Die Collage von Wilhelm Klotzek aus der Serie "Das architektonische Trio" (2014, Ausschnitt) wird in der Ausstellung "Wer wir sind und was wir tun - mitten im Museum“ vom 09.08.2019 bis zum 31.10.2020 im Mitte Museum gezeigt. (Bild: Wilhelm Klotzek/Galerie Tobias Naehring)
Bild: Wilhelm Klotzek/Galerie Tobias Naehring

Sonderausstellung vor Eröffnung - Das Mitte Museum präsentiert sich selbst

Seit drei Jahren wird das Mitte Museum in der Pankstraße in Berlin umgebaut. Zwar wird das Haus erst im nächsten Jahr offiziell wiedereröffnet, aber schon jetzt gibt es einen Vorgeschmack: die Sonderausstellung "Wer wir sind und was wir tun". Von Lennart Garbes

Im Mitte Museum wird kräftig gewerkelt. Doch während die Renovierungsarbeiten im 155 Jahre alten denkmalgeschützten ehemaligen Schulgebäude in der Pankstraße weitergehen, startet zugleich eine neue Sonderausstellung. Und in der geht es um das Museum selbst. "Wer wir sind und was wir tun" zeigt mit ausgewählten Objekten die fünf wichtigsten Aufgaben des Regionalgeschichtlichen Museums für Mitte, Tiergarten und Wedding.

"Ich möchte sichtbar machen, was die Arbeit in einem Museum ist, wie sie funktioniert, und was die Arbeitsfelder sind", sagt Kuratorin Susanne Weiß. Gemeinsam mit dem Filmemacher Theo Thiesmeier präsentiert sie in fünf Themenräumen die fünf Säulen der Museumsarbeit: Ausstellen, Bewahren, Forschen, Sammeln und Vermitteln.  

Ein Orient-Teppich aus Linoleum zum Thema Forschen

Im Zentrum stehen Objekte aus der Sammlung des Mitte Museums. Wegen der Renovierungsarbeiten mussten die Exponate zeitweise komplett ausquartiert werden. "Wir haben mit dem gearbeitet, was da war in den Räumen", sagt Weiß. Etwa mit einem sogenannten Orient-Teppich aus Linoleum zum Thema Forschen.

Über Kopfhörer an den Enden des Linoleum-Teppichs erzählt die ehemalige Besitzerin, wie der Läufer von Leipzig nach Berlin kam, und ein Teppich-Experte erklärt die Bedeutung der vorislamischen Muster. An den Wänden hängen Schwarz-Weiß-Bilder der Fotografin Johanna Diehl. Sie zeigen Wohnräume, die wie eingefroren wirken, weil sie nach dem Tod ihrer Besitzer unverändert geblieben sind.

Immer wieder folgt die Ausstellung diesem Muster der Gegenüberstellung. Museumsgegenstände aus der industriell geprägten Geschichte der Stadteile Mitte, Tiergarten und Wedding werden mit Gegenwartskunstwerken und Fotografien in Verbindung gebracht. So ergeben sich interessante Kommentare über die Aufgaben eines Museums.

Pia Linz sitzt im Acrylglasgehäuse unter der Treppenschräge im Foyer des Berliner Fernsehturms und arbeitet an der Vorzeichnung zur Gehäusegravur. Ihre Arbeit wird in der Ausstellung "Wer wir sind und was wir tun - mitten im Museum“ vom 09.08.2019 bis zum 31.10.2020 im Mitte Museum gezeigt. (Bild: Sheila Barcik/ Pia Linz und Galerie Fahnemann)
Die Künstlerin Pia Linz arbeitet im Foyer des Berliner Fernsehturms | Bild: Sheila Barcik/ Pia Linz und Galerie Fahnemann

Verkleidetes Archivregal als Herzstück

Auch bei der Installation von David Polzin und Cornelia Herfurtner geht es um die Wirkung der Museumsarbeit. Für die Installation wurde ein Archivregal der Museumssammlung komplett verkleidet. Nur durch kleine Sichtluken kann man an verschiedenen Stellen ein Blick auf die eingelagerten Bilder werfen.

Beim Sichten des Archivregals sei ihm besonders die männliche Dominanz in den Gemälden aufgefallen, sagt Polzin. "Ich wollte versuchen, die so ein bisschen auszuklammern und auch ein bisschen zu überspitzen. Ich hab dann sozusagen diese ganzen Männergruppen in dieser Architektur konserviert".

Die vereinzelten Darstellungen von Frauen hat Polzin nachgezeichnet und aus den Bildern separiert. In der Filmcollage von Cornelia Herfurtner, die in die Installation integriert ist, erhalten sie ihren eigenen Platz im Spannungsfeld zwischen dem Abbild einer Männervorstellung und ihrer nachgezeichneten Emanzipation.

Spielerische Wiederbelebung vor der eigentlichen Eröffnung

Die Ausstellung "Wer wir sind und was wir tun" geht sehr lebendig, teilweise humorvoll, mit dem Thema Museumsarbeit um. Etwa wenn die lebensgroßen Torwächterskulpturen der Borsig-Werke in einer Reihe mit einem gleichgroßen Gitterspint aus den Loewe-Werken stehen, und alle gemeinsam auf ein Modell des AEG-Werks "schauen". Oder wenn man sich für die Betrachtung eines an der Decke hängenden Stadtteilmodells auf den Rücken legen muss.

"Für mich war das Interessanteste, Betrachtungssituationen herzustellen, die anders sind, als die vor der Renovierung", sagt Susanne Weiß, und ist durchaus zufrieden mit dem Ergebnis.

Trotz der spielerischen Herangehensweise schafft die Ausstellung durch ihre subtilen Gegenüberstellungen von Kunst und historischem Objekt, von Makro- und Mikroperspektiven, immer wieder thematische Tiefen. Kurzum - ein lebendiger Vorbote für die Wiedereröffnung des Regionalmuseums in Mitte.

Sendung: Inforadio, 08.08.2019, 14:55 Uhr

Beitrag von Lennart Garbes

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1 Kommentar

  1. 1.

    Lieber rbb24, vielen Dank für diesen interessanten Bericht über diese Sonderausstellung, Ich freue mich jetzt schon auf einen Besuch im Mitte Museum um mehr über die Arbeit dort zu erfahren." einen Blick hinter die Kulissen zu werfen".

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