Der chinesische Künstler Ai Weiwei während einer Pressekonferenz (Quelle: DPA/Federico Gamberini)
Bild: dpa

"Deutschland ist keine offene Gesellschaft" - Chinesischer Regimekritiker Ai Weiwei will Berlin verlassen

Andere Meinungen lässt der deutsche Kulturbetrieb nicht zu, die Bundesregierung kuscht vor Chinas Regime: Mit vernichtenden Worten rechnet der Künstler Ai Weiwei mit Deutschland ab. Nach vier Jahren will er Berlin verlassen - auch wegen rassistischer Erlebnisse.

Der chinesische Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei will Berlin und Deutschland verlassen. In einem Interview mit der Tageszeitung "Die Welt" sagte er, Deutschland sei keine offene Gesellschaft. "Es ist eine Gesellschaft, die offen sein möchte, aber vor allem sich selbst schützt." Ideen und Argumente, die anders seien, würden innerhalb der Kulturszene nicht akzeptiert, sagte er.

Als Beispiele für mangelnden Respekt und Offenheit nannte der 61-Jährige, dass er mehrfach aufgrund seines Aussehens aus Taxis rausgeworfen worden sei. Nachdem er einen dieser Vorfälle der Polizei gemeldet hatte, sei nichts passiert. Eine Antidiskriminierungsstelle habe den Fall als "kulturelle Unterschiede" gewertet, was der Erklärung des Taxiunternehmens entsprochen habe. Das sei in etwa so, "wie wenn die chinesische Regierung ihre Verstöße gegen Menschenrechte mit "kulturellen Unterschieden im Westen begründet".

Schwere Vorwürfe gegen die Berlinale

Der Bundesregierung warf Ai vor, Menschrechtsverletzungen Chinas zu ignorieren, um die wirtschaftlichen Beziehungen nicht zu gefährden. "Die Zukunft der deutschen Industrie hängt völlig von China ab", sagte er. Weder die deutsche noch die US-Regierung würde es kümmern, was mit Menschenrechtsanwälten geschehen sei, die spurlos in China verschwanden.

Auch der deutsche Kulturbetrieb würde gegenüber China einknicken. So seien mehrere seiner Filme von den Organisatoren der Berlinale abgelehnt worden, um Konflikten mit Pekings Zensurbehörde aus dem Weg zu gehen. "Das Festival akzeptiert nur, was von den chinesischen Behörden das Goldene Siegel bekommen hat", so Ai.

Vier Jahre Berliner Exil

Ai Weiwei gehört zu den bekanntesten Kritikern des chinesischen Regimes. Im Frühjahr 2011 wurde er in China festgenommen und für vier Monate inhaftiert, zuvor war sein Atelier in Shanghai von den Behörden abgerissen worden. Nachdem 2015 eine Ausreisesperre gegen ihn auslief, zog Ai in das Berliner Exil. Wohin er als nächstes gehe, wisse er noch nicht. "Ich besitze keine Heimat, weil China mich zurückgewiesen hat, seit ich geboren wurde", sagte er der "Welt".

Zuletzt waren die Macher des Hollywood-Episodenfilms "Berlin, I love you" heftig kritisiert worden. Sie hatten einen Teil des Films entfernt, zu dem Ai Weiwei aus dem Hausarrest heraus die Regie führte. Den Produzenten wird vorgeworfen, dies getan zu haben, um einen Filmstart in China nicht zu gefährden. Der Film gilt als finanzieller Flop und wurde von Kritikern weitestgehend verrissen oder gar nicht erst beachtet.

Sendung: Abendschau, 09.08.2019, 19.30 Uhr

Kommentar

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Antwort auf [Horst Kasallek] vom 10.08.2019 um 14:35
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31 Kommentare

  1. 31.

    Berlin mit Dreck beschmeißen Danke schön herr Ai Waiwai

  2. 30.

    Komisch, dass der medienbewusste Ai Waiwai das nicht schon vorher an die große Glocke gehangen hat, dass er "mehrfach aufgrund seines Aussehens aus Taxis rausgeworfen worden sei." Das wäre doch ein gefundenes Fressen für die Medien gewesen: der große "Künstler" und Dessident ..... Aber kein Mensch hat das erfahren. Nun schien der Leidensdruck doch so groß geworden, dass er jetzt sogar die Stadt verlassen will.
    Mir kommt die ganze Geschichte chinesisch vor.

  3. 28.

    ... das lesen von einigen dieser sogenannten Kommentare zeigt Rassismus, Dummheit und ... eklig

  4. 27.

    Sie unterstellen mir schon wieder was. Aber lassen wir’s gut sein. Ich habe aus meiner schlechten Erfahrung gelernt, berichtet und suche mir an Taxihaltepunkten genau aus von wem ich gefahren werden möchte. Im übrigen habe ich schon recht positive Erfahrungen mit z.B. Türkischen Fahrern gemacht.

  5. 26.

    Der Künstler hat in Berlin und Deutschland viel, ich denke sogar sehr viel Unterstützung gefunden, ideell, moralisch, künstlerisch und finanziell. Ich erinnere an die Ausstellung im Gropius-Bau aber auch an private Initiativen wie den Boros-Bunker. Wenn er nun glaubt, anderswo in der Welt großzügigere Umstände vorzufinden, dann sollten wir ihm dazu alles Gute wünschen.

  6. 25.

    "Man wird ja wohl noch fragen dürfen" ist im Übrigen schon von der Formulierung her die so ziemlich die pampigste und zickigste Bemerkung, die man in der Situation ablassen kann. Aber lassen Sie sich davon nicht beeindrucken.

  7. 24.

