihm verdankt Berlin eines seiner bekanntesten Kunstwerke.

James Simon wird am 17. September 1851 im wilhelminischen Berlin geboren. Der Unternehmer jüdischen Glaubens leitet einen florierenden Baumwollgroßhandel. Mit seiner Ehefrau Agnes und den drei Kindern lebt er mit seiner Familie in Tiergarten. Sein Vermögen verwendet er für seine Leidenschaft, Kunst zu sammeln und sie für Menschen zugänglich zu machen.  

Der Geschäftsmann zählt zu einem der bedeutendsten Kunstmäzenen seiner Zeit. Mit Kaiser Wilhelm II. verbindet ihn eine Leidenschaft: die Antike. In enger Kooperation mit Wilhelm von Bode, dem Direktor der Berliner Museen, leitet er die "Deutsche-Orient-Gesellschaft", um Kunstschätze in Ägypten und im Nahen Osten auszugraben. Für viele dieser Expeditionen spendet er immer wieder Geld.

Nofretete auf dem Kaminsims

Ab 1911 finanziert er beispielsweise die Grabungen von Ludwig Borchardt im ägyptischen Tell el-Amarna, wo Pharao Echnaton um 1340 v. Chr. die neue Hauptstadt Achet-Aton erbauen ließ. Die Ausgrabungen verlaufen äußerst erfolgreich. Zahlreiche Porträt-Köpfe verschiedener Mitglieder der königlichen Familie Echnatons werden gefunden. Darunter befindet sich auch die bunt bemalte Büste der Nofretete, Berlins archäologischer Superstar.

Für eine Weile steht die Büste bei James Simon in seiner Villa auf dem Kaminsims. 1920 verschenkt er die Nofretete an Berlin. Auch die "Madonna mit dem schlafenden Kind" von Andrea Mantegna hat Berlin James Simon zu verdanken. Insgesamt überlässt der Mäzen den Berliner Museen mehr als 10.000 Objekte, die sich über sieben Sammlungen der Staatlichen Museen erstrecken.

James Simon stirbt 1932 in Berlin und wird auf dem Jüdischen Friedhof Schönhauser Allee beerdigt. Nach seinem Tod entfernten die Nazis seinen Namen aus den Museen. 2019 wird das nach ihm benannte neue Eingangsgebäude zur Berliner Museumsinsel eröffnet: die James-Simon-Galerie.

Sendung: Kulturradio, 12.07.2019, 08:10 Uhr

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