Eröffnung des Futuriums am 05,09.2019. (Quelle: rbb/Julia Vismann)
Audio: Inforadio | 28.08.2019 | Martin Adam | Bild: rbb/Julia Vismann

Futurium am Kanzleramt - High-Tech-Bildungswerkstatt wagt den Blick in die Zukunft

Zwischen Hauptbahnhof und Kanzleramt eröffnet am Donnerstag das Futurium. Das Haus soll Zukunftsforschung für jeden zugänglich machen und den Besuchern Antworten entlocken zu der Frage: "Wie wollen wir leben?" Von Martin Adam

Die Zukunft sieht aus wie ein sehr großer Kronleuchter: Die "Sphere" ist ein Geäst aus kristallartigen Armen und Verzweigungen, gespickt mit Sensoren und Lichtern. Das Gebilde hängt im Futurium - es ist ein neuronales Netzwerk. Es reagiert auf seine Betrachter, es blinkt und leuchtet und raschelt mit Grashalmen aus Kunststoff. Die Sphäre wirkt lebendig, sie ist ein Schritt hin zur künstlichen Intelligenz, der Blick in die Zukunft im Futurium Berlin.

Informieren, austauschen, streiten

Und mögliche Zukünfte gibt es viele, sagt Stefan Brandt, der Direktor des Futuriums: "Wir möchten hier ein Ort sein, an dem sich Menschen über unterschiedlichste Zukunftsvorstellungen, Zukunftsideen, Zukunftsvisionen informieren, austauschen, darüber streiten, aber auch schon Dinge ausprobieren können."

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat das Futurium gemeinsam mit verschiedenen Wissenschaftseinrichtungen geplant und für 58 Millionen Euro an die Spree, zwischen Hauptbahnhof und Kanzleramt gebaut. Von außen moderner Niedrig-Energie-Bau mit Glasfassade, bietet das Futurium innen eine Reihe von Stationen und Exponaten, die allesamt zum Nachdenken über das Morgen auffordern. "Wie wollen wir leben?" - das sei die zentrale Frage des Futuriums, sagt Brandt.

Die Zukunft wird ausgestellt

Wer das Haus betrete, könne beim "Wünschespeicher" die eigenen Zukunftswünsche eingeben. "Da machen Sie sich gleich schon mal mit der Zukunft vertraut", erklärt der Direktor des Futuriums. "Die Wünsche werden dann von einer künstlichen Intelligenz geclustert und sortiert."

5.000 Quadratmeter Fläche mit einem Forum zum Diskutieren, einem Labor zum Basteln und einer Ausstellung über die Zukunft bietet das Futurium, um sich Stück für Stück der eigenen Vorstellung von Zukunft anzunähern. Gabriele Zipf hat die Ausstellung konzipiert. Dazu müsse man die Zukunft selbst noch gar nicht kennen, sagt sie. Sie wisse aber, "dass es ganz viele Wege in mögliche Zukünfte gibt und die zeigen wir in unserer Ausstellung".

In drei Abschnitten - Mensch, Natur und Technik - soll hier zum Beispiel gezeigt werden, welche technischen Mittel vielleicht bald zur Verfügung stehen und welche Möglichkeiten sich daraus ergeben. Murmelbahnen erklären das Prinzip der Kreislaufwirtschaft, eine von Algorithmen geschaffene Riesenskulptur, wie Umwelt und Technologien ineinander übergehen.

Mehr Fragen als Antworten im Futurium

Wer danach noch Zeit habe, meint Direktor Brandt, der könne im Lab an Workshops teilnehmen und zum Beispiel einen Roboter programmieren. Das Futurium zeigt Möglichkeiten auf, Antworten gibt es kaum. Es solle Fragen stellen und zum Denken anregen, sagt Brandt. All das soll Avantgarde sein und bleiben. Daher sei das Futurium unfertig und werde von Ausstellungsmachern und Besuchern permanent weiterentwickelt - damit das Haus der Zukunft nicht schon kurz nach der Eröffnung ein Relikt der Vergangenheit ist.

Das Futurium wird am 5. September von Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnet. Bis 2022 ist der Eintritt kostenlos.

Mit Pinsel und Laser in die Zukunft

Sendung: Abendschau, 27.08.2019, 19.30 Uhr

Beitrag von Martin Adam

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4 Kommentare

  1. 4.

    Das ist zweifellos zutreffend. Mir scheint, hier haben die Marketing-Menschen mal wieder die Oberhand gehabt gegenüber denjenigen, die über die wirklichen Koordinaten Bescheid wissen.

    Mit dem VERLASSEN auf die Computertechnik gehen manchesmal Ungeheuerlichkeiten einher. Auch wenn es mich nicht betraf: Am Bhf. Friedrichstr. wurde neulich angesagt, dass die RB 21 Richtung Golm ausfällt und es wurde auf den Zug eine Stunde später verwiesen. Ich wartete auf den RE 1 nach Potsdam.

    Kurzes Überlegen: Sind Menschen Richtung Golm mit dem RE 1 bis Potsdam und beim dortigen Umstieg nicht besser bedient, als dass sie eine Stunde warten müssten? Oder wurde die RB 21 nur bis Berlin Zoo verkürzt? So war es! Ein Einstieg in den RE 1 und der Umstieg in Zoo sparte für die Nicht-auf-die-Ansage-hören-Wollenden eine Stunde.

    Ein Programmierer sagte einmal, "Machen Sie nicht, was der Computer will. - Sorgen Sie dafür, dass der Computer macht, was Sie wollen". Ja. Das wäre Zukunft.

  2. 3.

    Wie wir leben wollen, und wie wir leben werden, sind zwei sehr unterschiedliche Ansätze. Ich würde mir wünschen, das dem zweiten mehr Gewicht gegeben wird. Damit man sehen kann, wohin unser Verhalten uns führt. Denn mit Einsicht hat es der Mensch ja nicht so.

  3. 2.

    "Die "Sphere" ist ein Geäst aus kristallartigen Armen und Verzweigungen, gespickt mit Sensoren und Lichtern. "

    Als Informatiker sage ich, beindruckend. Und für 58 Millionen. Aber, es ist ja viel mehr und "noch nicht fertig", wie Herr Direktor Brandt ausführt.

  4. 1.

    Ich kann mir nicht helfen - aber die Ortsbeschreibung "zwischen Hauptbahnhof und Kanzleramt" ist schlichtweg falsch. Das Gebäude steht zwischen Humboldthafen und Bundesministerium für Bildung und Forschung, also östlich des Hauptbahnhofes. Mit dem Kanzleramt hat das nichts zu tun, das steht südwestlich des Hauptbahnhofes.

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