    Aha. Sie haben also was gegen Nichtdeutsche. Na das erklärt einiges. Und jetzt sind es auf einmal schon zwei Sätze, die Sie gesagt haben. Wer weiß, welche Sätze Sie noch alles "vergessen" haben. Und was Sie als "hoflich" bezeichnen kann in Wahrheit gut und gerne das Gegenteil gewesen sein. Wenn die Sprüche pampig genug kamen, kann ich mir schon vorstellen, was da gelaufen ist. Ich habe übrigens neulich auch eine arrogante, pampige alte Frau aus meinem Haus geschmissen, die meinte, sie müsse bei einer Besichtigung in einem aggressiven Tonfall an meiner Mietwohnung herumnörgeln und meckern. Auf solche Damen kann ich gerne verzichten. Weibliche Mieter mach nach meiner Erfahrung mit ihrem ewigen Genörgel sowieso den meisten Ärger. Da kann ich froh sein, daß die sich gleich bei der Besichtigung entpuppt hat. Nicht auszudenken, wenn ich die am Hals gehabt hätte...

  8. 23.

    Nanu, ging es nicht eben noch um den völlig überbewerteten chinesischen "Künstler", der die Stadt, die ihn bis zur selbstaufgabe hofierte, nun nicht mehr lieb hat und nach vier Jahre verlassen will? Und nicht um Taxis!
    Man stelle sich nur vor, wieviel Geld der Kultursenators Lederer, einer der bedingungslosen Förderer dieses "Künstlers", einspart und für wirklich wichtigere Projekte verwenden kann.

  9. 22.

    Nanu, ging es nicht eben noch um den völlig überbewerteten chinesischen "Künstler", der die Stadt, die ihn bis zur selbstaufgabe hofierte, nun nicht mehr lieb hat und nach vier Jahre verlassen will? Und nicht um Taxis!
    Man stelle sich nur vor, wieviel Geld der Kultursenators Lederer, einer der bedingungslosen Förderer dieses "Künstlers", einspart und für wirklich wichtigere Projekte verwenden kann.

  10. 21.

    Nanu, ging es nicht eben noch um den völlig überbewerteten chinesischen "Künstler", der die Stadt, die ihn bis zur selbstaufgabe hofierte, nun nicht mehr lieb hat und nach vier Jahre verlassen will? Und nicht um Taxis!
    Man stelle sich nur vor, wieviel Geld der Kultursenators Lederer, einer der bedingungslosen Förderer dieses "Künstlers", einspart und für wirklich wichtigere Projekte verwenden kann.

  11. 20.

    Unterstellen Sie mir hier was? Wieso soll so etwas denn nicht zutreffen? Genauer Hergang hierzu: Ich stieg am Taxihalteplatz Bahnhof Zoo in ein Taxi und wollte zum Einsteinufer gefahren werden. Der Fahrer ( ein Nichtdeutscher )fuhr an und ich fragte höflich, ob diese Fahrt auch als Kurzstrecke gilt. Er verneinte sehr missgelaunt, das dies nur gelten würde, wenn ich mir ein Taxi von der Straße herbeiwinken tue. Da mir sein Ton auffiel meinte ich noch zu ihm, man wird doch wohl noch fragen dürfen. Das war ihm dann schon zuviel. Da er schon an der ersten Ampel auf Grün warten mußte, sagte er sehr schroff zu mir: steigen Sie bitte sofort aus, was ich dann auch tat. Wollen Sie wissen, was ich mir sogar schon von einem ausländischen Taxifahrer gefallen lassen mußte, das auch nur deshalb, da ich auf kein Gespräch aus war und darum gebeten hatte, in Ruhe nachhause gefahren zu werden. Der Mann redete einfach weiter, ignorierte meine Bitte, am Ende wurde er ausfallend, beleidigend.

  12. 19.

    Tschüss und gute Reise.

  13. 18.

    Getroffene Hunde bellen.
    Immerhin gibt es in den USA die Todesstrafe und gefoltert wird da auch.
    Mal darüber nachgedacht,
    Naja wohl nicht.

  14. 17.

    Ein herber Schlag für die Berliner Kunst-Schickeria, die alles frenetisch beklatschte was von Ai Weiwei kam.
    Er nutzte es aus, um seine doch eher mittelmäßige Kunst feiern zu lassen. Nun zieht er weiter und Andere werden kommen und seine Stelle einnehmen.

  15. 16.

    Das klingt nicht gerade glaubwürdig. Wegen einer einzelnen Frage wird niemand aus dem Taxi geschmissen. Vielleicht doch mal das eigene Verhalten reflektieren.

  16. 15.

    Wenn Sie das nicht wissen, kann ich es Ihnen gerne erklären. Undankbar heißt, wenn man in einer Notlage als Gast freundlich aufgenommen wird und hinterher anfängt, zu stänkern. Selbst wenn Herr Ai in der Sache Recht haben mag, solch ein Verhalten würde in Fernost als unhöflich und undankbar empfunden. Hier übrigens auch - die entsprechende Kinderstube vorausgesetzt.

  17. 14.

    Soweit ich weiss, erhält er kein Geld mehr vom deutschen Staat, seine befristete Gastprofessur läuft planmäßig aus. Da muss er sich halt eine neue Geldquelle suchen für sich, seine Geliebte und deren gemeinsames Kind und für seine Ehefrau.

  18. 13.

    Was heisst hier undankbar. Er hat doch Recht. Deutschland ist längst nicht das was es zu behaupten scheint. Wenn jemand unangenehme Wshrhriten äußerst will man ihn nur noch los werden. Aber niemals zuhören. Denn dann müsste man sich mit den Themen befassen, was keiner hören will.

  19. 12.

    Geht's noch. Dieser Künstler hst vollig Recht. Die deutsche Regierung macht doch vor jedem einen Bückling, ob USA, Türkei oder China, es ist einfach nur eine Schande.

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